Mit dem FC St. Pauli trifft Werders U 23 im DFB-Pokal am Dienstagabend, 30.10.2007, um 19 Uhr auf einen Klub der etwas anderen Art. Höhen und Tiefen , Auf –und Abstiege, drohender Konkurs - die Jungs vom Hamburger Kiez haben so manches dunkle Tal durchschritten und sind doch immer wieder zurückgekehrt. In der vergangenen Saison stieg die Mannschaft von Cheftrainer Andre Trulsen abermals in die zweithöchste deutsche Spielklasse auf und hat sich offensichtlich auch abseits des Tagesgeschäfts der 2. Bundesliga einiges vorgenommen. Zum Saisonauftakt wurde kurzerhand der Bundesligist Bayer 04 Leverkusen mit 1:0 aus dem Pokalwettbewerb gekegelt.
FC St. Pauli? Da war doch noch was...
Für Pokalsensationen sind die Hamburger ohnehin gut. In der Spielzeit 05/06 marschierten die Kiez-Kicker bis ins Halbfinale, mussten sich aber dort gegen den späteren Cup-Gewinner, den FC Bayern München, mit 1:2 n.V. geschlagen geben. Zuvor bezwang St. Pauli die Profis der Bremer mit 3:1 (1:1). Gefrorener Boden bei -5° Celsius sowie miserable Platzverhältnisse sorgten noch Wochen später für Unmut bei den Verantwortlichen und Fans der Grün-Weißen. Werders U 23 hat folglich noch eine Rechnung zu begleichen, sieht sich aber mit keiner leichten Aufgabe konfrontiert.
Die Bilanz von Werders U 23 gegen Pauli versprüht leider wenig Optimismus. Fünf Niederlagen und einem Unentschieden stehen nur zwei Werder-Siege gegenüber. Die letzte Begegnung endete im April 2007 vor knapp 10.000 Zuschauern im Weser-Stadion mit 0:2 (0:1) aus Bremer Sicht. Ausgerechnet die ehemaligen Werderaner Ahmet Kuru und Timo Schultz erzielten die beiden Treffer für die Hamburger. Seitdem hat Teamchef und Ex-Profi Holger Stanislawski das Team noch einmal verstärkt.

Mit Alexander Ludwig (Dynamo Dresden) und Rene Schnitzler (Borussia Möchengladbach) wechselten zwei Wunschspieler ans Millerntor, zudem wurde mit Filip Trojan (VfL Bochum) ein Bundesliga-Routinier verpflichtet. Neben der Transferpolitik weiß aber auch die Jugendarbeit des FC zu beeindrucken. Zlatan Bajramovic (jetzt FC Schalke 04) und Werder-Profi Ivan Klasnic dienen nur als eine kleine Auswahl namhafter Bundesliga-Spieler, die der Talentschmiede des Hamburger Stadtteils entsprungen sind.
Zahlreiche Pauli-Fans werden erwartet
Als großes Plus der St. Paulianer darf zudem das besondere Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans gewertet werden. In guten wie in schlechten Zeiten – selten wurde dieser Floskel im Fußball mehr Inhalt verliehen als 2003. Dem FC drohte Konkurs und somit der doppelte Abstieg binnen einer Saison in die Oberliga. Innerhalb von drei Monaten wurden mittels zahlreicher Aktionen weit mehr als die benötigten 1,95 Millionen Euro erwirtschaftet. So trug der Verkauf von über 140.000 "Retter"-T-Shirts beispielsweise einen erheblichen Teil dazu bei. Aber auch heute ist die Identifikation der Fans mit der Kiez-Elf ungebrochen. Dieser Zusammenhalt äußert sich ebenso im Zuschauerzuspruch. Selbst in der Regionalliga hatte St. Pauli einen höheren Besucherschnitt als die meisten Zweitligavereine und im Dauerkartenverkauf machten die Hamburger sogar einigen Bundesliga-Klubs Konkurrenz. Es wird also laut im Weser-Stadion.
Timo Strömer
