Oliver Müller Bremer Schachmeister 2011

Oliver Müller (rechts) am Blindenschachbrett, während ihm der Gegner gerade seinen Zug mitteilt
Schach
Montag, 25.04.2011 / 23:40 Uhr

Bei der Offenen Bremer Schach-Einzelmeisterschaft, die vom 16. bis 23. April in der Mensa des Schulzentrums West, Delmenhorst, stattfand, siegte unter 64 Teilnehmern Fide-Meister Oliver Müller vom SV Werder Bremen. Mit stattlichen 8 Punkten aus 9 Partien triumphierte Müller ohne Niederlage vor dem favorisierten Titelverteidiger IM Tobias Jugelt (7,5 Pkt., Delmenhorster SK) sowie Peter Issing (6,5 Pkt., Bremer SG) und Simon Bart (6,5 Pkt., Werder).

Der 41jährige Bremer Oliver Müller, der gleichzeitig Meister des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenschachbundes ist, wird dieses Jahr wieder als dessen Vertreter bei der Deutschen Einzelmeisterschaft starten, als Bremer Meister im nächsten Jahr für den Landesschachbund Bremen.

Die große Überraschung des Bremer Turniers aber war der 18-jährige frisch gebackene Abiturient Simon Bart, sein unerwarteter Sieg in der Finalrunde gegen den Routinier Peter Issing hievte ihn auf den beachtlichen 4. Platz. Ebenfalls sehr erfolgreich agierte die junge Werder Dame Maike Janiesch. Sie erzielte acht Remis und gewann eine Partie - durchweg gegen nominell stärkere Konkurrenz - und ist damit einmal mehr Bremer Frauenmeisterin. Bester Jugendlicher war der 15-jährige Tobias Kügel vom Delmenhorster SK (6 Pkt., Platz 10).

Hier einige Anmerkungen vom Sieger:

  1. Ich wurde von mehreren Nichtschachspielern gefragt: Warum findet die Bremer Einzelmeisterschaft in Delmenhorst statt?

  2. Da es nur zwei weitere Teilnehmer in meinem (erweiterten) Spielstärkebereich gab, standen die Chancen auf einen Turniersieg nicht so schlecht.

  3. Ohne Glück kann man kein Turnier gewinnen. In manchen Partien kann man von Glück sprechen, das mir zum Sieg verholfen hat. Andererseits verliert nicht immer der erste Fehler, sondern der letzte.

  4. Mit nur 64 Teilnehmern und darunter auch sehr wenigen Jugendlichen war die Beteiligung etwas dürftig.

  5. Schade auch, dass bei der Siegerehrung die Ratingpreisträger nicht mehr vollzählig anwesend waren. Ich finde, wenn man einen Geldpreis gewinnt, kann man auch so lange warten, bis einem dieser ausgehändigt wird.

  6. Hervorzuheben ist die Leistung des 18-jährigen Werderaners Simon Bart, der mit einem - glücklichen ? - Sieg gegen Peter Issing zuletzt noch auf satte 6,5 Punkte und Platz 4 kam. Einer ersten Schätzung nach steigerte er seinen DWZ um 77 Punkte! Auch Maike Janiesch war erfolgreich - alles gegen durchweg stärkere Gegner. Sie wird ihre Wertung ähnlich wie Simon verbessern.

  7. Die Organisation durch den Delmenhorster SK war - wie im letzten Jahr - tadellos. Von mir aus kann das Turnier dort noch öfter stattfinden.
    Für mich wurde ein extra Tisch aufgestellt, damit genug Platz für das Zweibrettspiel gemäß den Blindenschachregeln vorhanden war. Dies und die damit verbundene immer gleiche Tischnummer waren für mich optimale Spielbedingungen.

  8. Nachdem ich den Turniersieg im letzten Jahr knapp verpasst hatte, hat es nun endlich geklappt. Mit für mich sagenhaften 8 aus 9 hatte ich aber auch nicht gerechnet.

  9. Im nächsten Jahr werden wohl zum ersten Mal zwei Spieler vom Blindenschach an der DEM teilnehmen: Ich als Bremer Meister sowie ein Vertreter des Blindenschachbundes.

  10. Zum Wettkampfverlauf: Die drei Favoriten Jugelt, Müller und Issing spielten die ersten Runden „nach Plan", bis sie aufeinandertrafen. Hierbei überraschte Peter Issing mit seinem Sieg über Tobias Jugelt, gegen den er bis dato in sieben Begegnungen nie gewonnen hatte.
    Da ich wie im Vorjahr remis gegen Jugelt spielte, hatte dieser nun ständig einen halben Punkt weniger als ich.
    Meine Partie gegen Issing war hart umkämpft und endete schließlich unentschieden. Das bedeutete, dass Peter nun - nach Abschluss der Favoritenduelle - einen halben Punkt mehr hatte als ich.
    Während Tobias sein Restprogramm souverän absolvierte, zeigte Peter Nerven, holte aus den Runden 7 und 8 jeweils einen halben Zähler und fiel somit wieder hinter mir zurück. Vor der letzten Runde hatte ich also einen halben Punkt Vorsprung und konnte das Turnier mit einem Sieg ganz allein ohne den Einfluss einer Zweitwertung für mich entscheiden. Das war schön!

Die Tabellen und weitere Infos gibt es auf der Internetseite http://www.dsk1931ev.de.

Die Fotos stammen von Gaby Aßmann, die angehängte Statistik der an der BEM teilgenommenen Werderaner hat uns Andreas Burblies zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

C.D. Meyer

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