DEM 2011 – Skandal, Blackout und Gummibärchen

Schach
Freitag, 19.08.2011 / 16:58 Uhr

Schon zum zweiten Mal durfte ich an diesem Turnier teilnehmen, das vom 25. Mai bis 04. Juni 2011 in Bonn stattfand.

Allgemeines
Auch diesmal war ich durch die Qualifikation per DBSB (Deutscher Blinden- und Sehbehinderten Schachbund) zur Teilnahme berechtigt, und als Begleiter und Coach reiste unser Trainer Wilfried Bode mit. Gespielt wurde im Ibis-Hotel, das sich in zumutbarer Entferung zum Bahnhof und Stadtzentrum befand. Spielsaal und Verpflegung waren in Ordnung, nur die Temperatur der beiden Räumlichkeiten hätte etwas höher sein können (Klimaanlage und Dauerbüffet).
Eine Bereicherung stellte auf jeden Fall die gleichzeitige und gleichörtliche Ausrichtung der Deutschen Einzelmeisterschaft der Frauen dar, die für angenehme Abwechslung in Bild und Ton sorgte.

Schachliches
Mit Setzlistenplatz 23 unter 34 Teilnehmern sind meistens stärkere Gegner zu erwarten. Gleich in der ersten Runde hatte ich es mit dem amtierenden Deutschen Meister 2010, IM Niclas Huschenbeth, zu tun. Nach Verlassen der Theorie büßte er einen Bauern ein, jedoch ohne ausreichende Kompensation. Das Endspiel war technisch schwierig, und so fiel mir nichts Besseres ein, als zur Materialverteilung L+2B (ich) gegen T abzuwickeln, das Huschenbeth aber korrekt bis zum Remis verteidigen konnte. Hier die Partie mit - wie auch in den folgenden Beispielen - Kommentaren von CD Meyer.

Huschenbeth,N (2502)-Mueller,O. (2327)
82. Deutsche Schach-Meisterschaft Bonn (1), 26.05.2011
[B65] [CDM]

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lg5 e6 7.Dd2 Le7 8.0-0-0 0-0 9.f4 Sxd4 10.Dxd4 Da5 11.e5 [Eine alte Idee des Russen I. Liskov aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die eigentlich jeder Anhänger dieses sizilianischen Verteidigungssystems kennen sollte: Schwarz muss aufpassen, um nicht in einem schlechten Endspiel zu landen! Zumeist gespielt wird jedoch 11.Lc4 Ld7 12.e5 dxe5 13.fxe5 (13.Dxe5 Db6) 13...Lc6 14.Ld2 Sd7 15.Sd5 Dd8 16.Sxe7+ Dxe7 17.The1 und nun: 17...Tfd8 (17...Sb6; 17...Tfc8)] 11...dxe5 12.Dxe5 [12.fxe5? Td8 13.Df4 Txd1+ 14.Kxd1 Sd5] 12...Dxe5 13.fxe5 Sd5 14.Lxe7 Sxe7 15.Ld3

15...Sc6!? Eine bewährte Alternative lautet 15...b6, z.B. 16.Le4 16...Tb8 17.The1 Sg6 18.Lxg6 hxg6 19.Sb5 Lb7 20.g3 a6 21.Sd6 Ld5 22.a4 b5 23.axb5 axb5 24.Td4 Tb6 25.Tb4 Tfb8 26.h4 f6= Short-Kramnik, Riga 1995 (ECO) 16.The1 Td8

