Am 23. Juli 2013 starb unser langjähriges Mitglied Dietrich Kassubek, seit fast 40 Jahren im Verein und fast ein Vierteljahrhundert davon im Vorstand der Schachabteilung. Mit ihm, der bis zuletzt aktiv in der sechsten Mannschaft und der Seniorenmannschaft war, verlieren wir nicht nur ein verdientes Mitglied. Wie kaum jemand sonst verkörperte Dietrich Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit. Immer ansprechbar, wenn es um ein Problem der Abteilung ging, aber nie darauf erpicht, im Rampenlicht zu stehen.
Als sich unsere Schachabteilung zu einem Großverein mauserte, was sich insbesondere im Etatvolumen manifestierte, saß Dietrich an entscheidender Stelle: Mit seinem großdimensionierten Kontokorrentbuch, dem erst später eine entsprechende Software an die Seite gestellt, das aber nie ersetzt wurde, verwaltete er statt den 6.000 DM seines Vorgängers nun den 15-fachen Betrag - Irrtümer, gar Rechenfehler all die Jahre ausgeschlossen. Und als wir 1998 die immer noch stärkste Deutsche Einzelmeisterschaft aller Zeiten veranstalteten, da staunte Chefredakteur und Großmeister Tischbierek über den phantastischen Service, am nächsten Morgen die komplette Runde mit allen Zügen des vergangenen Tages als Bulletin an seiner Tür vorzufinden - ermöglicht in Vor-DGT-Bretter-Zeiten vor allem von Dietrich, der bis nachts um drei Uhr den Kopierer laufen ließ. Und ebenso still im Hintergrund wirkte er z.B. auch als Nachhilfe-Lehrer für Peter Lichmann in Mathe und Physik, als der nach seinem Umzug von der Ukraine nach Bremen schulische Schwierigkeiten hatte.
Wir betreiben hier natürlich keinen Heroen-Kult, selbstverständlich hatte Dietrich auch eine Schwäche: Er rauchte zeitweilig alles, was brennbar war - aber auch das hatte seine gute Seite: Als ich selber beschloss, damit aufzuhören, verabredete ich mich zum Blitzen mit Dietrich mit dem Hintergedanken, meinen edlen Plan sofort wieder aufzugeben, sollte ich beim qualmenden Dietrich wieder einen Jeeper verspüren. Wir verbrachten einen vergnüglichen Nachmittag, Dietrich vernichtete drei Zigarillos und ca. 10 Zigaretten, bevor er zur Pfeife griff, und ich, derart räucherkammergestählt, rauche bis heute nicht mehr.
Was die Pläne für die Schachabteilung angeht, so war ich immer dem großen Entwurf eher zugeneigt als den kleinen Realisierungsschritten - die machte vor allem Dietrich. Ich glaube, ich wäre nach einem Jahr kläglich gescheitert, wenn nicht Dietrich - neben anderen - mich immer wieder geerdet hätte - ruhig, leise, aber bestimmt. Mit ihm verliert die Schachabteilung weit mehr, als den meisten Mitgliedern heute noch bewusst ist.
Till Schelz-Brandenburg