Dass Werder sich gegen nominell schwächere Teams oft schwertut, ist hinlänglich bekannt; dass es aber so nervenaufreibend gegen das Tabellenschlusslicht, SC Remagen, sein würde, war kaum zu erwarten. Auch ohne seine beiden Spitzenleute, Ivanchuk und Gharamian, leistete der im Abstiegsstrudel steckende Gastgeber harten Widerstand. Es begann mit frühen Remisen von Richard Rapport und Zbynek Hracek, deren Stellungen rasch verflacht waren. Während Zahar Efimenko (gegen Sergey Fedorchuk), Laurent Fressinet (gegen Mircea Parligras) und Tomi Nybäck (gegen Benjamin Bok) leichte bis klare Vorteil erzielt hatten, stand Luke McShane (gegen Gawain Jones) nach merkwürdiger Interpretation der Larsen-Eröffnung schlecht. Bei Alexander Areschchenko (gegen Alexandre Dgebuadze) und Vlastimil Babula (gegen Klaus-Jürgen Schulz) zeichneten sich über lange Zeit eher Punkteteilungen ab. Obwohl nun die Gewitterwolken über McShanes Feste dunkler wurden und überdies Zeitnot drängte, verpasste gerade in dieser kritischen Phase sein britischer Landsmann verstärkende Fortsetzungen, gestattete den entlastenden Damentausch und ließ schließlich lucky Luke ins Remis entschlüpfen. Andererseits verdarb Fressinet seinen Endspielvorteil und musste sich trotz Mehrbauer bei ungleichfarbigen Läufern dem unvermeidlichen Friedenschluss fügen. Als dann aber sowohl von Efimenko als auch von Nybäck Erfolgsmeldungen kamen, sah das Match beim Stande von 4:2 schon rosiger für die Grün-Weißen aus.
Ans Nervenkostüm gingen indes kurz vor und nach der ersten Zeitkontrolle, also nach etwa vier Stunden, die verbliebenen Partien von Areshchenko und Babula. Werders Ukrainer strapazierte sein ausgeglichenes Dame+Springer vs Dame+Läufer-Endspiel derart, dass er zwischenzeitlich sogar auf Verlust stand. Am schlimmsten jedoch hatte der tschechische Haudegen Babula seine Position heruntergewirtschaftet, so dass man diese eigentlich ebenfalls abschreiben musste. Doch dann patzten die Rheinland-Pfälzer im Duett, und getreu dem Tartakowerschen Aphorismus der vorletzte Fehler gewinnt holten gänzlich unverhofft - Babula einen ganzen und Areshchenko einen halben Punkt. Am Ende siegte Werder zwar hoch mit 5,5:2,5, aber es war gewiss nicht alles gut.
SC Remagen 2,5 : 5,5 Werder Bremen
1 Fedorchuk 0 : 1 Efimenko, 2 Parligras remis Fressinet, 3 Jones remis McShane, 4 Dgebuadze remis Areshchenko, 5 Bok 0 : 1 Nybäck, 6 Michiels remis Hracek, 7 Teske remis Rapport, 8 Schulz 0 : 1 Babula
Das Spitzenmatch tags darauf zwischen Bremen und Solingen verlief wie in den Jahren zuvor wieder einseitig und relativ spannungsarm. Die Klingenstädter, (nach Eppingen) nächster Verfolger der Bremer, bekamen gegen diesmal solide aufspielende Werderaner keine Gewinnchance. Nach mehr oder weniger ereignisreichen Punkteteilungen bei Ragger Efimenko, Hracek Jussupow und Babula Hoffmann erzwang auch der junge Rapport gegen Alexander Naumann durch flottes Angriffs- und Opferspiel Remis durch Dauerschach. Besser standen indessen Fressinet (gegen Jan Smeets), McShane (gegen Daniel Stellwagen) und Nybäck (gegen Predrag Nikolic). Überdies verdiente auch Areshchenkos Position (gegen Erwin L`Ami) den Vorzug. Demnach stand nur die Höhe des Werder-Sieges in Frage.
Nun entglitt dem bei dieser Doppelrunde unter Form agierenden Areshchenko die Dominanz (remis/41). Gleiches galt für McShane: Der stärkste Amateur der Welt verlor in einem gewinnträchtigen Endspiel den Faden und willigte ins ärgerliche Remis ein. Nicht locker ließen dagegen Nybäck (1:0/52) - der Finne war mit 2 aus 2 Werders Topscorer des Wochenendes -, und, nach 107 Zügen, der äußerst hartnäckige und geduldige Fressinet, der erst kurz vor Schluss den entscheidenden Fehler seines Gegners ahnden konnte.
Werder Bremen 5 : 3 SG Solingen
1 Efimenko remis Ragger, 2 Fressinet 1:0 Smeets, 3 McShane remis Stellwagen, 4 Areshchenko remis L`Ami, 5 Nybäck 1:0 Nikolic, 6 Hracek remis Jussupow, 7 Rapport remis Naumann, 8 Babula remis Hoffmann
C.D. Meyer