17.Lb5?! 17.b4!? könnte Schwarz am ehesten in Schwierigkeiten bringen: 17...Ld7 (17...a6 18.Sa4 Kf8 19.Le4 Ke7 20.Lxc6 Txd1+ 21.Txd1 bxc6 22.Td6 Ta7 23.Sb6 Tc7 24.c4 f6 25.c5 fxe5 26.Kd2 Ld7 27.Ke3 Le8 28.Sc4 Tc8 29.a3 Ta8 30.Sxe5 Tc8 31.h4 Kf6 32.Sf3 a5 33.Sg5 axb4 34.axb4 h6 35.Sxe6 Tb8 36.Sc7+ Kf5 37.Sxe8 Txe8+ 38.Kd3 Tc8 39.Kc4 h5 40.g3 g6 41.b5 cxb5+ 42.Kxb5 Tb8+ 43.Kc4 Tb1 44.Td3 1:0, Aronin-Suetin, 1953) 18.b5 Se7 (18...Sa5 19.Se4 Tac8 20.Sd6 Tc5 21.Te4 (21.Le4 Kf8 22.Sxb7 Sxb7 23.Lxb7 Ke7 24.a4±, Tal - Ilivitsky, USSR Teams Ch 1953) 21...Kf8 22.Tde1 Le8 23.g4 h6 24.Kb2 b6 25.h4 Tc7 26.g5 hxg5 27.hxg5 Sb7 28.Sxb7 Txb7 29.Th1 g6 30.a4 Td5 31.Th7 Tc7 32.Th3 Tcc5 33.The3 Ke7 34.Kb3 Ld7 35.c4 1:0, Matulovic-Trincardi, 1967) 19.Se4 a6 20.bxa6 bxa6 21.Sd6 (21.Sc5 Lc6) 21...Lc6 22.Td2 Ta7 23.c4 Tc7 24.Kb2+= mit anhaltendem leichtem Druck. 17...Ld7 18.Sa4 Womöglich der erste neue Zug. Nach 18.Td6 Le8 19.Ted1 Tdc8!? (oder 19...Kf8 20.Se4!? (Schlechter ist 20.Lxc6 Txd6 21.Txd6 (21.exd6? Lxc6 Plan Ke8-d7) 21...Lxc6 22.g3 Ke7 23.Td4 f6!?) 20...Tdc8 21.Lxc6 Lxc6 22.T6d4, unklar/=) 20.Lxc6 Lxc6 21.g3 a5 ist das Endspiel etwa ausgeglichen. 18...Le8 19.Td6

19...a6?! [Mit 19...Tdc8!? hätte Schwarz jegliche Probleme abgeschüttelt und eine gute Verteidigungsposition eingenommen. Wegen der Schutzbedürftigkeit des Bauern e5 steht hier Weiß eher etwas unbequem, während nach dem Textzug Schwarz seinen Damenflügel unnötig geschwächt hat.] 20.Lxc6? [Erforderlich war 20.Lf1 und nach 20...Sxe5 (oder 20...Txd6 21.exd6 Td8 22.Sc5 (22.Td1 Se5) 22...b6 23.Sa4 b5 24.Sc5) 21.Txd8 Txd8 22.Sc5 Td5 23.Sxb7 Lb5 24.b3 Lxf1 25.Txf1 Kf8 26.c4 Sd3+ 27.Kd2 Td7 28.Ke3 f5, unklar/=, wären die Chancen etwa ausgeglichen.] 20...Lxc6 mit schwarzem Vorteil 21.Sb6 Txd6 22.exd6 Td8 Weiß verliert kompensationslos einen vitalen Bauern. 23.Td1 Lxg2 24.c4 Lf3 25.Td3 Le4 26.Td2 g5 [26...f5 27.c5 Kf7 28.b4 e5 29.d7 f4!? wirkt schon sehr gewinnträchtig.] 27.c5 h5 28.Td1 g4?! [Etwas voreilig und zudem die dunklen Felder schwächend. Besser 28...Kg7 29.Kd2 (29.Sc4 f5 30.Kd2 Kf6 31.Ke2 Ld5 32.Sa5 Td7-+) 29...f5 30.Ke3 Kf6-+] 29.Kd2 Kg7 30.Ke3 Lf3 [30...f5 31.Sc4 Kf6 32.Kf4] 31.Te1 f6 32.Kf2 Kf7 33.b4

33...h4? [Wiederum ungestüm und vermutlich der letzte schwere Fehler, während 33...e5 Schwarz noch alle Möglichkeiten geboten hätte: 34.a4 Lc6 35.Kg3 Ke6] 34.h3 Lc6 [Auch nicht besser als 34...Tg8 35.hxg4 Lxg4 36.a4, wonach sich der schwarze Vorteil nahezu verflüchtigt hat.] 35.hxg4 Th8 36.Kg1 Tg8 37.Kh2 Txg4 38.Td1 Ke8 39.Kh3 Txb4 40.d7+ Kd8 41.Tg1

