Frank Ordenewitz brachte es in seiner Fußballkarriere auf 272 Bundesligaspiele. Fast die Hälfte davon im Werder-Trikot. Seit 2005 ist der ehemalige Nationalspieler für die Grün-Weißen als Scout auf Talentsuche.
Frank Ordenewitz brachte es in seiner Fußballkarriere auf 272 Bundesligaspiele. Fast die Hälfte davon im Werder-Trikot. Seit 2005 ist der ehemalige Nationalspieler für die Grün-Weißen als Scout auf Talentsuche.
WERDER.de: Was muss ein Talent mitbringen, um bei Werder Fußball zu spielen?
FRANK ORDENEWITZ: Natürlich muss ein Spieler erst einmal mit dem Ball umgehen können. Doch für genauso entscheidend halte ich es, wie er sich außerhalb des Platzes verhält. Die Einstellung ist ganz wichtig. Man muss erkennen, ob er das Herz und den Ehrgeiz mitbringt, um einmal den Sprung zum Fußball-Profi zu schaffen. In den älteren Jahrgängen spielen dann auch die körperlichen Voraussetzungen eine entscheidende Rolle.
Ist es Ihnen am Anfang schwer gefallen, zu erkennen, wer Talent besitzt?
Ich habe selbst Kinder und habe auch einige Spiele von ihnen gesehen. Doch so intensiv habe ich mich zuvor nicht mit dem Jugendfußball beschäftigt. In jedem Alter gibt es verschiedene Merkmale, auf die man achten muss und woran man erkennt, was ein Spieler bereits können sollte.
Inwiefern hilft Ihnen dabei Ihre Karriere als Fußballer?
Wer in der Bundesliga gespielt hat, weiß, welche Anforderungen an einen Spieler gestellt werden. Ich denke, ich habe ein gutes Auge dafür und achte bei der Talentsichtung auf viele Kleinigkeiten, auf die ein anderer vielleicht nicht schaut. Es bringt sicherlich auch Vorteile, wenn man als Ex-Profi einen Verein, Eltern oder Jugendliche anspricht. Die meisten sind dann stolz auf das Interesse an einem Spieler. Doch es ist auch schon vorgekommen, dass ich sofort erkannt wurde und mir daher keine Spielerinformationen gegeben wurden, weil die Verbände Angst hatten, ich würde ihnen Spieler abwerben.
In welcher Altersklasse wird am häufigsten gesichtet?
Unterhalb der C-Jugend arbeiten wir schon sehr intensiv. Da bin ich auch dabei, aber vor allem Thorsten Bolder und Harald Albrecht beobachten die Spieler. Ich sichte dann in den älteren Jahrgängen. Das Alter zwischen C- und A-Jugend ist eine entscheidende Phase im Leben der Jugendlichen, da dort die größten Veränderungen eintreten. Nicht nur körperlich, sondern auch im privaten Umfeld mit Schule oder der ersten Freundin.
Wie verfahren Sie, wenn Sie auf einen Spieler aufmerksam geworden sind?
Bevor Werder etwas unternimmt, müssen mindestens drei Trainer den Spieler gesichtet und ihn für gut befunden haben. Anschließend werden dann der Verein, der Trainer, die Eltern und natürlich der Spieler selbst von uns angesprochen und der Spieler wird zu einem Probetraining eingeladen. Vor einer Verpflichtung spielen dann auch noch Dinge wie der Wohnort eine wichtige Rolle. Kann er zum Training pendeln oder benötigt er bei uns einen Platz im Internat?
Was war für Sie bislang das schönste Erlebnis während Ihrer Tätigkeit als Scout?
Die Verpflichtung von Martin Harnik für die U 23. Dafür bin ich quer durch Europa gereist und es ist schön zu sehen, dass er sich so gut bei uns entwickelt.
Wie viele Kilometer fahren Sie denn im Jahr?
Es sind rund 60.000. Und das nur mit dem Auto. Dazu kommen dann noch Reisen mit der Bahn oder mit dem Flugzeug und Touren, bei denen ich als Beifahrer mitgenommen werde.
Wie muss man sich die typische Woche eines Scouts vorstellen?
Die Hauptarbeitszeit ist am Wochenende. Entweder bin ich für die U 19 und U 23 unterwegs und schaue mir die kommenden Gegner unserer Teams an, oder ich beobachte einzelne Spieler, die für uns interessant sein könnten. Unter der Woche bin ich im Büro, stimme Termine ab oder trainiere ab und zu auch mal mit einem unserer Nachwuchsteams. Dabei kann man ein besseres Gefühl für unsere Jungs bekommen und ich halte mich gleichzeitig selbst noch fit.
Mit der U 17 waren Sie erst vor kurzem in Japan unterwegs? Sind Sie dort immer noch ein Star?
Ein Star wie Littbarski oder Buchwald war ich in Japan nie. Aber ich habe einige Tore dort geschossen. Es gibt wie bei Werder auch ein Vereinsmuseum, in dem einige Bilder hängen, auf denen ich auch zu sehen bin. Ich habe mir auch ein Spiel meines Ex-Clubs angesehen, wurde dann in der Halbzeit in den Mittelkreis geholt und von den Rängen kamen "Ordenebitze"-Rufe. Es war ein sehr schönes Gefühl zu wissen, dass sich die Fans erinnern.
“Ordenebitze”-Rufe?
Ja, in der japanischen Schrift gibt es kein W, da wird der Name dann so ausgesprochen.
Im September findet das traditionelle U 15-Turnier bei Werder Bremen statt. Ein Pflichttermin für einen Scout?
Selbstverständlich. Es ist ganz wichtig, dass man die eigenen Spieler im Vergleich zu nationalen und internationalen Spitzenmannschaften sieht. So kann man die Leistungsstärke der eigenen Mannschaft besser einschätzen.
Interview: Norman Ibenthal
