"Die Nachwuchsförderung wird profitieren"

Wertvolle Kooperation | Prof. Dietrich Milles (Universität Bremen), Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer und Nachwuchsmanager Uwe Harttgen (v. li.) leiten und unterstützen das innovative Projekt zur Untersuchung der Nachwuchsförderung.
Junioren
Sonntag, 16.03.2008 / 19:17 Uhr

Werder Bremen ist für sein besonderes Gespür bei der Entdeckung entwicklungsfähiger Talente und für deren vorbildliche Ausbildung bekannt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bewilligte nun ein innovatives Projekt, das in Kooperation der Universität Bremen und Werder Bremen durchgeführt wird. Nachwuchsmanager Uwe Harttgen erklärt dieses Projekt.

 

"Bewältigungsressourcen und Leistungsentwicklung. Empirische Grundlagen zur komplexen Talent- und Gesundheitsförderung" – so lautet der Titel. Was verbirgt sich hinter diesem Projekt?

UWE HARTTGEN: Auf junge Leistungssportler wirken neben dem Sport viele weitere Faktoren ein: Schule, soziales Umfeld, Freizeitverhalten, Freunde, Freundin, Familie. Man kann nur erahnen, was sie entwicklungspsychologisch leisten müssen. Hier soll das Projekt ansetzen und diese Faktoren untersuchen, insbesondere im Hinblick auf die Doppelanforderung Schule und Leistungssport.

 

Wie ist das Projekt entstanden?

Die Idee dazu kam durch meine Doktorarbeit, die sich mit diesem Thema beschäftigt hat. In Deutschland wird viel über Nachwuchsförderung gesprochen, aber keiner weiß genau, wie man die Jugendlichen am besten fördert, wo die Schwachstellen sind und wie man korrigierend eingreifen kann. Die Frage lautet: Welche Förderung ist für Jugendliche und Kinder sowohl altersgerecht als auch leistungsorientiert? Die Ergebnisse sind so interessant, dass davon der gesamte Fußball profitieren kann. Daher haben wir zusammen mit der Universität Bremen die Erkenntnisse allen Nachwuchsleistungszentren und dem DFB vorgestellt. Der DFB war von der Studie so überzeugt, dass er unserem Projektantrag zugestimmt hat. Jetzt wird diese Studie ausgeweitet und wiederholt.

 

Welche Erkenntnisse liegen bereits vor?

Die erste Befragung hat gezeigt, dass jugendliche Leistungsfußballer die gleichen Entwicklungsphasen durchlaufen und Entwicklungsaufgaben bewältigen müssen wie ihre Altersgenossen, zugleich jedoch vor besonderen Herausforderungen stehen. Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Talente selbstständig werden, sich Ziele setzen, Unterstützungen aufbauen, Verantwortung übernehmen und sich in der Medienwelt zurechtfinden. Die Wiederholung der Befragung soll aufzeigen, welche Veränderungen es seit der ersten Erhebung im Jahr 2003 gab.

 

Wie wurden die Ergebnisse erhoben?

Wir haben zwei Fragebögen entwickelt. Der eine beschäftigte sich ausschließlich mit der sportlichen Situation, der andere mit den psychologischen Komponenten. So wurden in sieben Bundesliga-Vereinen die C- bis A-Jugendlichen befragt und die Ergebnisse mit denen anderer Altersgenossen verglichen.

 

War es schwer, die Vereine für das Projekt zu begeistern?

Sowohl die Vereine als auch die Jugendlichen waren sehr aufgeschlossen. Das war so nicht zu erwarten, weil ein tiefer Einblick in die Nachwuchsarbeit gewährt wird. Aber die Vereine haben erkannt, dass jugendliche Fußballer spezifische Entwicklungsstufen durchlaufen, bei denen die verschiedensten psychologischen Aspekte eine wichtige Rolle spielen. Wenn es uns gelingt, die Ergebnisse der Untersuchung positiv umzusetzen, bin ich mir sicher, dass die gesamte Nachwuchsförderung in Deutschland nachhaltig profitieren wird.

 

Warum wurden gerade diese Jahrgänge für die Untersuchung ausgewählt?

Bei den 14- bis 18-Jährigen steigen die Anforderungen im Zusammenspiel von Schule und Leistungssport enorm an, während es bei den jüngeren Sportlern noch einfacher ist, die Schule mit dem Leistungssport zu verbinden. Zwar gibt es Überlegungen, die Befragung auch mit ihnen durchzuführen, doch es gibt noch keine altersspezifischen Tests dazu, so dass sich die Ergebnisse nicht vergleichen ließen.

 

Wie wirkt sich das Projekt auf die Praxis aus?

Es wird häufig bemängelt, dass Praxis und Wissenschaft nicht miteinander verbunden werden. Das Projekt knüpft diese Verbindung. So können die Erfahrungen der Spieler und Trainer in die Traineraus- und -fortbildung einfließen und die Ausbildungskonzeptionen der Vereine und des DFB profitieren.

 

Welche Rollen spielen der DFB und die Universität Bremen?

Die Organisation und Durchführung des Projekts übernimmt die Universität Bremen unter der Leitung von Prof. Dietrich Milles. Ohne diese Unterstützung und die Anregung unseres Geschäftsführers Klaus-Dieter Fischer wäre es nicht ins Leben gerufen worden. Der DFB finanziert die Studie und bestimmt daher auch den endgültigen Umfang der Untersuchung.

 

Wird es bei einer weiteren Untersuchung bleiben?

Zunächst ist nur eine Wiederholung geplant. Doch es bieten sich immer wieder neue Möglichkeiten, die Studie auszuweiten und fortzuführen. Ein Ost-West-Vergleich wäre interessant, insbesondere im Hinblick auf die Einführung der Eliteschulen. Auch für die Trainerausbildung könnten spezifische Module entwickelt werden, um die Kommunikation zwischen Spielern und Trainer zu optimieren. Das alles kann in die Ausbildungskonzeption des DFB mit aufgenommen werden.

 

Interview: Norman Ibenthal

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