41...Txb6?! [Verschenkt den Rest an Initiative, während 41...Lxd7 42.Td1 Txb6 43.cxb6 Ke7 44.Tc1 e5+ 45.Kxh4 Kd6 46.Tf1 f5 47.Td1+ Ke6 48.Tc1 Kd6 49.Td1+= das Remis glatt forciert hätte.] 42.cxb6?! [42.Tg8+ Kxd7 43.Tg7+ Kd8 44.cxb6 f5 45.Kxh4= ist zwar deutlich besser und hätte die folgenden Gewinnversuche vermieden, aber am Ausgang der Partie vermutlich auch nichts geändert: 45...f4 46.Kg4 f3 47.Kg3 e5 48.Kf2 e4 49.Ke3 a5 50.Tc7 a4 51.a3 Ld5 52.Tg7 Lc6] 42...Kxd7 43.Tc1 Kd6 44.Kxh4 Ld5 45.a3 e5 46.Tf1 Ke6 47.Kg4 Le4 48.Td1 f5+ 49.Kg5 f4 50.Kg4 Ld5 51.Tc1 Kf6 52.Tc7 Le6+ 53.Kf3 Kf5 54.Tc5 Lf7 55.Ta5 Lc4 56.Tc5 Lb5 57.Kf2 Ld3 58.Tc7 Le4 59.Tf7+ Ke6 60.Tf8 Ke7 61.Th8 Ld5 62.Th6 e4 63.Th4 f3 64.Th6 Kd7 65.Ke3 Lc6 66.Tg6 Ld5 67.Th6 ½-½

In der zweiten Runde spielte ich mit Weiß gegen GM Rainer Buhmann. Wilfried hatte für mich ein Abspiel in der französischen Rubinstein-Variante ausgearbeitet, das meinen Gegner schon bald ins Grübeln brachte. Nach einer Abwicklung stand ich etwas besser; da mir dies aber nicht so klar war und die Zeit etwas knapp wurde, bot ich remis an, was Buhmann akzeptierte.

Mueller,O (2327) - Buhmann,R (2579)

82. Deutsche Schach-Meisterschaft Bonn (2), 27.05.2011 [C13] [CDM]

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 dxe4 5.Sxe4 Le7 6.Lxf6 gxf6 7.Sf3 f5 8.Sc3 a6 9.De2 b5 10.De3 Sd7 11.0-0-0 c6 12.Ld3 Lb7 13.The1 Sf6 14.Se5 Tg8 15.g3 Kf8 16.h3 Tg7 17.Kb1 Lb4 18.Le2 Da5 19.Lf3 Lxc3 20.Dxc3 Dxc3 21.bxc3² Sd5 22.Kb2 Ke7 23.c4 bxc4 24.Sxc4 Tb8 25.Sa5 La8+ 26.Sb3 Tgg8 27.c4 Sb6 28.c5 Sd5 29.Lxd5 cxd5 30.Kc3 h5

31.Tb1 - ½-½

Remis? 31.Tb1²/± h4 32.gxh4 Th8 33.Sa5 Tbc8 34.Tb6 Txh4 35.Txa6 (35.Te3? Txc5+) 35...Txh3+ 36.Kb4 Td3 37.Sb3 Tf3 38.Te2 Lc6 39.Td2 Kd7 (39...Th3 40.a4) 40.Sa5±; 31.Sd2 Tb5 32.a4 Tbb8 33.Ta1 a5 34.Teb1 Lc6 35.Txb8 Txb8 36.Sb3 Ta8 37.h4 f6 38.Sc1! Tb8 (38...e5 39.Tb1 Lxa4 40.Sd3 Le8 41.dxe5 fxe5 42.Sxe5 a4 43.Ta1 Kf6 44.f4 Ke6 45.Sf3!±) 39.Sd3 Tb7 40.Ta3 Tb1 41.Tb3 Ta1 42.Tb6 Ta3+ 43.Kd2 Ta2+ 44.Ke3 Kd7 45.Sf4± (CDM).

