Chadia Freyhat und Katharina Hamann, Leistungsträgerinnen der Fußball-Frauen von Werder Bremen, stehen nach ihren Kreuzbandrissen und den daraus resultierenden langen Pausen vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining.
Chadia Freyhat und Katharina Hamann, Leistungsträgerinnen der Fußball-Frauen von Werder Bremen, stehen nach ihren Kreuzbandrissen und den daraus resultierenden langen Pausen vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining.
„Frau Freyhat, ihr Knie hat aber ganz schön was abbekommen, ich weiß nicht, ob wir das heute alles schaffen und ihr Kreuzband wieder herstellen können.“ Was Chadia Freyhat im April vergangenen Jahres im Operationssaal vom behandelnden Arzt zu hören bekam, passte der damaligen Spielführerin der Werder-Frauen so gar nicht. Doch die Knieverletzung stellte sich als noch schlimmer heraus, als zuvor befürchtet. Als Folge einer rüden Attacke in der Regionalliga-Partie des späteren Aufsteigers gegen Jahn Delmenhorst waren bei der Mittelfeldspielerin nicht nur das vordere Kreuzband und die Seitenbänder gerissen, sondern auch die Menisken völlig zerfetzt worden, die allein mehr als eine Stunde genäht werden mussten. Freyhat protestierte schlagfertig: „Sehen Sie zu, dass sie fertig werden, damit ich möglichst schnell mit meiner Reha anfangen kann...“ Und die Zeitsoldatin, die durch die Verletzung um einen bereits fest eingeplanten Afghanistan-Einsatz gebracht wurde, hatte Glück im Unglück: Die Operation verlief doch noch wie geplant, und die Reha konnte beginnen.
Fünf Monate vergingen bis zum ersten Training mit Ball. Die erste große Etappe mit täglichen Übungen im Kraftraum, bei der Bundeswehr und im heimischen Wohnzimmer war im Oktober endlich geschafft. Aber den oft beschwerlichen Weg zurück auf den Platz musste Chadia Freyhat nicht alleine gehen. Sie konnte bei Werder auf ein perfekt organisiertes Reha-System bauen – kompetent vom Arzt, über das Physiotherapeuten-Team bis hin zum Reha-Coach – und hatte mit Katharina Hamann zudem eine Leidensgenossin im Team. Die heute 20 Jahre alte Angreiferin hatte sich ihren Kreuzbandriss sogar schon sechs Wochen vor Freyhat zugezogen, aufgrund einer langwierigen Schwellung jedoch nicht sofort operiert werden können. Somit stiegen beide fast gleichzeitig ins Einzeltraining auf dem Rasen ein.
Hamann erinnert sich noch gut an die psychische Belastung, die eine solch lange Reha-Phase mit sich bringt. „Ich wollte zwar nicht aufgeben, aber es gab Momente, in denen ich einfach fertig war, keine Lust mehr hatte. Wenn man jeden Tag daran arbeitet, die Schmerzen jedoch nicht verschwinden, fragt man sich, ob es überhaupt noch mal besser wird“, so Hamann. Auch Teamkollegin Freyhat kann auf das eine oder andere Zwischentief zurückblicken: „Man ist natürlich ungeduldig. Ich habe zum Beispiel trainiert ‚wie eine Bekloppte’, aber trotzdem nach jedem zweiten Schritt nach vorn wieder einen zurück gemacht. Das nervt.“
Doch beide Spielerinnen haben die Talsohle inzwischen durchschritten und befinden sich auf der Zielgeraden des körperlichen Wiederaufbaus. Eine Rückkehr ins Mannschaftstraining erhoffen sie sich für Ende Januar, je nach Reaktion des Knies auf das noch einmal intensivierte Training. Beide absolvieren schon fast das volle Programm, nur die Gegenspielerinnen fehlen noch.
Angesichts der nach dem Aufstieg höheren Spielklasse ist die Rückkehr-Motivation der beiden Zweitliga-Fußballerinnen besonders hoch. Aber: „Man darf nichts überstürzen, sondern muss auf den Körper hören. Ich werde erst wieder spielen, wenn ich richtig fit bin“, so Hamann. Chadia Freyhat, mit 27 Jahren nach eigenen Angaben so etwas wie die „Oma im Team“ hat sich das persönliche Saisonziel gesetzt, wenigstens ein Spiel in der neuen Spielklasse zu absolvieren: „Ein Riesentraum ginge damit in Erfüllung.“
Trainerin Birte Brüggemann blickt dem Comeback der beiden einstigen Regionalliga-Leistungsträgerinnen gespannt entgegen, drosselt jedoch überstürzte Erwartungen: „Katharina ist noch sehr jung, sie kann etwas cooler mit der Sache umgehen, der Faktor Zeit spielt bei ihr eine etwas kleinere Rolle als bei Chadia. Aufgrund des Alters und der anfangs schlechten Prognose hat Chadia natürlich eine Extraportion Motivation. Ich freue mich auf die Rückkehrerinnen auch deshalb, weil beide und das gesamte Reha-Team intensive Arbeit geleistet haben und hoffentlich bald dafür belohnt werden. Nichtsdestotrotz werden wir sie auch vor dem Hintergrund der Witterung langsam ans Team heranführen und versuchen, ihnen zunächst wieder die nötige Sicherheit am Ball zu geben.“
Christoph Muxfeldt
