Interview: Fischer über die 3. Liga, Talente und Aufstiege

Seit Jahren ein erfolgreiches Team, wenn es um Werders Nachwuchs geht: Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer, Nachwuchs-Cheftrainer Thomas Wolter und Nachwuchs-Manager Uwe Harttgen.
Junioren
Dienstag, 19.05.2009 / 14:48 Uhr

Werder befindet sich im Pokalfieber. Doch zwischen UEFA-Pokal und DFB-Pokal kämpfen auch viele weitere grün-weiße Mannschaften um einen erfolgreichen Saisonabschluss. Im Interview mit WERDER.DE spricht Werders Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer über den Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga, die Titelambitionen der Junioren und den Aufstieg der Fußballerinnen in die 2. Bundesliga.

 

Werders U 23 steht vor einem Herzschlagfinale. In Düsseldorf geht es am Samstag um den Klassenerhalt in der 3. Liga. Wie sehen Sie die Chancen?

Ich habe bereits in der Winterpause gesagt, dass die Mannschaft es noch schaffen wird. Da steckte nicht nur die Hoffnung dahinter, sondern die volle Überzeugung. Das Team hat sich im Verlauf der Saison stabilisiert, hat teilweise sehr guten Fußball gezeigt und bewiesen, dass es in diese Liga gehört. Daher bin ich mir sicher, dass wir am Samstag auch in Düsseldorf etwas holen können und somit in der Liga bleiben.

 

Hatten Sie im Verlaufe der Saison schon einmal das Gefühl, dass es am Ende nicht zum Klassenerhalt reichen könnte?

Wir wussten, dass es eng werden würde und wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt ringen müssen. Dafür haben wir zu viele Erfahrungen in den vergangenen Jahrzehnten in der dritthöchsten Spielklasse gesammelt. Immer, wenn wir einen Umbruch im Team hatten, haben wir auch einige Zeit gebraucht, um unser Potenzial abrufen zu können. Es war vielleicht ungünstig, dass diese Umbruchsituation genau zur Einführung der 3. Liga aufgetreten ist. Aber das ist nun mal unser Weg, den wir konsequent gehen. Wenn ein Spieler nach zwei, drei Jahren den Sprung nicht nach ganz oben schafft, muss er den Verein verlassen und Platz machen für jüngere Spieler aus der U 19. Das ist unser System, da sind wir konsequent und das halten wir durch.

 

Wie würde es weitergehen, wenn die U 23 den Abstieg doch nicht verhindern könnte?

Sicherlich wären wir erst einmal enttäuscht. Aber auch im Falle eines Abstiegs würden wir unsere Konzeption nicht ändern. Es ist wichtig, dass unsere jungen Spieler in der U 23 die Möglichkeit haben, Spielpraxis zu sammeln, sich mit älteren Spielern zu messen und den Anschluss an die Bundesligamannschaft zu finden. Das sind die vorrangigen Ziele, egal, ob in der 3. Liga oder dann in der Regionalliga. Wobei es natürlich für die Entwicklung der jungen Spieler besser wäre, in der 3. Liga zu spielen.

 

Einige Spieler werden auch nach dieser Saison den Verein verlassen. Einer von ihnen ist Max Kruse. Nach Dennis Diekmeier ein zweites hoffnungsvolles Talent, dem man den Sprung in die Bundesliga zugetraut hätte. Sind die jungen Spieler heutzutage vielleicht etwas zu ungeduldig?

Das ist genau der Punkt. Ich habe immer das schöne Beispiel von Dieter Eilts vor Augen, der lange auf seine Chance gewartet hat. Das ist heute nicht mehr der Fall. Ich mache dabei aber auch den Spielerberatern den Vorwurf, dass sie diese Ungeduld schüren. Ich bin mir sicher, dass bei einem Umbruch, der sicherlich auch in unserer Bundesligamannschaft stattfinden wird, ein junger Mann wie Max Kruse, der vor allem in den letzten Spielen tolle Leistungen gezeigt hat, eine Chance gehabt hätte. Aber er hat die Geduld und auch den Mut nicht aufgebracht, zu sagen: Hier setze ich mich durch. Vielleicht müssen wir auch unser Verhalten den jungen Spielern gegenüber anpassen, sie frühzeitiger binden. Da haben wir bereits Überlegungen, die wir auch umsetzen werden.

 

Zwei weitere Talente haben sich gestern ihren EM-Traum erfüllt. Lennart Thy und Florian Trinks sind mit der deutschen U 17 Europameister geworden. Haben Sie das Finale verfolgt?