Dann folgte mal wieder der Klassiker: Jugelt-Müller, und zwar zum sechsten Mal in genau dieser Farbverteilung - ich hatte noch nie Weiß gegen Tobias. Analog zu den letzten zwei Partien stand ich erst etwas besser, verdaddelte dann den Vorteil und musste den Rest mit etwas Anstrengung remis halten. Wann hier wohl mal der Knoten platzt?

Runde vier wollte ich das Gespenst des Remiskönigs verscheuchen, was mir auch gelang. Leider.

Bevor noch was passieren konnte, machte ich in Runde fünf schnell remis und nutzte den Nachmittag noch für kulturelles Sightseeing im Beethoven-Museum.

Auch Runde 6 brachte keine Erleichterung, nur mit viel Glück und Hilfe des Gegners konnte ich eine glatt verlorene Stellung noch retten.

Runde sieben bescherte mir wie gewohnt einen stärkeren Gegner, Nicolas Lubbe, derzeit Niedersachsenmeister. Die Partie war zwar ausgekämpft, hatte aber zu keiner Zeit die Remisbreite merklich verlassen.

Doch noch Remiskönig?

In der vorletzten Runde war ich gegen IM Seegers c3-Sizilianer einigermaßen vorbereitet und konnte im Endspiel meinen Gegner unter Druck setzen. Der erhoffte Fehler kam dann auch, und so erzielte ich meinen ersten ganzen Punkt!

Seger,R (2412) - Mueller,O (2327)

DEM 2011 (8.6), 02.06.2011 [CDM]

1.e4 c5 2.c3 d5 3.exd5 Dxd5 4.d4 Sf6 5.Sf3 Lg4 6.dxc5 [6.Le2 e6] 6...Dxd1+ 7.Kxd1 Sc6 [7...e5 8.b4 e4 9.h3 Lh5 10.g4 S+xg4 11.hxg4 Lxg4 12.Sbd2 exf3 13.Ld3 Sc6 14.Te1+ Le7 15.Kc2] 8.Le3 e6 9.Sbd2 Sd5 10.Lb5 [10.Sb3 0-0-0 11.Ke1 Lxf3 12.gxf3 Se5 13.Le2 Sxe3 14.fxe3 Sd7 15.c6 bxc6 16.Tg1 g6 17.Sa5 Kc7=] 10...Sxe3+ 11.fxe3 Lxc5 12.Ke2 0-0-0 13.h3 Lxf3+ 14.gxf3= Se7 15.Sb3 Lb6 16.Thd1 Sd5 17.c4 Se7 18.Sd2 Lc7 19.Tac1 Sf5 20.Sf1 h5 21.c5 h4 22.f4 g5 23.fxg5 Thg8 24.Txd8+ Lxd8 25.Tc4 Txg5 26.Tg4?! [26.Kf2 Lf6 27.b4, unklar/=] 26...Txg4 27.hxg4 Sh6 28.Kf3 f6 29.Le2 Sf7 30.Sd2 Sg5+ 31.Kg2 Lc7 [31...h3+ 32.Kh1 Kd7³] 32.Lf3? [32.Sf3 h3+ 33.Kg1 Se4 34.Lf1 Sxc5 35.Lxh3 Ld8 36.Kf1 Sd3 37.Sd4 Kd7 38.g5 fxg5 39.Sxe6 Ke8 40.Lg2 Lf6 41.Lxb7, unklar/=] 32...Le5 mit schwarzem Vorteil 33.b3 Kc7 34.Kf2 [34.Sc4 Sxf3 35.Kxf3 Lc3 36.Sd6 Kc6 37.Se4 Lb2 38.Kg2 Kd5 39.Sd6 Kxc5 40.Sxb7+ Kd5 41.Kf3 h3] 34...Lg3+

 

