WERDER BEWEGT: Fußball-Regelheft in leichter Sprache erschienen

Martin Berg (Stellvertretender Vorsitzender BAG WfbM), Klaus-Dieter Fischer (SV Werder Bremen), Nicole Papendorf (Lebenshilfe Bremen, Büro für Leichte Sprache), Volker Uhle (Lebenshilfe Bremen, Büro für Leichte Sprache), Andreas Hoops (Geschäftsführer Lebenshilfe Bremen), Peter Gagelmann (Bundesliga-Schiedsrichter), Eugen Gehlenborg (DFB) (v.li.) präsentieren das gemeinsame Werk.
WERDER BEWEGT
Montag, 30.07.2012 / 16:07 Uhr

Wann steht ein Spieler im Abseits, warum bekommt man eine rote Karte und was tut ein Trainer? Wer die Fußballleitlinien nicht kennt, kann sie zwar nachlesen, doch Menschen mit Leseschwierigkeiten stellen die Formulierungen des Regelwerks vor große Probleme. Das "Büro für Leichte Sprache" der Lebenshilfe Bremen und die Corporate-Social-Responsibility-Marke des SV Werder Bremen, WERDER BEWEGT - LEBENSLANG, haben mit Unterstützung der Sepp-Herberger-Stiftung und der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) die Fußballregeln des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) nun in einfaches Deutsch übersetzt und mit verständlichen Grafiken illustriert. Die Übersetzung von Spielregeln einer Sportart in "leichte Sprache" ist bisher bundesweit einmalig.

Die Lebenshilfe-Mitarbeiter des Bremer "Büros für Leichte Sprache" übersetzen im Auftrag von Behörden und Unternehmen bereits seit acht Jahren unterschiedliche Schriftstücke wie Heimverträge, Flyer, Reden und Bescheide. Unterstützt werden die Mitarbeiter von einer Lektorin, die selbst eine Lernbehinderung hat und die Entwürfe auf Verständlichkeit überprüft.

Seit 2009 ist die Lebenshilfe Bremen "100% Werder-Partner" des CSR-Engagements der Grün-Weißen. "Die Idee, mit der Lebenshilfe die Fußballregeln in leichter Sprache zu verfassen, passte optimal zu unserem Bereich Lebenslang aktiv von WERDER BEWEGT. Wir haben eine eigene Handicap-Mannschaften, eine Blindenfußballmannschaft und arbeiten mit behinderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an mehreren Förderzentren", erläutert Werders Geschäftsführer und Vereinspräsident Klaus-Dieter Fischer. "Unsere Partnerschaften sollen auf Gegenseitigkeit beruhen, daher haben wir uns über den Projektvorschlag der Lebenshilfe gefreut. Und wenn ich das Ergebnis sehe, bin ich mir sicher, dass es ein Bestseller wird", zeigt sich der Werderaner begeistert.

Für die Mitarbeiter der Lebenshilfe war es ein reizvolles Projekt. "Nach unserer Aufnahme als Werder-Partner haben wir überlegt, was wir von unserer Seite aus anbieten können. Da lag der Fußball als verbindendes Element natürlich nahe. Auch bei uns gibt es viele fußballbegeisterte Menschen, aber kaum jemand kennt sich richtig mit den offiziellen DFB-Regeln aus. Von den vereinfachten Regeln profitieren nicht nur Menschen mit Handicap", gibt der Geschäftsführer der Lebenshilfe Bremen, Andreas Hoops, zu bedenken. Die größte Herausforderung in der Umsetzung des Projektes seien die fehlenden Grafiken und Fotos gewesen. "Wir haben insgesamt fast zwei Jahre an dem Regelheft gearbeitet. Ein Projekt wie dieses erfordert viele Abstimmungen und gerade die Bebilderung ist ein wichtiges Element. Hier kamen die Mitarbeiter der Abteilung CSR-Management von Werder ins Spiel. Sie stellten für uns die wichtigsten Szenen nach", erläutert Hoops.

Die umformulierten Fußballregeln testete Werder erstmals vor einem Jahr während des Special Youth Camps, einem Fußballtrainingslager für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche. "Das Feedback der Teilnehmer war durchweg positiv. Daher haben wir den DFB angefragt, ob er das übersetzte Regelwerk anerkennt und unterstützt", erinnert sich Tim Juraschek, zuständiger Projektleiter in der Abteilung CSR-Management der Grün-Weißen. Der Verband stimmte zu und holte darüber hinaus die Sepp-Herberger-Stiftung, deren Schwerpunkt u.a. im Bereich Behindertensport liegt, und die BAG WfbM ins Boot. Gemeinsam mit dem SV Werder Bremen finanzierten sie den Druck von 10.000 Exemplaren.

"Es gibt in Deutschland rund 7,5 Millionen funktionale Analphabeten. Diese Menschen sind gehindert, am Alltagsleben teilzunehmen", macht Eugen Gehlenborg, Vertreter des DFB und der Sepp-Herberger-Stiftung deutlich. "Uns ist es ein großes Anliegen, Fußball als Volkssport Nummer 1 allen Menschen zugänglich zu machen. Daher möchte ich mich bei allen Beteiligten herzlich bedanken, dass wir gemeinschaftlich dieses Projekt umsetzen konnten." Gerade in der Teilhabe von beeinträchtigten Menschen an allen gesellschaftlichen Bereichen läge auch ein Schwerpunkt der BAG WfbM, bekräftigt Martin Berg, stellvertretender Vorsitzender.

Auch von der Seite der Schiedsrichter erntet das Regelheft in leichter Sprache Lob. Bundesliga-Spielleiter Peter Gagelmann bestätigt: "Es ist gut gelungen, die wesentlichen Regeln aufzugreifen. Der Text ist leicht leserlich und die vielen Bilder besonders positiv."

Die ersten 4.000 Hefte werden der nächsten Ausgabe der Zeitschrift Werkstatt Dialog beigelegt, die die BAG WfbM an alle Werkstätten für behinderte Menschen in Deutschland und viele Förderschulen verschickt. Den weiteren Vertrieb übernimmt die Lebenshilfe Bremen. Künftig kann das Heft "Fußball. Die wichtigen Regeln in leichter Sprache" dort gegen Zahlung des Portos bestellt werden.

 

 

 

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