Mehr als hundert Trainingseinheiten absolvierte der diplomierte Sportwissenschaftler mit dem Nationalspieler. Im Bürgerpark, auf dem Spielfeld, im Kraftraum, mit und ohne Ball: Täglich arbeitete der 45-Jährige – stets in Absprache mit Prof. Arno-Ekkehard Lison vom Klinikum Bremen-Mitte und der medizinischen Abteilung von Werder – mit Klasnic an seinem Comeback. „Das war auch für mich eine ungewohnte Situation. Ivan war der erste Spieler, der nach einer Nierentransplantation wieder in den Profi-Fußball zurückkehren wollte. Im Vorfeld habe ich mich daher über dieses Thema intensiv informiert und engen Kontakt mit den zuständigen Ärzten gehalten“, erklärt Jens Beulke.
Fast ein halbes Jahr lang drehten die beiden ihre Runden um die Plätze am Weser-Stadion oder im Bürgerpark. Eine lange Zeit, die Höhen und Tiefen hatte: „Es gibt kaum einen Spieler, dem das Laufen Spaß macht. Auch Ivan hat das eine oder andere Mal geflucht, wenn wir morgens um 7.30 Uhr trainiert haben. Aber er hat in der gesamten Zeit nie den Mut verloren, sich durch diese Phase durchgebissen und war immer mit voller Konzentration dabei. Er hat immer daran geglaubt, wieder spielen zu können“, lobt Beulke die Disziplin des Stürmers.
Dementsprechend erfreut zeigte sich der Reha-Coach über Klasnic’ Rückkehr. „Man hatte ihm im Vorfeld nur geringe Chancen auf ein Comeback in Aussicht gestellt“, so Beulke, der weiß, dass nicht alle Rückkehrversuche so glatt laufen. „Als sich Manuel Friedrich vor einigen Jahren nach überstandener Reha und Spielfähigkeitstest gleich im ersten Training wieder verletzt hat, ist mir das sehr nahe gegangen. Man überlegt dann, woran es gelegen haben könnte.“
Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Jens Beulke bereits als Reha-Coach für die Grün-Weißen. Nach seinem Sportstudium in Köln kehrte er Ende der 80er Jahre in seine Heimatstadt Bremen zurück, arbeitete erst nebenberuflich und seit 1991 hautamtlich im Sporthep ‚Werder’. Vor zwei Jahren wechselte er dann in das Nachwuchsleistungszentrum der Grün-Weißen und ist seitdem für die Prävention, Rehabilitation und die sportwissenschaftliche Betreuung der U 23 verantwortlich.
Zahlreiche Spieler hat der 45-Jährige in den zurück liegenden zwei Jahrzehnten während ihrer Reha-Phase begleitet. Von Mirko Votava bekam er vor einigen Jahren für seine strengen aber wirksamen Trainingsmethoden den Beinamen ‚Schleifer’ verpasst. Als überaus harten Fitmacher sieht er sich jedoch nicht: „Diese Einschätzung ist immer davon abhängig, wie man es auslegt. Der Begriff ‚Schleifer’ muss ja nicht negativ sein. Ein Rohdiamant wird ja auch geschliffen, und im Zusammenhang mit Talenten ist das positiv“, erklärt Beulke, der den Spielern Einiges abverlangt: „Ich versuche stets das abzurufen, was die Sportler dem Ziel, wieder schnellstmöglich Fußball zu spielen, näher bringt. Natürlich sind einige Einheiten dabei, die nicht so viel Spaß machen und recht anstrengend sind. Aber das gehört dazu. Man muss im Training auch mal an seine Grenzen gehen. Als überhart würde ich das nicht bezeichnen. Da gibt es in Werders Vergangenheit sicherlich den einen oder anderen Trainer, auf den diese Beschreibung besser passen würde.“
Norman Ibenthal