Hallo Christian, welche Erinnerungen hast Du an das Turnier?
Es war das erste große Turnier für mich mit Werder. Nachdem ich vorher nur gegen kleinere Vereine gespielt hatte, traf ich nun auf internationale Spitzenclubs wie Feyenoord Rotterdam und Borussia Dortmund. Das war ein besonderes Erlebnis. Durch eine neue Festsetzung der Altersgrenze vom 1. Juni auf den 1. Januar durfte ich sogar zweimal am Turnier teilnehmen. Im ersten Jahr haben wir ganz gut abgeschnitten. Erst im Finale mussten wir uns dem 1. FC Köln geschlagen geben. Im zweiten Jahr lief es nicht ganz so gut. Da wurden wir nur Sechster oder Siebter.
Welchen Stellenwert haben diese Vergleiche auf sehr hohem Niveau im Jugendbereich?
Wir hatten damals in der Verbandsliga keine ernsthafte Konkurrenz, haben auch mal 12:0 gewonnen und sind vom Platz gegangen, ohne dass wir richtig gefordert wurden. Es ist immer gut, wenn man Gegner hat, die einem alles abverlangen oder sogar besser sind. Nur dadurch lernt man, sich selbst besser einzuschätzen. Man will sich immer mit den Besten messen. Dieses Turnier gehörte immer zu den Highlights der Saison.
Gibt es schon im Jugendbereich große Unterschiede in der Spielweise der deutschen und der anderen europäischen Teams?
Ja, die Holländer haben schon immer im 4-3-3-System gespielt. Es war für uns eine Umstellung, bereits im Jugendbereich so flexibel zu sein und uns jederzeit an ein anderes Spielsystem anzupassen. Das bringt die Spieler aber auch voran. Außerdem hat jedes Land eine andere Mentalität. Die Engländer sind zum Beispiel schon mit 14 Jahren richtig zur Sache gegangen.
Hat sich der Jugendfußball seitdem verändert?
Der Stellenwert ist größer geworden. Im Nachwuchsbereich wird heute noch professioneller gearbeitet. Das war vor einigen Jahren, mit Ausnahme von Werder und einigen anderen Vereinen, noch nicht so. Damals schlug man einen anderen Weg ein und verpflichtete lieber Spieler aus Osteuropa als auf den eigenen Nachwuchs zu bauen. Jetzt werden Talente viel häufiger eingesetzt. Das kommt dem deutschen Fußball zu Gute – die Weltmeisterschaft hat das eindrucksvoll gezeigt.
Gibt es bekannte Spieler, die ebenfalls beim Werder-Turnier aufgelaufen sind und heute in der Bundesliga spielen?
Da fällt mir spontan nur Florian Kringe von Borussia Dortmund ein. Bei Feyenoord war auch ein richtig guter Spieler dabei, der bestimmt den Sprung geschafft hat. Sicherlich gibt es einige, die heute mindestens in der Regionalliga spielen.
Die U 15-Spieler befinden sich mitten in der Pubertät. Welche Probleme können gerade in dieser Altersphase auftauchen?
Ich musste mich damals mit Wachstumsproblemen herumschlagen – bevor ich zu Werder kam. In der Pubertät gibt es außerdem viele Ereignisse, die ins Leben eingreifen. Man lernt beispielsweise die erste Freundin kennen und geht auch schon ab und zu in Discos. In diesem Alter ist man leicht von seinem Umfeld zu beeinflussen und andere Dinge können schnell in den Vordergrund rücken. Bereits mit 15 bis 16 Jahren kommt die Zeit, in der man sich entscheiden muss, welchen Weg man einschlagen will. Spielt man Fußball nur zum Spaß oder verfolgt man wirklich das Ziel, Profi-Fußballer zu werden?
Welche Ratschläge kannst Du den jungen Spielern geben?
Der Spaß sollte immer im Vordergrund stehen. Man muss sich jeden Tag auf das Training freuen können. Die konditionellen Fähigkeiten und die Aggressivität im Spiel kommen mit dem Alter ganz von alleine. Auch wenn es in diesem Alter andere reizvolle Dinge neben dem Fußball gibt – man muss bereit sein, Abstriche zu machen.
Interview: Norman Ibenthal