Na, klar. Wir haben ihnen natürlich schon Glückwünsche zum Titelgewinn und zu ihren beiden Toren übermittelt. Das ist ein Riesenerfolg für beide, aber auch für Werder, weil man gleich zwei Spieler in einer tollen Mannschaft stellt. Beide haben eine wichtige Rolle in der Mannschaft und während der EM gespielt. Sie sind zwei von zahlreichen großen Talenten in unseren Mannschaften. Insgesamt haben wir fast zwanzig Nationalspieler, von denen ein Großteil für deutsche Auswahlteams spielt. Damit dürfen wir zufrieden sein.

 

Die erfolgreiche Arbeit im Nachwuchsbereich sieht man auch daran, dass die U 15, U 17 und U 19 noch um den Titel in ihren Ligen mitspielen. Wie stehen die Chancen für einen Titelgewinn?

Alle drei haben noch die Möglichkeit, Meister zu werden. Die besten Chancen hat dabei sicherlich die U 15, die in der Regionalliga Nord mittlerweile zum achten Mal in Folge den Titel anstrebt. Schwieriger ist es für die U 17, die auf einen Ausrutscher von Wolfsburg hoffen muss. Und unsere U 19 ist so etwas wie eine Wundertüte. Sensationell guten Spielen folgen dann wieder Spiele, in denen man dann Chancen nicht ausnutzt. Aber vielleicht zeigt genau das, woran man im Jugendbereich arbeiten muss. Wir haben es mit jungen Leuten zu tun, wo man nicht eine Konstanz über eine ganze Saison, ja manchmal nicht mal eine Konstanz über eine ganze Woche erwarten kann. Ich bin aber optimistisch, dass unsere U 19, die noch an der Tabellenspitze steht, auch die letzten beiden Spiele erfolgreich bestreiten kann. Wenn sie die gewinnen, sind sie Meister. Das wäre ein schönes Zubrot. Wobei ich ganz bewusst Zubrot sage, weil unser Hauptaugenmerk auf der Entwicklung der Spieler liegt.

 

Einen Titel darf Werder schon ein wenig feiern. Der Frauenmannschaft ist die Meisterschaft in der Regionalliga Nord und der Aufstieg in die 2. Bundesliga nur noch theoretisch zu nehmen. Eine überraschende Entwicklung?

Ja, wir hatten eine Zielsetzung von vier Jahren für das Projekt Frauenfußball ausgegeben, um in die 2. Liga aufzusteigen. Nun hat diese Mannschaft das Ziel schon nach zwei Jahren, also der Hälfte der Zeit, erreicht. Das ist eine enorme Leistung. Nach der guten Hinrunde hatte ich schon mit dem Gedanken gespielt, dass man eventuell den Sprung schaffen könnte, doch als sich so viele Spielerinnen verletzten, bin ich schon ein wenig ins Schwanken gekommen. Wie dann aber die anderen dafür in die Bresche gesprungen sind, war bemerkenswert. Die Leistung ist auch deshalb besonders lobenswert, weil Werder Bremen sich nicht einfach wie andere Bundesligisten eine Mannschaft gekauft hat, sondern hier wirklich eine ruhige Entwicklung betrieben worden ist. Der Aufstieg ist dafür die richtige Belohnung, aber man soll sich davor hüten, zu glauben, dass das jetzt so weiter geht. Wenn wir im nächsten Jahr in der 2. Liga nicht um den Abstieg spielen, bin ich sehr zufrieden.

 

Worauf muss man sich in der 2. Bundesliga einstellen?

Man muss eine Vielzahl an Auflagen, an Bedingungen seitens des DFB erfüllen, überprüfen auf welchen Plätzen unsere Frauenmannschaft spielen könnte, was wir dort verändern müssen. Denn wir müssen bedenken, dass wir mehrere Mannschaften haben, die in den oberen Klassen spielen und die Plätze 11 und 12 nutzen. All das sind jetzt Dinge, die wir angehen müssen, nachdem der Aufstieg geschafft wurde. Es wird sicherlich spannend für uns, wie wir das in diesem Übergangsjahr hinbekommen. Aber wir haben uns entschieden, Frauenfußball zu betreiben. Dass das so schnell so erfolgreich ist, damit haben wir selbst nicht gerechnet, aber wir stellen uns nun dieser neuen Herausforderung.

 

Es könnte sogar noch ein doppelter Aufstieg werden!

Theoretisch und praktisch ist das durchaus denkbar. Die zweite Mannschaft spielt in der Relegation um den Aufstieg in die Regionalliga. Für den Unterbau der ersten Mannschaft wäre ein Aufstieg sicherlich gut, aber die Relegation wird schwer. Ich halte mich mal dabei an unsere Nachbarn aus dem Süden und sage "Schau'n wir mal".

 

Interview: Norman Ibenthal

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