Ich möchte bei Werder bleiben!

Im Alter von 13 Jahren wechselte Timo von Holt zu Werder. Aktuell spielt er bei den U 16-Junioren (Foto: Gloth).
Junioren
Donnerstag, 01.01.1970 / 01:00 Uhr

Weißt Du, wie der SV Werder Bremen auf Dich aufmerksam geworden ist?
Es gibt bei Werder Bremen Talenttage für junge Fußballer. Dort bin ich als Zehnjähriger mit meiner damaligen Mannschaft hingefahren. Ich bin aufgefallen und wurde zum Probetraining eingeladen. Die Verantwortlichen haben gleich gesagt, dass ich zu jung für einen Wechsel bin. Drei Jahre später wurde ich auf ein Wochenende in Lastrup eingeladen. Ein Trainingslager ausschließlich mit Spielern, an denen Bremen Interesse hatte. Danach wollte mich der Verein verpflichten.

Timo von Holt spielt für Werders U 16 in der Regionalliga Nord. Der Innenverteidiger wechselte als 13-Jähriger von seinem Heimatverein TuSV Bützfleth zu Werder und möchte bei den Grün-Weißen Fußballprofi werden. Im Interview spricht er über sein Leben zwischen Fußball und Schule.

Wer vom SVW hat mit Dir und Deinen Eltern gesprochen?
In erster Linie der U 14-Trainer für die nächste Saison, Norbert Hübner, aber auch U 13-Trainer Harald Albrecht kam nach Stade und hat mit mir und meinen Eltern geredet.

Was sprach für einen Wechsel?
Dass es Werder Bremen ist. Ein Verein, der eine Profimannschaft hat, in die man es irgendwann schaffen kann. Wir haben uns damals gesagt: „Man kann es doch versuchen." Wenn es nichts wird, ich mit der Schule nicht klarkomme, kann ich doch wieder zurück. Es hat mich gereizt, mein Können bei einem großen Verein unter Beweis zu stellen.

Was sprach dagegen?
Ganz klar der Aufwand. Ich hatte Kontakt zu einem Freund, der seit zwei Jahren bei Werder spielte. Wir haben oft darüber geredet. Er sagte mir der Zeitaufwand sei hoch und man habe viel Stress. Ich habe mir zu der Zeit viele Tipps von ihm geholt.

Wie hat Deine Familie auf die Anfrage reagiert?
Alle waren sehr stolz und haben mich unterstützt. Es gab niemanden, der skeptisch war.

Und Deine Freunde?
Ich habe es nur sehr engen Freunden erzählt, weil ich es nicht allen auf die Nase binden wollte. Ich wollte nicht damit angeben. Sie waren begeistert und haben sich für mich gefreut.

Wann war das erste Training?
Ostern `09. Die Jugendmannschaften trainieren zum Kennenlernen immer ein Wochenende mit dem Trainer der nächsten Saison. Ich wurde als Neuzugang vorgestellt.

Wie war die Atmosphäre?
Ich wurde echt klasse aufgenommen, damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin eine Person, die nicht gleich auf andere Leute zugeht. Doch die Spieler und Verantwortlichen sind auf mich zugegangen und haben sich um mich gekümmert. Ich habe mich von Anfang an wohl gefühlt.

Wie oft und wie lange trainiert ihr?
Ich habe normalerweise viermal die Woche von 17.30 bis 19.00 Uhr Training. Aus schulischen Gründen darf ich montags zu Hause bleiben.

Du wohnst in Stade-Abbenfleth, wie kommst Du zum Training?
Ein Fahrdienst holt mich um 15 Uhr aus Stade ab. Dort bringt mich meine Mutter hin.

Warum bist Du nicht aufs Sportinternat von Werder gegangen?
Diese Plätze werden erst ab der U 15 angeboten. Meistens erhalten sie Spieler, in deren Region kein Fahrdient kommt. Bis heute wurde ich noch nicht darauf angesprochen.

Würdest Du darauf eingehen?
Letzte Saison, also im Juni 2010, hätte ich abgelehnt. Ich wäre zu jung für einen Umzug gewesen. Mittlerweile fühle ich mich bereit. Diesen großen Umschwung würde ich in Kauf nehmen.

Beschreibe doch einmal den Ablauf eines Trainingstags.
Ich stehe um halb sieben auf und gehe um sieben zum Bus. Von acht Uhr bis 13.20 Uhr ist Schule. Um 14.05 Uhr bin ich zu Hause. Es ist immer genau fünf nach zwei. Dann esse ich kurz und packe meine Tasche. Um 14.45 Uhr bringt mich meine Mutter nach Stade. Der Fahrdienst befördert mich nach Bremen. 90 Minuten Training. Auf der Rückfahrt esse ich im Bus Abendbrot. Um 21.15 Uhr bin ich zu Hause. Je nachdem, ob noch dringende Hausaufgaben anstehen, gehe ich ins Bett oder erledige diese schnell.

Wie bewältigst Du schulische Aufgaben wie Hausaufgaben und Klausurvorbereitungen?
Klausurvorbereitung und Hausaufgaben muss man trennen. Lernen nimmt mehr Zeit in Anspruch. Das teile ich mir ein, mache es meistens am freien Tag. Hausaufgaben muss ich abends machen. Einige Lehrer nehmen aber viel Rücksicht. Wenn ich es nicht schaffe, sollen meine Eltern mir eine Entschuldigung schreiben. Ich bekomme auch schulfrei, wenn DFB-Lehrgänge anstehen. Dafür haben alle Verständnis.

