Zeugwart Detlef Kollra verabschiedet sich in den Ruhestand

Detlef Kollra arbeitete 13 Jahre als Zeugwart bei Werder. Seit Samstag ist er im Ruhestand.
WERDER Fußballschule
Mittwoch, 17.12.2008 / 11:44 Uhr

Während das Spiel am Samstag gegen den VfL Wolfsburg für die Werder-Profis das letzte Spiel des Jahres 2008 war und die Winterpause einläutete, war es für Detlef Kollra nach ...

Während das Spiel am Samstag gegen den VfL Wolfsburg für die Werder-Profis das letzte Spiel des Jahres 2008 war und die Winterpause einläutete, war es für Detlef Kollra nach 13 Jahren sogar die allerletzte Begegnung als Zeugwart der Werder-Profis. Das Ende einer Ära. Offiziell verabschiedet wurde Kollra, der in Werder-Kreisen "Oberst" gerufen wird, schon bei der Weihnachtsfeier der Grün-Weißen am Mittwoch, 10.12.2008, im Hudson Loft. Mit der Mannschaft stieß er nach dem Spiel ein letztes Mal an.

 

"Detlef hat mich während meiner gesamten Zeit bei Werder Bremen in der Tätigkeit als Geschäftsführer begleitet. Er gehörte einfach zu Werder Bremen dazu in den letzten Jahren", so Klaus Allofs über das Ende der langjährigen Zusammenarbeit. Ehe Kollra jedoch Mitglied der Werder-Familie wurde, war er Berufssoldat im Range eines Oberstleutnants. Diese Vorgeschichte bekamen auch die Profis zu spüren. "Wenn man ihm ein Stichwort gab, konnte er darüber fast stundenlang referieren", scherzt Kapitän Frank Baumann. "Ein kurzes "Ja" oder "Nein", das gab es beim Oberst nie", fügt Cheftrainer Thomas Schaaf grinsend hinzu.

 

Ein Stabsoffizier also mit großem Einflussbereich und beträchtlichen Kompetenzen, der sich in insgesamt 34 Jahren bei der Bundeswehr vom einfachen Wehrpflichtigen bis zum Oberstleutnant hochdiente. Großen Einfluss hatte er auch auf die Spieler. "Wir durften damals nicht unser Trikot tauschen. Als ich das erste Mal bei Werder war, da war ich noch sehr jung und hatte Angst vor ihm", verrät Claudio Pizarro mit einem Schmunzeln. "Aber wir hatten auch immer viel Spaß zusammen", ergänzt der Peruaner.

 

Die Frage, wie ein Stabsoffizier plötzlich den Weg zum Zeugwart bei Werder findet, drängt sich da geradezu auf. Die Antwort von Detlef Kollra ist eindeutig: "Ich wollte noch etwas Sinnvolles machen. Werder passte, weil ich erstens Sportler und zweitens lebenslang Werder-Fan bin." Damit Kollra die Mannschaft auch weiterhin anfeuern kann, gab es zum Abschied vom Verein eine Dauerkarte für das Weser-Stadion.

 

 

Die feste Verbindung zu Werder kam damals zustande, weil es schon immer einen losen Kontakt gab. "Rudi Völler war während seiner Dienstzeit in Schwanewede zum Beispiel mal mein Fahrer", erzählt Kollra, hält jedoch ‚Kalli’ Kamp für den wichtigsten Verbindungsmann zu Werder. "Wir kannten uns, Kalli hatte erfahren, dass Werder einen neuen Zeugwart suchte und hat mich ins Gespräch gebracht." Das war vor 13 Jahren, Willi Lemke machte den Vertrag perfekt, und Aad de Mos war der erste Trainer, auf den sich Detlef Kollra einzustellen hatte. Der letzte war vor fast zehn Jahren Thomas Schaaf, und das wird er auch bleiben. Denn Detlef Kollra ist inzwischen 66 Jahre alt, nun wird er sich in den "Unruhestand" zurückziehen. Der Nachfolger ist mit Uwe Behrens schon seit einiger Zeit gefunden. Fritz Munder kommt zudem hinzu, denn auch bei Werder weiß man: Zeugwart, das ist schon lange kein Ein-Mann-Job mehr.

 

Das wird deutlich, wenn man sich die Arbeitsabläufe anschaut. Denn der Job beginnt stets zwei Stunden vor dem ersten Training und endet in der Regel erst zwei Stunden nach der zweiten Übungseinheit. "Oft bin ich morgens um acht Uhr vor Ort und gehe erst wieder um 19 Uhr“, sagt Kollra und findet das Wort "Zeugwart" eigentlich wenig passend. "Es ist ein vielseitiger Job, der jede Menge logistisches Verständnis verlangt. Es geht vor allem um die präzisen Arbeitsabläufe." Logistik hat er als Offizier zur Genüge kennen gelernt. Und so ist es kein Zufall, dass bei Werder auch hinter den Kulissen, zwischen Kabine, Stadion und Trainingsplatz, ein Rädchen zuverlässig ins andere greift. Wobei Kollra betont, dass Teamarbeit bei Werder groß geschrieben wird. "Auch die Spieler packen immer mit an, so ist der Bus innerhalb von zehn Minuten ausgeräumt."

 

Die Geschichte wäre nicht komplett ohne einen Hinweis auf die bemerkenswerte sportliche Karriere des "Oberst". Detlef Kollra stand zum Beispiel in der Nationalmannschaft der Modernen Fünfkämpfer, spielt auch heute noch in der Senioren-Oberliga beim TV Schwanewede Leistungstennis. "Im Trainingslager haben wir oft Tennis gespielt. Im Einzel muss ich bedauerlicherweise sagen, war ich nicht in der Lage, ihn zu schlagen", gesteht Geschäftsführer Jürgen L.Born. Und ein guter Fußballer war er auch – beim inzwischen in Union 60 umbenannten ehemaligen Bremer Ballspielverein (BBV) Union. Kenner der Szene wissen: Dort begannen auch die früheren Werder-Profis Dieter Zembski und Thomas Schaaf ihre Laufbahn.

 

Nun also steht der Abschied an und "das tut mir wirklich vom Herzen leid, dass er aufhört", gibt Nationalspieler Torsten Frings einen Einblick in seine Gefühlswelt. Thomas Schaaf möchte dem Oberst "für diese Zeit danken und auch gratulieren." Für den Betroffenen selbst "war es genau der richtige Zeitpunkt um aufzuhören. Die letzten beiden Spiele waren noch einmal etwas Besonderes für mich. Mir war wichtig, dass meine Werder-Zeit mit einem positiven Erlebnis zu Ende geht. Das hat funktioniert", so Kollra, der "gar nicht bemerkt hat, wie schnell die Zeit vergangen ist."

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