Über den tollen Bildern vom feiernden Peter Niemeyer nach dem Pokalsieg war das Wichtigste in den Hintergrund gerückt: Hier hat sich ein Profi zurück gekämpft, mit dem kaum noch einer gerechnet hatte! Es ist Zeit, darauf hinzuweisen.
Über den tollen Bildern vom feiernden Peter Niemeyer nach dem Pokalsieg war das Wichtigste in den Hintergrund gerückt: Hier hat sich ein Profi zurück gekämpft, mit dem kaum noch einer gerechnet hatte! Es ist Zeit, darauf hinzuweisen.
Er hat auf sich aufmerksam gemacht. Nachhaltig und immer wieder. Motto: Du kriegst noch ne Bierdusche, du auch und du erst recht! Und wenn ihr Lust habt, könnt ihr mir auch alle eine geben. Er war eines der Gesichter der grün-weißen Pokal-Feierlichkeiten, er freute sich ausgelassen und ließ alle teilhaben. Doch es wäre alles andere als fair, Peter Niemeyer auf seine grandiosen Party-Qualitäten zu reduzieren. Es wird Zeit, wieder über den Fußballer Peter Niemeyer zu reden, der ein ganz bemerkenswertes halbes Jahr hinter sich hat.
"Das waren super Momente, die man gern wieder erleben möchte", sagt er über die Feiern, "man sollte sie aber richtig einordnen und irgendwann ein bisschen zur Seite schieben. Denn wir müssen jetzt den Grundstein legen, um das wieder zu schaffen." Und prompt sind wir vom Rathausbalkon auf Norderney gelandet, wo Niemeyer versuchen will, an die letzten Monate anzuknüpfen. Er hat in der Rückrunde 20 Spiele gemacht, beide Finals gespielt, seinen ersten Titel gewonnen. Danach hatte es noch im Januar nicht unbedingt ausgesehen: "Damals habe ich viel über meine Situation nachgedacht und auch an mir gezweifelt. Am Ende habe ich mich entschieden, den Konkurrenzkampf anzunehmen."
Chancen bekommen, Chancen genutzt
Auch wenn er Zuspruch von den Kollegen bekommen habe und man sich in der "guten Truppe" gegenseitig helfe, "manchmal muss man sich selbst raus kämpfen". Raus aus der bitteren Lage, nach seiner langen Verletzungspause in der Hinrunde wettbewerbsübergreifend nur zu fünf Kurzeinsätzen gekommen zu sein. Es ist ihm gelungen, auch weil ihn eine besondere Eigenschaft auszeichnet: "Ich bin als Profi vor allem durch meine Willensstärke so weit gekommen. Ich habe immer gesagt, dass ich es hier schaffen kann, wenn ich hart arbeite und fit bleibe." Seit dem Winter ist er fit und bekam seine Chancen. Er nutzte sie.
"Ich habe mir inzwischen einen Status erarbeitet, den ich festigen und vielleicht sogar ausbauen möchte", nimmt sich Niemeyer für die nun beginnende Saison vor. Dass für seine Position eventuell noch ein Neuzugang zum Team stößt, stört ihn nicht: "Das ist normal, wir brauchen viele Spieler, das hat die letzte Rückrunde gezeigt." Aber: "Wenn ich an die letzte Saison anknüpfe, mache ich meine Spiele. Dann ist es egal, wer kommt." Zumal seine Chancen steigen, wenn Trainer Thomas Schaaf tatsächlich öfter auf ein verändertes System mit zwei Defensiven vor der Abwehr zurück greift. "Das System gefällt mir gut, das habe ich auch in Holland schon gespielt", sagt Niemeyer, der bei Twente Enschede ausgebildet wurde und in der niederländischen Ehrendivision spielte.
Er hat viel Selbstvertrauen gewonnen in den letzten Monaten und das hat überhaupt nichts mit einer ausgelassenen Feier zu tun oder mit den freundlichen Reaktionen darauf. Er hat gute Spiele gemacht und bewiesen, dass sich Werder auf ihn verlassen kann. "Ich will jetzt die Vorbereitung gut überstehen, vernünftig in die Saison kommen und fit bleiben", sagt er. "Dann sehe ich eine Chance, wieder eine gute Rolle zu spielen." Auf dem Platz, nicht auf dem Balkon. Zumindest noch nicht gleich.
von Enrico Bach