35.Kg2? [35.Ke2 Sxf3 36.Kxf3 (36.Sxf3 Kc6 37.Sd4+ Kd5 38.Kf3 Le5 39.Se2 a5 40.a3 Kxc5 41.Sf4 Kd6-+) 36...Kc6 37.Se4 (37.Kg2 Kd5 38.Kh3 Le1-+) 37...Le5 38.g5 fxg5 (38...f5? 39.Sf6 Kxc5 40.Sd7+ Kd6 41.Sxe5 Kxe5 42.Kg2 f4 43.exf4+ Kf5 44.Kh3 e5 45.Kxh4 exf4 46.g6 Kxg6 47.Kg4=) 39.Kg4 Lg3 40.Sxg3 hxg3 41.Kxg3 Kxc5 42.Kg4 Kd5 43.Kxg5 Ke5! 44.Kg6 a5 45.Kf7 b5 46.Ke7 b4 47.Kd7 Kd5 48.Ke7 e5 49.Kf6 Ke4 50.Ke6 Kxe3 51.Kxe5 Kd3-+] 35...Le1-+ [35...Le1 36.Sc4 h3+] 0-1

Vor der letzten Runde war klar, dass ich im Falle eines Sieges eine IM-Norm sicher hätte. In einer heiß umkämpften Partie konnte ich meinen Gegner überspielen, hatte dann aber in Gewinnstellung einen Blackout und stellte einen Turm ein. Hierbei schmerzt weniger die verlorene Norm, der verpasste 10. Platz inklusive Preisgeld oder die noch zahlreicher fließenden Elo-Punkte als die Tatsache, dass ich nicht weiß, warum das passiert ist. Das Schicksal (oder die Schachgöttin oder was weiß ich, wer) hat mir hier einen Streich gespielt, das ist klar, aber mit welcher Idee? Soll ich etwa aufhören mit dem Schachspielen?

Jedenfalls bin ich gleich nach der Partie abgereist und hab mir so zumindest - positiv denken - die extrem unterhaltsamen Dankesreden bei der Abschlussfeier erspart und war einen Tag eher zu Hause.

Mit 4 aus 9 habe ich meinen Setzlistenplatz um zwei Positionen übertroffen und 17 Elo-Punkte dazugewonnen, immerhin.

Abschlusstabelle (Auszug):

Pl. Spieler P  Wtg
1 GM Khenkin, Igor 6,5 48
2 GM Gustafsson, Jan 6,5 47½
3 GM Fridman, Daniel 6,0 48½
...         
12 IM Jugelt, Tobias 4,5 42½
...

21 FM Müller, Oliver 4,0  41½
(34 Teilnehmer)

Im Gegensatz zum letzten Jahr haben hier also die „üblichen Verdächtigen" gewonnen. Wer's genauer wissen will, klickt hier: http://www.dem-2011.de/?p=352

 

Skandale und Affären

Wer zu spät kommt...

den bestraft der Schiedsrichter ­- oder auch nicht!? Vor der ersten Runde hat Schiedsricher Ralph Alt deutlich gemacht, dass bei der 82. DEM die "Null-Karenzzeit-Regel" zur Anwendung kommt. Wer beim Anpfiff um 14 Uhr nicht am Brett sitzt, verliert. In der zweiten Runde allerdings war ein Spieler - ein gewisser Herr Christoph Natsidis - um Punkt 14 Uhr nicht am Brett. Herr Alt hatte ihn wohl auf dem Weg zum Turniersaal gesehen und wollte auf ihn warten. Dies bedeutete aber, dass alle anderen Spieler und Spielerinnen einige Minuten nutzlos am Brett saßen und sich sicher fragten, was diese ganze Pünktlichkeitsneurose eigentlich soll, vor allem dann, wenn sie doch nicht eingehalten wird.

Nun gut, der Spieler kam und es konnte losgehen. In der darauf folgenden Runde war wieder ein Spieler nicht pünktlich am Brett, nämlich GM Falko Bindrich. Doch diesmal wurde pünktlich gestartet und die entsprechende Partie für Bindrich sogleich als verloren gewertet. Dass sich Herr Bindrich, zu der Zeit Soldat in der Sportförderkompanie, darüber ein klein wenig aufregte, muss hier wohl nicht weiter ausgeführt werden. Da der Schiedsrichter seine Entscheidung partout nicht zurücknehmen wollte, packte der junge GM wutentbrannt seine Koffer und reiste ab. Dies war auch deshalb schade, weil es von nun an ein Freilos zu vergeben gab, was einer Deutschen Meisterschaft nicht gerade zur Zierde gereicht.

