Im Interview: Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer

Werders Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer.
Junioren
Montag, 12.12.2005 / 13:59 Uhr

Seit 50 Jahren ist Klaus-Dieter Fischer Mitglied bei Werder Bremen, seit über 35 Jahren engagiert er sich für die Nachwuchsförderung. Im Interview spricht Werders Geschäftsführer über die schwierige Situation der U 23-Junioren in der Regionalliga, die Weiterentwicklung der Jugendarbeit bei Werder und den Ausbau von Platz 11.

 

Nach dem Spiel gegen den HSV begann in der Regionalliga die Winterpause. Wie fällt Ihr Fazit bislang aus?

Über die gesamte Hinrunde hinweg haben wir viele Spiele ganz knapp verloren. Das lag sicherlich zum einen an der fehlenden Durchschlagskraft in der Offensive und zum anderen an den unnötigen Platzverweisen und zum Teil schweren Verletzungen, durch die der Kader geschwächt wurde. Vor allem die jungen Spieler haben anfangs geglaubt, sie könnten so spielen, wie sie es von der U 19 gewohnt waren. Sie haben erst langsam erkannt, dass in der Regionalliga ein anderer Wind weht.

 

Dagegen spielen alle anderen Nachwuchsteams von Werder erfolgreich in der Spitze ihrer Ligen mit. Was ist das Geheimnis des Erfolgs?

Das ist das Ergebnis unserer guten Nachwuchsarbeit, bei der wir auf viele hauptamtliche Trainer bauen, ein erfolgreiches Scoutingsystem aufgebaut haben und in allen Mannschaften dasselbe System spielen lassen, wie in der Bundesliga. Das macht den Übergang für die Jungs in die nächste Altersstufe leichter. Bei dem Konkurrenzkampf, der mittlerweile zwischen den Bundesligisten im Norden herrscht, bin ich sehr stolz darauf, dass alle unsere Teams um den Titel mitspielen.

 

Welche Überlegungen gibt es, die Nachwuchsförderung noch weiter zu verbessern?

Die Anforderungen an den Nachwuchs sind enorm gestiegen. Daher werden wir in naher Zukunft einen hauptamtlichen Torwart-Trainer für unsere Talente brauchen. Eine Ideallösung wäre ein Torwarttrainer, der auch gleichzeitig die Scoutingarbeit für die jüngeren Jahrgänge übernehmen kann. Hervorragende Erfahrungen haben wir auch mit unserem Koordinationstrainer gemacht, der sich ab der U 15 aufwärts um die Spieler kümmert. Nun wollen wir dafür auch bei den jüngeren Mannschaften einen Trainer beschäftigen. Weitere Überlegungen sind die bessere Abstimmung der Trainingspläne und eine Weiterentwicklung des Scoutings.

 

Wie sieht die Verbesserung des Scoutings aus?

Uns werden Talente von der holländischen Grenze bis Kassel angeboten. Die Wege sind sehr weit und da müssen wir Systeme entwickeln, die Jugendlichen an den Verein zu binden, ohne sie zu starken sportlichen und sozialen Belastungen auszusetzen.

 

Wie wäre es mit einem Ausbau des Internats?

Im Internat wollen wir nur die absoluten Spitzenkräfte unterbringen. Der Entwicklungsprozess eines Fußballers ist lang und die ‘Durchfallquote’ hoch. Und je früher wir sichten, desto höher wird diese Quote. Zudem wollen wir die Kinder nicht zu früh aus ihrem sozialen Umfeld lösen. Doch wir müssen die Talente bereits in diesem frühen Alter beobachten, da es heute ab der U 15 kaum noch einen guten Spieler gibt, der nicht schon bei einem Bundesligisten spielt. Da müssen wir Wege finden, die Spieler an Werder zu binden.

 

Doch nicht nur sportlich entwickelt sich Werder stetig weiter. Im Winter kommt es erneut zu Umbaumaßnahmen auf Platz 11.

Das ist richtig. Wir hatten vor, im Sommer die Tribüne, von der niemand genau weiß, wie alt sie ist, neu zu bauen. Doch da sich die Nationalmannschaft von Schweden für Platz 11 als Trainingsstätte für die WM entschieden hat, wird der Umbau bereits in der Winterpause stattfinden. Die Zahl der Sitzgelegenheiten auf der Tribüne wird fast verdoppelt, die Sprecherkabine und die Medienplätze sowie Plätze für Rollstuhlfahrer werden ebenfalls darauf untergebracht. Der Bereich für Werder-Fans wird mit neuen Stehtraversen versehen und auch die Startgerade für die Leichtathletik auf der Tribünenseite wird erneuert. Zudem werden die Kabinen saniert, da Werder diese, wie auch die Räume der Physiotherapie, ebenfalls den Schweden zur Verfügung stellt. Nach den Umbauten werden rund 6000 Zuschauer Platz in unserem kleinen Prunkstück finden. Fehlt nur noch die Flutlichtanlage, die bei einer erneuten Qualifikation für die Champions League angedacht ist.

 

Wer trägt die Finanzierung?

Zum größten Teil beteiligt sich die GmbH von Werder an dem Projekt, doch auch der Verein und die Stadt Bremen steuern Beträge zum Umbau bei.

 

Wie wichtig ist es, eine große internationale Mannschaft wie Schweden zu begrüßen, nachdem Bremen kein WM-Austragungsort geworden ist?

Auf der einen Seite ist es eine sehr große Belastung für Werder, da wir mit 42 Mannschaften unsere Heimstätte für drei bis vier Wochen komplett räumen müssen. Dazu zählt auch das Vereinsheim, das als Kommunikationszentrum der Schweden dienen soll. Andererseits tut es gut, einen Hauch der Weltmeisterschaft auch in Bremen spüren zu können. Daher stellen wir den Schweden unsere Plätze gerne zur Verfügung.

 

Wann soll mit dem Umbau begonnen werden?

Die Bagger rücken in den kommenden Tagen an, so dass wir die volle Bauzeit von zwei Monaten nutzen können. Mitte Februar soll die Tribüne fertig sein und im Juni will die Stadt die Kabinen renovieren. Natürlich muss auch das Wetter bei einem so engen Zeitplan mitspielen.

 

Dann beginnt auch die Rückrunde in der Regionalliga. Wie stehen die Chancen der U 23, den Klassenerhalt noch zu schaffen?

Wir gehören zu der Gruppe der abstiegsgefährdeten Vereine. Doch diese Gruppe ist groß. Wir haben im letzten Jahr die Erfahrung gemacht, dass die Mannschaft in der zweiten Halbserie besser war. Das liegt auch daran, dass sich die jungen Spieler an die harte Gangart in der Liga gewöhnt haben. Darauf vertraue ich. Auch das Trainingslager auf Mallorca wird die Jungs noch enger zusammenrücken lassen. Natürlich stellen wir auch Überlegungen an, uns punktuell in der Transferperiode noch zu verstärken - insbesondere in der Offensive.

 

Interview: Norman Ibenthal

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