TL-Tagebuch 2: Darüber lacht die Welt

Großes Stühlerücken war angesagt, als die Österreicher die Österreicher interviewten. Im Vordergrund nur mit dem Hinterkopf zu sehen: Fritz Koppschitz.
WERDER Fußballschule
Samstag, 31.07.2010 / 09:30 Uhr

Stühlerücken im „Falkensteiner“. Wir mussten einige Sitzgelegenheiten zusammen sammeln am Freitagmittag. Einmal durchzählen, ja, 28 Journalisten waren dabei bei unserer Presserunde im Hotel.

Werder hat das dritte Trainingslager der Vorbereitung begonnen. Im österreichischen Bad Waltersdorf bereiten sich die Grün-Weißen bis zum kommenden Freitag vor. Mit dabei auch Mediendirektor Tino Polster, der wieder in einem persönlichen Trainingslager-Tagebuch Einblicke in die Welt der Werder-Profis geben wird. Regelmäßig unterrichtet er nicht nur über aktuelle Neuigkeiten, sondern bietet mit seinen Anekdoten, Anmerkungen und Randgeschichten einen einzigartigen Einblick in die grün-weiße Welt.

 

Samstagmorgen, 31. Juli 2010, 8.45 Uhr, vor dem Frühstück im Hotel Falkensteiner in Bad Waltersdorf

 

Stühlerücken im „Falkensteiner“. Wir mussten einige Sitzgelegenheiten zusammen sammeln am Freitagmittag. Einmal durchzählen, ja, 28 Journalisten waren dabei bei unserer Presserunde im Hotel. Es ging um keinen Neuzugang, sondern um die Helden der Heimat. „Basti“ Prödl und Marko Arnautovic ziehen eben in Österreich (siehe WERDER.DE-Bericht "Tag der Österreicher"). Etwas später als die anderen setzte sich auch ein älterer Herr dazu. Und in meinem Kopf begann es zu rattern. Den kennst du, ganz sicher. Das Gesicht. Mensch, du hast ihn schon oft gesehen. Dann wurde ich abgelenkt durch das muntere Gespräch mit unseren Spielern.

 

Und ein Schreck fuhr mir durch die Glieder. Marko Arnautovic (Vater Serbe, Mutter Österreicherin) erklärte ganz offen und ungeniert, dass er eigentlich viel lieber für die Nationalmannschaft Serbiens als für Österreich spielen würde. Der Lebensstil seiner Familie sei total serbisch bis hin zur Sprache. Aber er habe nun mal ein WM-Qualispiel für Österreich bestritten und damit sei es ja festgeschrieben und nun spiele er halt für Österreich. Natürlich sehr gerne, fügte er noch an.

 

Ich schaute in die Augen der österreichischen Journalisten. Au weia, in der deutschen Boulevardpresse würde das was geben. Bei uns wird’s halb so schlimm, beruhigte mich ein Kollege aus der Alpenrepublik. Und lieferte mir damit auch ein Stück weit die Erklärung, warum „Basti“ Prödl von Anfang an und jetzt auch Marko Arnautovic so locker mit der Presse umgehen. „Wir Österreicher sind viel zu harmoniebedürftig“, hörte ich noch. Selbst Christoph Daum habe in seiner Zeit als Trainer in Wien durchaus intime Dinge preisgegeben. Warum? Weil er Vertrauen hatte. Und geschrieben wurde tatsächlich nie etwas darüber. So soll es in Deutschland mal vor 30 Jahren gewesen sein.

 

Die Runde löste sich gerade auf, da sprach mich ein weiterer Kollege an und zeigte auf den Mann, dessen Gesicht mich am Anfang ratlos zurück gelassen hatte. „Kennen Sie den nicht?“ Und dann kamen die entscheidenden Stichworte: Hape Kerkeling, „Darüber lacht die Welt“, Es geht um meine absolute Lieblings-Satire, die Folge mit Klaus Augenthaler. „Auge“ gibt in einer Pressekonferenz seinen Abschied vom Grazer AK bekannt. Neben ihm sein angeblicher Nachfolger, der litauische „Trainer“ Klimaviszys, sensationell gespielt von Hape Kerkeling. Und unter den Journalisten sitzt im blauen Pullover „mein Mann“, Fritz Kopschitz, von der österreichischen Nachrichtenagentur APA. 1999 hat Kerkeling diesen Gag durchgezogen, Kopschitz wird immer noch darauf angesprochen (...und hätte in Deutschland längst einen Werbevertrag). „Ich war der gleiche Trottel wie alle anderen im Raum“, kann er über diese urkomische Realsatire wenigstens ein bisschen schmunzeln. Aber mit Kerkeling ein Bier trinken, das würde er auch heute nicht. Mein Tipp: unbedingt bei Youtube anschauen.

 

Ihr Browser ist veraltet.
Er wird nicht mehr aktualisiert.
Bitte laden Sie einen dieser aktuellen und kostenlosen Browser herunter.
Chrome Mozilla Firefox Microsoft Edge
Chrome Firefox Edge
Google Chrome
Mozilla Firefox
MS Edge
Warum benötige ich einen aktuellen Browser?
Sicherheit
Neuere Browser schützen besser vor Viren, Betrug, Datendiebstahl und anderen Bedrohungen Ihrer Privatsphäre und Sicherheit. Aktuelle Browser schließen Sicherheitslücken, durch die Angreifer in Ihren Computer gelangen können.
Neue Technologien
Die auf modernen Webseiten eingesetzten Techniken werden durch aktuelle Browser besser unterstützt. So erhöht sich die Funktionalität, und die Darstellung wird verbessert. Mit neuen Funktionen und Erweiterungen werden Sie schneller und einfacher im Internet surfen können.