Wolf Werner: "Nur der absolute Wille zählt"

Seit 1996 bei Werder im Amt: Wolf Werner.
Junioren
Donnerstag, 18.05.2006 / 16:29 Uhr

Den Fußballsport hat Wolf Werner sprichwörtlich "im Blut". Sein Wissen hat er schon immer an junge Spieler weitergeben. Am Anfang während seiner Studienzeit als Trainer...

Den Fußballsport hat Wolf Werner sprichwörtlich "im Blut". Sein Wissen hat er schon immer an junge Spieler weitergeben. Am Anfang während seiner Studienzeit als Trainer beim Bezirksligisten SC Steinhude, später bei Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München. Seit 1996 ist der inzwischen 64-Jährige bei Werder Bremen als Manager für den Nachwuchs verantwortlich.

 

WERDER.de: Wie hat sich die Jugendarbeit in Deutschland in den vergangenen Jahren verändert?

WOLF WERNER: Den größten Schnitt hat der DFB nach den schwachen Auftritten der Nationalmannschaft bei der WM 1998 und der EM 2000 gemacht und 2001 den Bundesligisten die Auflage erteilt, Nachwuchsleistungszentren einzurichten. Die waren dringend nötig, denn nach dem Bosman-Urteil gab es in der Bundesliga eine Schwemme von Spielern, die für wenig Geld aus dem Ausland verpflichtet wurden. Darunter hat die Nachwuchsförderung gelitten. Die Auswirkungen der vernachlässigten Jugendarbeit von 1995 bis 2000 kann man heute in der Nationalmannschaft sehen. Es gibt nur ganz wenige Spieler im besten Fußballeralter zwischen 24 und 30, die auf internationalem Niveau spielen können.

 

Wie hat sich die Einführung des Leistungszentrums bei Werder ausgewirkt?

Für Werder war das kein Problem, da wir die Auflagen schon vorher erfüllt hatten. Werder gehörte schon immer zu den wenigen Vereinen, die eine sehr gute Nachwuchsarbeit betrieben haben. Natürlich war der Aufwand damals noch geringer. Als ich 1996 angefangen habe, war ich für die U 23, die U 21, die U 19 und U 17 zuständig. Und es gab nur drei Trainer. Heute gehören dem Leistungszentrum 13 Mannschaften an. Und wir haben sechs hauptamtliche Trainer in den ersten Mannschaften der jeweiligen Altersstufen.

 

Welchen Stellenwert hat die deutsche Nachwuchsarbeit in Europa?

Man sieht an den deutschen Jugendnationalmannschaften, dass wir gute Arbeit leisten. Sie qualifizieren sich regelmäßig für die großen Turniere. Viel häufiger als andere Nationen wie zum Beispiel Frankreich, deren Jugendförderung uns immer als vorbildlich vorgehalten wird. Sie machen sehr gute Arbeit, aber wir brauchen uns bestimmt nicht vor ihnen zu verstecken. In der Bundesliga ist mittlerweile der Weg für junge Talente frei. Schade, dass dies bei vielen Vereinen immer erst geschieht, wenn es nicht mehr anders geht. Das ist bei Werder, Bayern oder Gladbach anders. Die haben z.B. damals mit Nerlinger und Babbel oder heute mit Jansen, Polanski oder Schulz und Borowski immer wieder Spieler hervorgebracht, die sich auch in der Bundesliga etabliert haben.

 

Sie haben sich kürzlich die Nachwuchsarbeit in Frankreich angeschaut. Mit welchen Erkenntnissen sind sie zurückgekehrt?

Egal, ob Frankreich oder Spanien, wir bieten unseren Talenten die gleichen optimalen Trainingsbedingungen, wenn nicht sogar noch bessere. Doch diese Länder haben den Vorteil, dass der Fußball dort von der Politik unterstützt wird. Der Fußball ist dort das Schulungsziel und der Schulunterricht ist um den Fußball aufgebaut. Bei uns ist es genau anders herum. Wenn wir absolute Spitzenfußballer ausbilden wollen, muss sich das auch bei uns ändern.

 

Brasilien hat Ronaldinho, Frankreich Zidane, zwei der technisch stärksten Spieler der Welt. Müssen wir im technischen Bereich aufholen?

Ja, aber wir können keine Brasilianer aus unseren Jungs machen. Dazu haben sie eine ganz andere Veranlagung. Wir müssen unsere Stärken und Tugenden fördern und versuchen, das, was uns fehlt, zu verbessern. Wir werden das aber nicht umdrehen können.

 

Was muss ein herausragendes Talent mitbringen, um Profi zu werden?

Den absoluten Willen, vorausgesetzt das Talent ist vorhanden und man hat ein wenig Glück. Der Wille entscheidet letztlich, ob der Spieler den Sprung nach ganz oben schafft. Uli Borowka ist das beste Beispiel. Als er nach Gladbach kam, konnte er rechts wie links feuern und war sehr hart in den Zweikämpfen. Durch seinen Willen hat er alles andere gelernt und sich bis zur Nationalmannschaft durchgesetzt.

 

Welches Talent hat sie am meisten überrascht?

Tim Borowski. Er brauchte eine lange Anlaufzeit. Aber als er dann den Fuß bei den Profis in der Tür hatte, ging der Sprung in den internationalen Bereich ganz schnell. Leider ist das nicht bei allen Talenten so, viele Spieler fallen schnell wieder runter, weil sie mit ihrem Talent nicht richtig umgehen können.

 

Was kann man dagegen tun?

Werder hat einen ganz wichtigen Schritt gemacht und mit Uwe Harttgen einen Psychologen eingestellt, der den Jungs zur Seite steht und ihnen bei ihren Problemen hilft. Da er selbst Profi war, kann er sich sehr gut in sie hineinversetzen.

 

Ein ehemaliger Fußball-Profi im Nachwuchsbereich ist bei Werder kein Einzelfall.

Wir haben eine gute Mischung aus Ex-Profis und weiteren Mitarbeitern gefunden. Uwe Harttgen und Frank Ordenewitz als Nachwuchsscout bringen durch ihre Erfahrungen als Fußball-Profis gewisse Vorteile mit. Das gilt genauso für unsere Trainer Thomas Wolter, Mirko Votava und Viktor Skripnik. Sie können die Jungs optimal auf ihre Aufgaben vorbereiten. Dazu haben wir mit Frank Bender, Thorsten Bolder und Bernd Pfeifer drei DFB-Fußball-Lehrer, die zwar nicht selbst als Profis aktiv waren, aber genau wissen, welche Anforderungen an die Spieler der jüngeren Jahrgängen gestellt werden.

 

Interview: Norman Ibenthal

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