Selbst am Tag nach der Begegnung hatte sich Werder-Trainer Harald Logemann noch nicht ganz beruhigt, geschweige denn erholt: "Ich habe schon viel erlebt im Handball - so etwas allerdings noch nicht", fand der erfahrene und besonnene Coach deutliche Worte. "Und wer nicht dabei gewesen ist, kann sich kaum vorstellen, was sich dort abgespielt hat." Die jungen Schiedsrichter waren von Beginn an mit der Leitung der Begegnung völlig überfordert, ließen keine klare Linie erkennen und reihten Fehlentscheidung an Fehlentscheidung - zu Ungunsten beider Teams, doch die Grün-Weißen litten besonders darunter.
So sprang der Ball nach einem Arster Wurf von der Unterkante des Werder-Tors klar vor die Torlinie (Logemann: "Alle in der Halle haben das bestätigt") und wurde dann von Torhüterin Nour Al-Asmar gefangen. Der Schiedsrichter, der im entscheidenden Moment gar nicht zum Tor geblickt hatte, entschied auf Treffer für die Gastgeberinnen. Werders Torjägerin Karina Zitnikov wurden gleich zwei verwandelte Strafwürfe abgepfiffen, da sie angeblich mit dem Fuß die Siebenmeter-Linie übertreten hatte (Logemann: "Das ist ihr noch nie passiert"). Co-Trainer Andreas Kirsten hatte zudem während einer verletzungsbedingten Unterbrechung des Spiels ein Handzeichen der Schiedsrichter so gedeutet, dass er das Spielfeld betreten durfte. Daraufhin sah er die Rote Karte. In beiden Halbzeiten wurden dazu bei beiden Mannschaften reihenweise Fouls nicht geahndet und Vorteilssituationen abgepfiffen.
Bewundernswert, dass Logemann dennoch zu einer sachlichen Analyse der Begegnung in der Lage war und feststellte: "Wir haben diese Niederlage selbst zu verantworten. In der Schlussphase haben wir nicht mehr konsequent genug gespielt, es fehlte die Durchschlagskraft, und wir haben zu viele Fehler gemacht. Nach dem Spielverlauf wäre eine Punkteteilung aber durchaus gerecht gewesen."
Insgesamt hatte das Derby kein hohes spielerisches Niveau, sondern wurde von beiden Mannschaften von Beginn an sehr kampfbetont geführt. Die Spielerinnen schenkten sich nichts, gingen aber insgesamt fair miteinander um. Zur Pause lag der SV Werder mit 10:9 vorne. Auf beiden Seiten bestimmten die guten Abwehrreihen mit starken Torhüterleistungen die Partie. Im zweiten Durchgang baute die 'Zweite' die Führung sogar auf 15:11 aus. "Wir hätten in dieser Phase den berühmten 'Sack zumachen' müssen", so Logemann. "Leider sind uns zu viele technische Fehler unterlaufen." Arsten drehte die Begegnung zum 18:16 und ließ sich den Vorsprung bis zum Abpfiff nicht mehr nehmen.
Logemann lobte die überragende Nour Al-Asmar im Werder-Tor und bescheinigte seiner gesamten Mannschaft eine überzeugende kämpferische Leistung. "Durch die schwachen Schiedsrichter bleibt leider ein fader Beigeschmack. Denn niemand weiß, was bei einer normalen Leitung des Spiels möglich gewesen wäre", so Logemann, dessen Mannschaft nun mit 10:10 Zählern auf Rang acht 'überwintert'. Ins Jahr 2015 starten die Grün-Weißen am Samstag, 10.01.2015, um 15.30 Uhr mit einem Heimspiel gegen die HSG Wilhelmshaven (Werder-Halle Hermine-Berthold-Straße).
Für die'‚Zweite' spielten in Arsten: Nour Al-Asmar, Sarah Grützmacher, Berit Rathjen (n. e.) - Karina Zitnikov (6/1), Katrina Wessels (4), Nina Lange (4/1), Julia Bindhammer (2/1), Jantje Fastenau (1), Anna Röpcke (1), Ina Tietjen (1), Laura Hencken, Annika Haase (n. e.), Maj-Nele Kirsten (n. e.), Angelique Schildt (n. e.)