Zu diesem Vorgang fiel mir folgendes Zitat aus einer nicht näher benannten Kabarettsendung ein: "Verbote sind herrlich, solange man sie nicht durchsetzen muss!" Es zeigt sich einmal mehr, dass ein Schiedsrichter konsequent vorgehen muss - auch wenn die Entscheidung falsch ist. Dann lieber konsequent falsch als mal so und so. Will sagen: Wenn man einmal einen Zuspätkommer durchwinkt, muss man das beibehalten und eine neue, entsprechende Ansage machen. Besser ist es natürlich, sich von Anfang an konsequent zu verhalten, auch wenn's weh tut.

Und dann war da noch...

ein gewisser Christoph Natsidis (den kennen wir doch schon!?), der in der letzten Runde dabei erwischt wurde, wie er seine laufende Partie mit Hilfe seines Handys heimlich auf dem stillen Örtchen analysiert hatte. Die Einzelheiten bitte ich im Netz nachzulesen, z.B. im ChessBase-Archiv. Ich selbst habe von dem Fall auch erst nach meiner Abreise erfahren. Auch hier spielt der Schiedsrichter eine nicht unwichtige Rolle, da er auch hier eine unliebsame Entscheidung fällen muss, wenn ihn ein Spieler auf vedächtiges Verhalten eines anderen Spielers aufmerksam macht.

Der Job des Schiris bzw. Turnierleiters scheint immer anspruchsvoller zu werden...

Bonn und um zu

Wenn Frühstück und Vorbereitung beendet waren, haben wir uns als Touristen verkleidet und sind auf die Jagd nach Sehenswürdigkeiten gegangen. Warum auch nicht? Bonn ist schließlich nicht Bad Liebenzell. Nach dem obligatorischen Marsch durch die recht große Altstadt mit H&M/NanuNana/Deichman-Zone gaben wir dem Mitarbeiter in der Touri-Info seine Existenzberechtigung. Neben dem schon erwähnten Beethoven-Museum - für einen Klassik-Fan und Klavierspieler wie mich ein Muss - machten wir eine schöne Schiffsreise den Rhein hinauf nach Bad Honnef (ist gleich nach Königswinter, wo das Hotel Petersberg gerade zum Verkauf angeboten wird). Bei schönstem Wetter war die kleine Schipperei mit der "Rheinprinzessin" eine lohnende Angelegenheit. (Auf der Weser sind solche Fahrten wegen der Gefahr narkoleptischer Anfälle weniger beliebt).

Dann huldigten wir dem zweiten, kulturell wichtigen Sohn der Stadt Bonn: Hans Riegel. Sagt euch nichts? Also: Die Abkürzung für "Hans Riegel Bonn" ist HARIBO: Es gibt einen extra Fabrikverkaufsladen, den sogar Reisebusse anfahren. Leider hat dieser Laden neben dem Charme eines ALDI-Markts der 70er Jahre noch nicht mal günstige Angebote. Um nicht mit leeren Händen den Saal zu verlassen, kauften wir dann ein paar Kilo Gummibärchen, teils gemischt, teils nach Farbe sortiert. Der Besuch war nett, aber mehr auch nicht.

Und schließlich quetschten wir noch eine kurzen Besuch im "Haus der Geschichte" dazwischen - für dieses gelungene Museum über die Historie der Bundesrepublik Deutschland von 1945 bis heute braucht man allerdings nicht Stunden, sondern Tage. Dafür ist der Besuch kostenlos!

Wenn man vom letzten Tag absieht, hatte ich eine schöne Zeit in Bonn und freue mich schon auf die nächste DEM, die wohl wieder im Frühjahr 2012 stattfinden wird. Aber wo?

Oliver Müller

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