Die ersten acht Spiele gewonnen, nach einem Drittel der Spielzeit Tabellenführer, dann eine Schwächephase und am Ende wieder sehenswerter Tempohandball: Trainer Radek Lewicki über die erfolgreiche Saison der Drittliga-Handballerinnen des SV Werder.
Ist es möglich, bereits vor den beiden Abschlusspartien ein Saisonfazit zu ziehen?
Wir hatten uns vorgenommen, am Ende zu den Top 5 der Liga zu gehören. Sollte uns das gelingen, können wir zufrieden sein. Außerdem wollten wir unsere Fans mit temporeichem Handball begeistern. Das hat die Mannschaft hervorragend geschafft. Wir haben in fast allen Spielen 100 Prozent unserer Leistungsfähigkeit abgerufen, kaum wirklich schlecht gespielt. Besonders freut mich, dass wir aus der kurzen Schwächephase gelernt haben. Nach dem ersten Saisondrittel waren wir als Tabellenführer sehr euphorisch, haben dann trotz guter Leistungen gegen die starken Teams aus Owschlag und Oldenburg verloren. Und diese Niederlagen konnten wir leider mental nicht sofort verarbeiten, sondern haben danach unsere zwei schlechtesten Saisonspiele abgeliefert. In der Rückrunde konnten wir dann mit Owschlag und Buxtehude zwei Teams schlagen, die in der Tabelle vor uns stehen. Das zeigt: Die Mannschaft hat deutliche Fortschritte gemacht.
Dennoch: Was hätte sie noch besser umsetzen können?
Es gab Phasen, in denen wir mit Gewalt zum Torerfolg kommen wollten, statt ruhig und clever die Chancen herauszuspielen. In anderen Partien haben wir wiederum teilweise unsere Möglichkeiten gut erarbeitet aber nicht konsequent genutzt.
Das Leistungsniveau in der neuen 3. Liga war höher als zuvor in der Regionalliga. Zur nächsten Saison wird die eingleisige zweite Bundesliga eingeführt, so dass es zahlreiche Absteiger gibt. Was bedeutet das für die 3. Liga?
Uns muss schon jetzt bewusst sein, dass die Liga nächste Saison noch professioneller und leistungsstärker wird. Wir müssen uns dafür zum einen organisatorisch rüsten, zum anderen auch handballerisch. Die Mannschaften, die nicht so leistungsstark waren und die dritte Liga im ersten Jahr als Abenteuer betrachtet haben, sind zukünftig nicht mehr dabei. Wir werden nur noch auf Gegner treffen, die ernsthaft das Ziel verfolgen, in dieser Spielklasse leistungsorientierten Handball zu spielen, oder sogar Ambitionen haben, noch höhere Ziele anzustreben.
Wie ist die Mannschaft für diese Herausforderung aufgestellt?
Wir bekommen erneut einige junge talentierte Spielerinnen dazu, die überwiegend sehr gut ausgebildet sind. Das gibt uns die Möglichkeit, intensiv mit ihnen zu arbeiten und ihre individuelle Entwicklung weiter voranzutreiben. Außerdem steckt in der bestehenden Mannschaft noch sehr viel Potenzial, das es gilt hervorzurufen. Wir wollen auch in der nächsten Saison in der 3. Liga nicht ‚ums Überleben' kämpfen, sondern wieder einen Schritt nach vorne machen und uns im oberen Tabellendrittel stabilisieren. Dafür würde uns die eine oder andere erfahrene Spielerin, die uns die nötige Ruhe und Abgeklärtheit in schwierigen Situationen gibt und das Tempo auf dem Spielfeld steuert, gut zu Gesicht stehen. Voraussetzung ist aber immer, dass neue Spielerinnen auch menschlich in unsere junge Mannschaft passen.
Interview: Martin Lange – Quelle: WERDER MAGAZIN Nr. 273 v. 29.04.2011