In der jüngsten Runde des Vereinsturniers dachte Schachfreund Michael Qu. in seiner Partie gegen Hans Wild, er könne den Teilnehmer-Senior mal eben in der Eröffnung beschwindeln. Ergebnis: Nach 21 Zügen musste der Jungspund mit einer Minusfigur aufgeben. Merke: Wer unseren Hans unterschätzt, seine taktische Schlagfertigkeit, seine Ideen und seinen Kampfgeist nicht kennt, kann eigentlich gleich aufgeben.
Als ich dann später unter seinem Vorsitz im Vorstand mitarbeitete, passierte es öfter, dass Hans an einem in meinen Augen tollen Vorschlag dies und jenes zu bedenken gab, so dass man schon mal ungeduldig werden konnte. Meistens aber stellte sich dann heraus, dass seine Einwände gar nicht so abseitig waren, und so lernte ich Achtung und Respekt vor seiner Erfahrung – und seinem Mut vor Königsthronen. Dass er damit manches Mal in Konflikt mit den Granden bei Werder geriet, nimmt da nicht Wunder, eher schon, dass er trotzdem (und wohl auch deswegen) heute unter allen 40.000 Mitgliedern von Werder Bremen derjenige ist, der am längsten ehrenamtlich tätig ist, weit mehr als ein halbes Jahrhundert.
Dass es keinen quasi privaten Hans und einen anderen, nämlich öffentlichen gibt, dass er, eine heute eher seltene Kunst, immer mit sich selber identisch war und ist, das hat sicher auch dazu beigetragen, dass der Wechsel des Vorsitzes von ihm zu mir so überaus reibungslos und freundschaftlich verlief. Es soll ja sogar bei Werder Leute geben, die sich nicht von ihrem Amt trennen können und alles wegbeißen, was nach potentiellem Nachfolger aussieht – bei Hans war das nicht der Fall.
Wenn man so will, stellt Hans die Brücke dar zwischen der Vorzeit der Abteilung, als etwa der Schatzmeister über einen Abteilungs-Jahresetat von 6.000.- DM gebot und starke Spieler für die erste Mannschaft mit einem sonntäglichen Mittagessen honoriert wurden, und einer Zukunft, in der die Unfähigkeit bezahlter (und unbezahlter, aber immer bedeutungsvoller) nationaler Schachfunktionäre und der ungebremste Egoismus einiger Profis um die Wette laufen – mit absehbar desaströsem Ausgang. Aber er ist kein Apostel des „Früher war alles besser“, sondern einer, der konkret anpackt und hilft, so dass bei manchen Bundesliga-Heimwochenenden extra jemand auf ihn aufpassen musste, damit er nicht die schwersten Kartons und Taschen schleppte.
Wir alle können froh sein, jemanden wie ihn bei uns zu haben. Wir wünschen ihm vor allem Gesundheit und Optimismus.
Ad multos annos, lieber Hans, und danke, dass Du bei uns bist.
Zum 80. Geburtstag unseres unermüdlichen Ehrenvorsitzenden und langjährigen "Hansdampf" hier eine "typische Wild-Partie", bei der sein junger Gegner u.a. nicht gewürdigt hatte, dass Hans` Lieblingsfigur der Springer ist:
Wild - Osmer
Till Schelz-Brandenburg