WERDER.DE: Rafha, wie bist du zum Handball gekommen?
Rafhaela Priolli: In Brasilien spielen die Mädchen im Schulsport entweder Handball oder Volleyball. An unserer Schule war es immer Handball. Im Alter von 14 Jahren habe ich dann auch begonnen, im Verein zu spielen.
WERDER.DE: Wie muss man sich den Vereinshandball in Brasilien vorstellen?
Rafhaela Priolli: Es gibt – wie in Deutschland auch – Jugend-Mannschaften und Meisterschaften, hinzu kommt noch eine extra Meisterschaft für Junioren U 21. Es werden aber viel mehr Turniere gespielt. Eine Ligastruktur mit 1., 2. und 3. Liga gibt es nicht, nur eine Liga um die brasilianische Meisterschaft.
WERDER.DE: Du warst schnell recht erfolgreich und wurdest zur Juniorinnen-Nationalmannschaft eingeladen.
Rafhaela Priolli: Ja, das war im Alter von 18 Jahren. Ich habe dann lange überlegt, ob ich weiter spielen soll, und habe erstmal für mein Studium eine Pause eingelegt, da ich den ganzen Tag an der Uni war und keine Zeit mehr hatte, um im Verein zu spielen. Also habe ich drei Jahre nur an der Uni Handball gespielt.
WERDER.DE: 2013 bist du mit deinem Mann nach Berlin gezogen. War für dich klar, dass du auch in Deutschland weiter Handball spielen willst?
Rafhaela Priolli: Ich wollte eigentlich nur ein bisschen trainieren und war dann bei der 2. Mannschaft des Berliner TSC. Der Trainer hat aber schnell gesagt, dass ich in der 1. Mannschaft mittrainieren und auch spielen soll. Es kam für mich alles etwas schnell und überraschend, aber es hat viel Spaß gemacht.
WERDER.DE: In Brasilien ist Fußball der Nationalsport. Wie sieht es da mit deinem Können aus?
Rafhaela Priolli: Leider nicht so gut (lacht). Wir spielen im Training zwar immer Fußball, aber ich bin wirklich nicht so gut.
WERDER.DE: Du wurdest im vergangenen Jahr zur brasilianischen Nationalmannschaft eingeladen. Wäre es ein Traum für dich, mal an einem großen Turnier teilzunehmen?
Rafhaela Priolli: Ja, das wäre wirklich ein Traum. Im Juni finden die Pan-Amerika-Meisterschaften in Argentinien statt. Ich hoffe, dass ich dabei bin. Aber momentan haben wir immer noch keinen neuen Nationaltrainer, daher weiß ich nicht, wie es weitergeht.
WERDER.DE: 2013 wurden die brasilianischen Frauen Handball- Weltmeister. Wie hast du das erlebt?
Rafhaela Priolli: Ich habe natürlich mitgefiebert und mich gefreut. Es ist eine starke Generation Spielerinnen, die auch in den nächsten Jahren noch erfolgreich sein kann.
WERDER.DE: Seit Januar spielst du bei Werder. Bist du zufrieden?
Rafhaela Priolli: Ja, alle sind sehr nett. Klar würde ich gerne etwas mehr spielen, doch es ist schwierig, wenn man erst während der Saison zur Mannschaft stößt.
WERDER.DE: Du wohnst in Hamburg, hast also einen enormen Aufwand, täglich nach Bremen zum Training zu fahren…
Rafhaela Priolli: Das ist gar kein Problem für mich. In Sao Paulo habe ich zwei Stunden bis zur Uni gebraucht. Hier ist es etwas mehr als eine Stunde zum Training, und der Zug ist recht bequem…
WERDER.DE: Hast du auch schon etwas von Bremen gesehen?
Rafhaela Priolli: Ja, sogar schon bevor ich bei Werder gespielt habe. Im Sommer war der Bruder meines Mannes in Deutschland, und wir haben uns vieles angesehen.
WERDER.DE: Welche Stadt ist denn schöner – Bremen oder Hamburg?
Rafhaela Priolli: Das kann ich nicht sagen (lacht). Beide Städte gefallen mir wirklich gut.
WERDER.DE: Und wie geht es dir mit dem Wetter in Deutschland?
Rafhaela Priolli: Das ist in Brasilien natürlich besser. Hier habe ich im April immer noch mit langer Hose trainiert (lacht).
WERDER.DE: Mit der Mannschaft warst du kürzlich zum ersten Mal in deinem Leben Skifahren...
Rafhaela Priolli: Ja, es hat Spaß gemacht, auch wenn ich etwas Angst hatte. Ich denke aber: Wenn ich einen kleinen Kurs machen würde, könnte ich es schnell lernen.