Die positive Entwicklung des Werder-Talentes wurde auch von Chef-Coach Thomas Schaaf registriert. Seine Nominierung in den Profi-Kader für das Trainingslager in der Türkei kam dennoch sehr unverhofft. Eigentlich sollte U 23-Stürmer Martin Harnik mit nach Belek reisen, doch der 19-Jährige brach sich wenige Tage vor dem Abflug den Mittelfuß. So rückte Kevin Schindler nach. „Als mich Thomas Wolter angerufen hatte, dachte ich, er wolle mich auf den Arm nehmen. Aber es stimmte wirklich. Die Freude war natürlich riesig“, so Schindler, der inmitten von Diego, Frings und seinem Vorbild Tim Borowski richtig Gas gab.
Der gebürtige Delmenhorster, der bereits seit der E-Jugend das Werder-Trikot trägt, verkaufte sich in den Trainingseinheiten und Testspielen im Süden teuer und durfte zur Belohnung erst einmal beim Team von Thomas Schaaf bleiben. Zurück in Bremen knüpft er nahtlos an das Gezeigte an und traf in den Tests gegen Erfurt und Magdeburg gleich dreimal. „Wenn ich schon dabei sein darf, will ich auch richtig angreifen und zeigen, was ich kann. Wer weiß, wann ich diese Chance wieder bekomme“, so Schindler, dessen Karriereschub mit der Berufung in den Kader gegen Schalke vorerst den Höhepunkt fand.
„Wenn ich abends im Bett liege, frage ich mich schon manchmal, ob ich das alles realisiere, was hier gerade mit mir abläuft. Ich hätte nie gedacht, dass es so schnell geht“, staunt Schindler, der zum Ausgleich die Nähe bei seiner Mutter, bei seiner Freundin und den Freunden sucht. Angst vor dem Abheben hat er nicht. „Ich weiß, dass ich auch ganz schnell wieder abstürzen kann.“ Konkrete Ziele will sich der der 18-Jährige daher erst einmal nicht setzen: „Ich freue mich, dass ich das jetzt alles mitnehmen darf.“ Ein Ziel hat er dann aber doch noch: „Mit der U 19 würde ich gerne noch die Meisterschaft holen.“
von Norman Ibenthal