Als Naldo am Sonntag fast auf dem Sportplatz vergessen wurde, rettete ihn ein Kollege mit dem Ruf "Naldo fehlt". Er ist bei Werder längst unverzichtbar geworden. Und ein Führungsspieler, dessen Wort zählt . . .
Als Naldo am Sonntag fast auf dem Sportplatz vergessen wurde, rettete ihn ein Kollege mit dem Ruf "Naldo fehlt". Er ist bei Werder längst unverzichtbar geworden. Und ein Führungsspieler, dessen Wort zählt . . .
Zugegeben, es sah fast aus als hätte der Mannschaftsbus ihn am Sportplatz an der Mühle vergessen gehabt. Die Türen waren geschlossen worden und Busfahrer Meik Suhl war schon einige Meter gefahren, während Naldo Höhe Vereinsheim noch im Autogrammstau zwischen Dutzenden Fans steckte und etwas verdutzt guckte. Doch natürlich hatte man ihn nicht vergessen: Nach der Trainingseinheit am Sonntagmittag war der Brasilianer als Einziger noch für ein kurzes Fotoshooting auf dem Platz geblieben und sollte vom Fahrdienst zum Hotel chauffiert werden. Da das Shooting für den Fanartikel-Katalog ruck-zuck erledigt war, schaffte er es doch noch rechtzeitig zur Abfahrt. Zumindest fast... Zum Glück erspähten ihn einige Kollegen von der letzten Bank, sie riefen "Naldo fehlt", wie der Nachzügler später lachend erzählte, und der geräumige SCANIA nahm ihn letztlich doch noch mit an Bord.
"Naldo fehlt" – es ist nach seinen knapp vier Werder-Jahren schwer vorstellbar. Und doch mussten sich die Fans zuletzt mit einer solchen Variante befassen, es gab vielfältige Mutmaßungen über die Zukunft des 1,98-Meter-Hünen. Am Sonntag äußerte er sich kurz zu diesen Wechselgerüchten, gab Auskunft über seine Verfassung nach den ersten Trainingstagen und seine Hoffnungen für diese Saison. WERDER.DE hat zugehört:
Stichwort möglicher Vereinswechsel: Mein Berater hat vor einigen Wochen mit Klaus Allofs gesprochen und wird es auch demnächst noch einmal tun. Dann wird es um alles Mögliche gehen, auch um die Möglichkeit einer Vertragsverlängerung. Aber das alles ist im Moment kein Thema für mich. Ich bin voll auf die Arbeit hier fokussiert und beschäftige mich mit nichts anderem. Werder ist derzeit die beste Wahl für mich.
Stichwort Norderney: Norderney ist jedes Mal hart, aber es ist eine sehr wichtige Zeit für die ganze Mannschaft und mich persönlich. In der Saison wirkt sich unsere Arbeit hier positiv aus. Während meines Urlaubs, den ich wegen unserer neugeborenen Tochter Liz komplett in Bremen verbracht habe, bin ich viel im Bürgerpark gelaufen. Denn man kann hier nicht bei Null anfangen, sondern muss sich gut vorbereiten.
Stichwort Ziele: Wir greifen wieder voll an in diesem Jahr. Wir waren zwar mit dem Pokalsieg und dem Finaleinzug im UEFA-Cup auch im letzten Jahr erfolgreich, wollen aber versuchen, in diesem Jahr wieder in allen drei Wettbewerben gut zu spielen. Wir haben letzte Saison gelernt, dass jeder Gegner hundertprozentige Konzentration erfordert, egal ob große oder "kleine" Mannschaft.
Stichwort Marko Marin: Für Typen wie mich ist es gegen solche kleinen, wendigen Jungs wirklich keine leichte Aufgabe. Man muss sich da sehr konzentrieren. Marko hat gegen uns gute Spiele abgeliefert, ist ein toller Fußballer und klasse Techniker. Mit Mesut zusammen kann er bestimmt einiges bewegen.
Stichwort Marcelo Moreno Martins: Er ist ein sehr sympathischer Typ und wird uns weiterhelfen. Trotz der Sprachbarriere hat er sich schon sehr gut eingebracht. Er ist bei uns aber auch in guten Händen. Ich helfe ihm, sich zurecht zu finden, zurzeit sprechen wir natürlich vor allem über das Training. Ich erkläre ihm zum Beispiel Anweisungen des Trainers oder sage ihm, wie weit wir noch laufen müssen.
Stichwort Taktik:Das System bestimmt der Trainer, die Mannschaft passt sich an und gibt immer ihr Bestes. Ich finde das neue System mit zwei offensiven und zwei defensiven Mittelfeldspielern gut, damit wird die Defensive gestärkt. Aber auch die Raute ist in Ordnung. Unabhängig vom System stehen wir vor der Aufgabe, weniger Tore zu kassieren und noch mehr zu schießen.
Stichwort WM 2010: Grundsätzlich arbeite ich immer gleich und werde jetzt keine besonderen Maßnahmen im Hinblick auf die brasilianische Nationalmannschaft ergreifen. Ich mache meine Arbeit hier gut, sehe mich als Führungsspieler, der die Mannschaft unterstützt und hilft sie zu führen. Mehr kann ich nicht machen. Natürlich wäre ich gern in Südafrika dabei, aber es wird schwierig. Das Wichtigste ist aber sowieso der Erfolg mit Werder.
notiert von Enrico Bach
