Votava: "Nicht zu schnell zufrieden sein"

Reicher Erfahrungsschatz: Seit vier Jahren gibt Mirko Votava sein Wissen an Werders Nachwuchs weiter.
Junioren
Samstag, 08.11.2008 / 19:29 Uhr

Mit Werder Bremen feierte Mirko Votava zahlreiche Titel. Seit 2004 gibt der Europameister von 1980 sein Wissen an den grün-weißen U 19-Nachwuchs weiter. Im Interview spricht er über die aktuelle Saison, seine tägliche Trainingsarbeit und die Veränderungen im Fußball.

 

Ihre Mannschaft hat zwar wieder den Anschluss an die Spitzengruppe hergestellt, tat sich jedoch bislang schwer in der aktuellen Saison. Wie lassen sich die Leistungsschwankungen erklären?

Das kann man auf verschiedene Ursachen zurückführen. Sehr viele Spieler sind aus der U 19 in den Herrenbereich gewechselt, so dass wir auch viele neue Spieler integrieren mussten. Das braucht seine Zeit, einige Spieler entwickeln sich schneller als andere, so dass es für den einen oder anderen vielleicht auch erst einmal besser ist, über die U 18 an die Junioren-Bundesliga herangeführt zu werden. Dazu kam noch ein wenig Verletzungspech in den vergangenen Monaten, die Spieler kehren langsam wieder ins Team zurück und ich bin zuversichtlich, dass wir nach und nach zu immer mehr Stabilität finden werden.

 

Mit Pascal Testroet schnupperte einer Ihrer Spieler bereits bei den Profis rein. Haben die jungen Talente heute weniger Zeit sich zu entwickeln und an die Bundesliga zu gewöhnen?

Der Sprung von der U 19 zu einem Team, das in der Champions League spielt, ist riesengroß. Das ist klar. Und ich persönlich finde es gut, wenn die Jungs peu á peu an die nächste Entwicklungsstufe herangeführt werden. Bei Werder haben wir mit der Verbindung Junioren-Bundesliga - 3. Liga – Bundesliga jedoch eine gute Konstellation gefunden, um die Jungs optimal zu fördern.

 

In der Jugend haben die Jungs meistens immer um die Meisterschaft mitgespielt, nun treffen sie in der U 23 auf den harten Abstiegskampf. Ist das eine große Umstellung?

Ich denke, dass sich gerade dann zeigt, wer charakterlich die Situation annimmt und wer nicht. Man hat in dieser Phase keine Zeit sich auszuruhen, sondern muss alles geben. Die Einstellung muss stimmen. Sicher findet auch ein gewisser Eingewöhnungsprozess statt, Erfahrungen müssen gesammelt werden aber dafür spielen sie auch in der 3. Liga. Die Qualität dafür haben sie, aber um die nötige Stabilität zu bekommen, kann es bis zur Winterpause dauern. Man darf aber nicht den Anschluss verlieren.

 

Die U 19 ist die letzte Station vor dem Herrenbereich. Was versuchen Sie, den Jungs im Training zu vermitteln?

Wir trainieren häufig mit viel Tempo. Das Spiel schnell machen, nicht zu oft quer spielen, sondern erst den Blick in die Offensive richten. Das möchten wir den Jungs beibringen. Daher arbeiten wir sehr oft in Spielformen, in denen sie häufig in Zweikämpfe kommen und in schwierige Situationen geraten, aus denen sie sich über ein Kombinationsspiel oder eine Einzelaktion befreien müssen.

 

Können Sie dabei auch auf die Erfahrungen aus Ihrer eigenen Zeit als Spieler zurückgreifen?

Bedingt, dazu hat sich die Spielweise zu sehr verändert. Früher hatte ein Franz Beckenbauer enorm viel Zeit am Ball gehabt, der wurde gar nicht angegriffen. Das hat sich total geändert. Das Spiel ist viel schneller geworden. Wenn der Ball kommt, musst du schon vorher wissen, wohin du ihn weiter spielst. Da bleibt kaum Zeit zum Überlegen.

