Trainingslager sind die härteste Zeit

Fest im Griff I Seit 2001 betreut Henning Kostro Werders Talente als Physiotherapeut
Junioren
Dienstag, 14.11.2006 / 09:32 Uhr

Freitag, 23.15 Uhr, Maritim-Hotel Dresden, Zimmer 213: Während sich die meisten U 23-Spieler schon auf das anstehende Spiel gegen Dynamo vorbereiten, ist Werders Physiotherapeut Daniel Kornblum noch bei der Arbeit und behandelt Jérôme Polenz. Der 26-jährige Physiotherapeut kümmert sich zusammen mit Henning Kostro rund um die Uhr um die Gesundheit der grün-weißen Talente:

 

Wie sieht eure Arbeit als Physiotherapeut aus?

DANIEL KORNBLUM: Wir sind für die physiotherapeutische Betreuung der U 11 bis zur U 23-Mannschaft verantwortlich. Das heißt, wir behandeln die Spieler nach Verletzungen, arbeiten im Bereich des Regenerations- und Präventionstrainings - beispielsweise mit Massagen. Wir übernehmen die medizinische Erstversorgung auf dem Platz, tapen die Spieler vor dem Training oder dem Spiel.

 

HENNING KOSTRO: Unter der Woche ist von morgens bis abends immer einer von uns auf Platz 11 und am Wochenende begleiten Daniel und ich die Mannschaften auch bei den Spielen. Daniel ist für die U 23 zuständig, ich bin bei der U 17 dabei und Stefan Kühn übernimmt am Spieltag die Betreuung für die U 19.

 

 

 

Hört sich nach einem zeitaufwändigen Job an.

KOSTRO: Ja, aber ich hatte Glück und durfte mein Hobby zum Beruf machen. Ich bin seit 27 Jahren bei Werder, habe selbst hier Fußball gespielt, war als Trainer tätig und bin nun Physiotherapeut. Ich schaue sowieso gerne Fußballspiele. Bei Werder wird schon im Jugendbereich sehr guter Fußball geboten, so dass ich mir viele Partien auch privat ansehen würde. Daher ist es schon okay.

 

KORNBLUM: Mit dem Spieltag am Wochenende ist es oft eine 7-Tage-Woche. Aber man arbeitet schließlich die ganze Woche auf das Spiel am Wochenende hin. Das ist auch für uns das Highlight. Am härtesten sind jedoch die Trainingslager. Da beginnt der Tag um 7 Uhr und endet ohne größere Pause oftmals weit nach 23 Uhr. Durch die höheren Belastungen während dieser Tage versuchen wir die Spieler auch häufiger zu behandeln.

 

 

Welches sind die häufigsten Verletzungen?

KOSTRO: Da wir auf Platz 11 nur mit Fußballern arbeiten, treten vor allem Verletzungen an den unteren Extremitäten auf. Also beispielsweise an den Füßen, am Knie oder am Oberschenkel. Im Sporthep in der Westkurve des Weser-Stadions ist das etwas anders. Da haben wir auch ‚normale' Kassen- und Privatpatienten, bei denen man noch andere Krankheitsbilder sieht.

 

 

Haben die Verletzungen durch die stetig steigenden Belastungen im Fußball zugenommen?

KORNBLUM: Nein, da wir auch ständig die Betreuung im medizinischen Bereich optimieren. Da hat sich bei Werder in den vergangenen Jahren viel getan. Mit Dirk Netzer gibt es einen Arzt nur für das Leistungszentrum, dazu einen Reha-Trainer, einen Koordinationstrainer und uns Physiotherapeuten. Zusätzlich können wir die Spieler jederzeit zu zwei Ärzten im Krankenhaus schicken. Wir alle versuchen, bereits im Vorfeld durch präventive Maßnahmen Verletzungen zu verhindern.

 

KOSTRO: Es gibt sicherlich nur wenige Bundesligisten, die in diesem Bereich auch so gut aufgestellt sind.

 

 

Seit wann arbeitet ihr bei Werder?

KORNBLUM: Seit 2002. Ich hatte gerade meine dreijährige Ausbildung in Dessau abgeschlossen und bin mit meiner damaligen Freundin nach Bremen gezogen. Ich wollte schon immer im Sportbereich arbeiten und habe mich einfach bei Werder beworben.

 

KOSTRO: Ich bin schon ein Jahr länger dabei. Ich hatte erst Sport und Geografie studiert, mich dann aber für die Ausbildung entschieden und bin nach meinem Abschluss 2001 bei Werder untergekommen.

 

 

Welches Verhältnis hat sich in dieser Zeit zu den Spielern entwickelt?

KORNBLUM: Ein sehr enges. Thiago Rockenbach da Silva oder Kevin Artmann kenne ich zum Beispiel schon seit fünf Jahren. Man hat mit ihnen ihre gesamte Entwicklung in den vergangenen Jahren durchlaufen und sowohl die negativen als auch positiven Seiten miterlebt. Es ist klar, dass man in dieser Zeit nicht nur über Fußball gesprochen hat.

 

Interview: Norman Ibenthal

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