WERDER.DE: Machen sich die Auswärtsfahrten bemerkbar, gerade so lange Fahrten wir nach Korb oder Herrenberg?
Florian Marotzke: „In Korb hat das etwas ausgemacht, da sind wir um 4.45 Uhr losgefahren. In Herrenberg war die Anreise eher irrelevant. Grundsätzlich gilt es, sich schneller auf das Spiel zu fokussieren.“
WERDER.DE: In welchen Bereichen siehst du in der Mannschaft noch das größte Entwicklungspotenzial?
Florian Marotzke: „Ich denke vor allem im Entscheidungsverhalten. Da brauchen wir noch etwas Zeit, bis es ein völlig homogenes Bild abgibt. Wir haben viele verschiedene Spielertypen, von denen wir jeweils positive Eigenschaften nutzen, um am Ende Erfolg zu haben.
WERDER.DE: Gibt es etwas, dass schon so gut läuft, das du zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet hättest?
Florian Marotzke: „Mit Sicherheit unsere Abwehrarbeit! Unsere 6:0-Abwehr funktioniert sehr gut. Dabei werden wir auch bleiben, die zeichnet uns aus. In der Abwehr haben wir den größten Schritt nach vorne gemacht und können sehr zufrieden sein.“
WERDER.DE: Mit Jordis Mehrtens bekommt die Jüngste in der Mannschaft regelmäßige Spielanteile. Hättest du ihr den Schritt in die 2. Liga so schnell zugetraut?
Florian Marotzke: „Junge Spielerinnen müssen in meinen Augen in dem Alter den Anschluss dorthin finden, sonst wird es sehr schwer, oben anzukommen. Es ist ein Irrglaube, wenn man sagt, man geht im Laufe der Jahre von der 3. Liga in die 2. Liga und spielt dann irgendwann mal in der 1. Liga. Eine talentierte Spielerin sollte so schnell wie möglich so hoch wie möglich spielen, um viel dazu zu lernen. Von daher war es ein logischer Prozess für uns nicht nur Jordis, sondern auch Pia Döpke und Marieke Heilmann, auf dieses Niveau zu bringen und auch nicht nur zu trainieren, sondern ihnen Spielanteile zu ermöglichen. Aufgrund der Vakanz auf Linksaußen haben wir geschaut, ob dies eine Alternativposition für Jordis ist und sie hat die Aufgaben, die wir ihr gestellt haben, gut gelöst. Damit sind wir sehr zufrieden, das spiegelt sich auch in den Spielanteilen wider.“
WERDER.DE: Was sich zeigt, ist die breite Bank, gerade im Rückraum. Hast du ein „Luxusproblem“, da du eine Lotta Heinrich oder Jennifer Börsen noch ins Spiel bringen kannst?
Florian Marotzke: „Das zeigt eher, wie variabel wir agieren können. So hat zum Beispiel Lotta in Herrenberg ein überragendes Spiel gemacht. Die verschiedenen Eigenschaften von Merle und Lotta oder auch von Rabea und Jenny sind das, was uns noch gefährlicher macht. Wir agieren oft in einem Blockwechsel, sodass die Spielerinnen sich unter einander gut kennen und harmonieren, was uns sehr variabel macht. Wir haben auf die Abwehrformationen des Gegners unterschiedliche Lösungen. Es ist also kein „Luxusproblem“, wir brauchen diese Breite vielmehr, um erfolgreich zu sein.“
WERDER.DE: Als Nächstes steht das Spiel gegen deinen Ex-Verein Hannover-Badenstedt an. Ist das ein besonderes Spiel für dich?
Florian Marotzke: „Es wird mit Sicherheit ungewohnt sein, in die Gästekabine zu gehen, aber das war es dann auch schon. Als Trainer von Werder Bremen ist es anschließend ein normales Auswärtsspiel.“
WERDER.DE: Kann man die Hannoveranerinnen noch mit dem Team aus dem letzten Jahr vergleichen, das du trainiert hast?
Florian Marotzke: „Die aktuelle Mannschaft ist mit der aus dem letzten Jahr nicht zu vergleichen. Badenstedt möchte einen einstelligen Tabellenplatz belegen und hat daher auch etwas mehr Druck. Wir können befreiter aufspielen. Es wird sicherlich ein spannendes Spiel.“
WERDER.DE: Kann so ein Spiel schon richtungsweisend sein, in welche Richtung es in der Tabelle geht?
Florian Marotzke: „Wir haben 4:4 Punkte und zu diesem Zeitpunkt der Saison wird die Partie sicherlich noch nicht richtungsweisend. Klar wollen wir auswärts stetig punkten, aber die Big Points holen wir zu Hause. Hier müssen wir unsere Spiele gewinnen.“