 

Im Vergleich zu Ihrer aktiven Zeit beginnen Fußballer ihre Karriere immer früher, hören aber auch eher auf. Wie lässt sich dieser Trend erklären?

Das hängt von vielen Faktoren ab. Erst einmal muss man den Spaß am Fußball behalten. Wenn man dann auch noch wenige Verletzungen hatte, das Verhältnis zum Trainer gut ist, die Mannschaft funktioniert, man oben mitspielt und vielleicht auch noch einen Titel holt, fällt es einfacher, länger zu spielen. Das geht dann auch bis 38 oder 39. Es ist aber auch eine Charakterfrage. Viele Spieler sind heute zu schnell zufrieden und wollen sich nicht mehr quälen, obwohl sie noch vier oder fünf Jahre hätten spielen können.

 

Ärgert Sie etwas, wenn Sie auf den heutigen Fußball schauen?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass nur noch Freundschaftsspiele stattfinden. Nach dem Schlusspfiff nimmt man sich in die Arme, tauscht die Trikots und obwohl man verloren hat, sieht man bei einigen schon wieder ein Lächeln. Wenn wir damals ein Spiel verloren haben, hat man seinem Gegenspieler zwar auch fair die Hand gegeben aber man hat sich maßlos geärgert und sich viel intensiver mit der Niederlage beschäftigt. Auch über einige Verletzungen ärgere ich mich immer wieder. Ich habe so viel Erfahrung, um zu erkennen, wo eine ernsthafte Verletzung vorliegt. Aber es kommen so häufig kleine Blessuren vor, bei denen viele sofort das Training abbrechen oder sich auswechseln lassen. Da muss man auch mal sagen „komm, das ist halb so schlimm“, man muss auch mal ein bisschen hart zu sich selbst sein.

 

Sie haben zahlreiche Titel gewonnen. Nehmen das die Jungs, wenn sie zu Ihnen ins Training kommen, noch wahr?

Die wissen das schon. Aber es bringt ja nichts, wenn du zig Pokale herumstehen hast aber ihnen nichts beibringen kannst. Wenn man den Jungs etwas im Training vermitteln will, muss das schon Hand und Fuß haben, sonst verliert man die Glaubwürdigkeit.

 

Sie haben auch schon bereits im Herrenbereich als Trainer gearbeitet. Wo liegen die größten Unterschiede zu der Jugendarbeit?

Wir versuchen praxisnah zu arbeiten. Es gibt keine Trainingseinheit, bei der nicht der Ball dabei ist. Ich will die Jungs nicht einfach zum Training holen, dann nur laufen gehen und wieder rein. Das ist für mich Verschwendung von wertvoller Zeit. Im Herrenbereich hat man mehr Zeit, da kann man dann auch mehr in der Theorie vermitteln.

 

Als Scout waren sie ebenfalls schon tätig. Helfen Ihnen die dort gesammelten Erfahrungen bei der Talentsuche?

Die talentiertesten Spieler sieht jeder. Das ist keine Kunst. Aber es gibt auch Spieler, bei denen das Talent noch ein wenig versteckt ist und die Trainer dann die Aufgabe haben, es zur Entfaltung zu bringen. Wenn wir Jungs holen, muss man auch davon überzeugt sein, dass sie zumindest den Sprung in die U 23 schaffen können.

 

Bis dahin haben die Jungs noch einige Monate Zeit. Welche Ziele können Sie diese Saison noch mit Ihrem Team erreichen?

Im Mittelpunkt unserer Philosophie steht erst einmal die Entwicklung der Spieler. Erst dann kommt der Erfolg der Mannschaft. Wenn man beides verbinden kann, ist es natürlich umso schöner. Wichtig war, dass wir jetzt wieder gewonnen haben und gute Spiele abgeliefert haben. Darauf können wir aufbauen. Wenn wir uns bis zur Winterpause ständig weiterentwickeln, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir den Anschluss an die Spitzengruppe halten können. Die nächsten Wochen werden entscheidend sein, da kommen Rostock, Hertha und auch Hamburg, alles Mannschaften, die auch oben mitspielen wollen.

 

Norman Ibenthal

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