Wirst Du vom SV Werder bei Schulaufgaben unterstützt?
Ja, wir müssen uns nur bei unserem Trainer, Marco Grote, melden. Wenn das nicht jede Woche ist, kriegen wir auch frei. Es wird zwar viel Wert darauf gelegt, dass wir jede Trainingseinheit bestreiten, aber die schulische Leistung darf nicht zu schwach sein. Unsere Zeugnisse werden vom Verein eingesammelt. Bis jetzt hatte ich damit noch keine Schwierigkeiten. Ein Kollege von mir durfte wegen schlechter Noten eine Zeit lang nur zweimal die Woche zum Training kommen.

Trainingsfrei als Strafe?
(lacht) Du, wir wollen Profis werden!

An welchen Wochentagen hast Du Zeit für Dich?
Montag, Dienstag und Samstag oder Sonntag. Je nachdem wann wir unser Spiel haben.

Wie verbringst Du diese Freizeit?
Entweder bleibe ich zu Hause oder treffe mich mit Freunden. Alles was sonst zu kurz kommt. Manchmal mache ich auch einfach einen Mittagsschlaf.

Gibt es Momente, an denen Du Dir mehr Freizeit wünschst?
Wenn ich in Stade stehe und auf den Fahrdienst warte, sehe ich manchmal meine Freunde, die gerade etwas ganz anderes unternehmen. Ich muss zum Training, habe noch eine lange Fahrt vor mir. Aber dann denke ich: „Ich habe ein Ziel. Ich will es schaffen groß rauszukommen!" Dann weiß man wieder, wofür man das gerade alles macht.

Wie viel Zeit kannst Du mit deinen Freunden aus Stade verbringen?
Die meiste Zeit verbringen wir in der Schule. Manchmal treffen wir uns an meinen freien Tagen.

Wie verbringst Du Wochenenden, an denen ein Spiel ist?
Freitags habe ich Abschlusstraining, bin also um 21.15 Uhr zu Hause. Am Wochenende kommt kein Fahrdienst, da muss ich um zehn Uhr mit dem Zug fahren. Ich bin gegen halb sieben zu Hause und mache meistens einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher. Der freie Wochenendtag wird spontan geplant.

Spürst Du Leistungsdruck?
Man muss schulisch und fußballerisch gut sein, dadurch ist ein gewisser Druck immer da. Manchmal gibt es Phasen, da sackt man fußballerisch ab. Dann kommt Herr Grote und fragt, was los ist, spricht mit einem darüber. Das tut mir gut.

Wirkt sich der Leistungsdruck auf Deinen Spaß am Fußball aus?
Nein, das Training macht immer Spaß. Wenn du mal einen schlechten Tag hast und der Trainingstag gut war, weil die Übungen oder deine Mitspieler gut waren, man das Abschlussspiel gewonnen hat, dann hat man trotzdem Spaß.

Hast Du Erwartungen an Deine Zukunft als Fußballer?
Ich setze mir jedes Jahr zwei Ziele. Ein Ziel mit der Mannschaft und ein Ziel für mich. Mit der Mannschaft will ich immer Platz eins bis drei erreichen. Mein persönliches Ziel ist es, immer in die nächsthöhere Mannschaft zu kommen. Ich will bei Werder bleiben.

Haben andere Erwartungen an Deine Zukunft als Fußballer?
Uff. Das weiß ich nicht.

Hattest Du schon einmal Angst, Deinen Erwartungen nicht gerecht zu werden?
Nein, noch nicht. Ich bin immer zuversichtlich. Das würde sich nur auf meine Leistung auswirken.

Hat sich das Training gegenüber Stade verändert?
Ja, anfangs war es für mich sehr anstrengend. Es herrscht ein ganz anderes Tempo und die Übungen sind viel komplexer. Erst nach einem halben Jahr habe ich mich daran so richtig gewöhnt. Wir haben auch spezielle Koordinations- und Techniktrainer, die sich nur um einzelne Mannschaften kümmern.

Wie motivierst Du dich nach einem harten Training und wenig Schlaf für die Schule?
Die Motivation für die Schule ist ja immer so eine Sache (lacht). Aber es ist ein neuer Tag und Schule macht im Prinzip auch Spaß. Sonst denkt man einfach an gute Sachen, die heute passieren. Zum Beispiel das Training danach (lacht).

Was würdest Du gerne werden?
An erster Stelle Fußballprofi, sonst möchte ich einen kaufmännischen Beruf erlernen.

Hast Du mit Werder-Verantwortlichen über Deine beruflichen Perspektiven gesprochen?
Im Januar gab es ein Gespräch mit Dr. Uwe Harttgen, dem Nachwuchsdirektor, weil ich 2012 meinen Realschulabschluss mache. Es besteht die Möglichkeit, nach Bremen zu ziehen und dort eine Ausbildung zu machen.

Hast Du schon einmal mit Klaus Allofs oder Thomas Schaaf gesprochen?
Nein (lacht). Obwohl, nach einem Arztbesuch durfte ich beim Training der Herren auf die Bank. Da habe ich ganz kurz mit Thomas Schaaf gesprochen. Er fragte, was denn passiert sei. Sonst gab es noch keinen Kontakt.

Schaut Thomas Schaaf beim Training oder beim Spiel zu?
Wenn ich Training habe, ist die Profimannschaft manchmal nur einen Platz neben uns. Aber ich habe noch nie gesehen, dass er uns gezielt beim Training oder Spiel zugesehen hat.

Verfolgst Du regelmäßig Spiele von Werder?
Wenn es zeitlich passt, gucke ich mir alle Spiele an.

Gibt es einen Spieler bei Werder, der Dir gefällt?
Naldo gefällt mir sehr, zumal er auf meiner Position spielt. Er ist ein Vorbild für mich.

Ein Vorbild, dem Du bald Konkurrenz machst?
(lacht) Nein, so groß denke ich nicht.

Interview: Kevin de Caesteker

 

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