Dortmund war wieder eine Reise wert

Werders Delegation zum Dortmunder GM-Turnier 2016
Schach
Montag, 18.07.2016 / 14:51 Uhr

Claus Dieter Meyer

Zum etwa 20.Male besuchte eine Werder-Schachreisegruppe im Sommer das traditionelle Dortmunder Großmeisterturnier. Am 13. Juli - gemütlich mit dem IC zur Mittagszeit im Dortmunder Hauptbahnhof eingetrudelt - spazierte die achtköpfige Delegation zunächst zu einem "Italiener", um bei passablem Wetter unter freiem Himmel sich mit Pizza etc. zu verköstigen. Pünktlich zu Beginn der 4.Runde des 44. Sparkassen Chess Meeting fanden wir uns dann im feinen Turniersaal des Orchesterzentrum NRW ein und genossen es einmal mehr, mit Hilfe modernster Technik aus nächster Nähe die Duelle einiger der größten Koryphäen unserer Zunft zu verfolgen, vor anderen die Nr. 2, 3 und 4 der Welt: Wladimir Kramnik, Fabiano Caruana und Maxime Vachier-Lagrave. 

Leider gab es an diesem Tag kein "großes Theater" und richtige Spannung wollte nicht aufkommen, aber weniger aus Friedfertigkeit, sondern weil die Protagonisten sich einfach zu gut "neutralisierten". Die einzige entschiedene Partie lieferte der 25-jährige Franzose Lagrave (und spätere Turniersieger mit 1,5 Punkten Vorsprung!), brandaktuell auf Platz 2 der Welt-Elo-Liste, gegen den deutschen Nationalspieler Rainer Buhmann. Letzterer verlor nach solider Partieanlage (mit der Breyer-Variante im Spanier) wegen allzu schlechter Bedenkzeiteinteilung die Übersicht und patzte. Kramnik lief mit den schwarzen Steinen und der Semi-Tarrasch-Variante bei Ruslan Ponomariov gegen eine Mauer - remis im 27. Zug. Auch Caruana sah gegen die feste Russische Verteidung von Leinier Dominguez Perez keine Sonne und konnte am Ende mit dem halben Punkt zufrieden sein. Die für mich interessanteste Partie war Liviu-Dieter Nispeanu vs Evgeniy Najer. Der Russe Najer, durch den Sieg beim diesjährigen Aeroflot Open für Dortmund qualifiziert, überraschte hier nach 1.d4 d5 2.Sf3 Lf5!? mit einer provokanten und noch relativ wenig erforschten Eröffnungsbehandlung. Nisipeanu, gebürtiger Rumäne mit deutschen Wurzeln, 2014 zum Deutschen Schachbund gewechselt und hierzulande die Nr. 1, ließ sich hingegen nicht frappieren, gewann bald die Oberhand und eroberte im Mittelspiel einen Bauern. Leider übersah er im 20.Zug eine tückische Linienverstellung und verdarb nach einer weiteren Unachtsamkeit seine zuvor tadellos geführte Partie, worauf der Russe zielstrebig den Remishafen ansteuern konnte. Eine ausführliche Analyse (im pgn-Format) ist hier beigefügt. 

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