Was für ein intensives Zweitligaspiel! Werder Bremens Fußballerinnen zeigen beim vorletzten Heimspiel des Jahres die beste erste Halbzeit der Saison und erzielten zwei Tore durch Stephanie Goddard gegen den aktuellen Tabellenführer 1. FFC Turbine Potsdam II. Im zweiten Durchgang dann der Rückschlag: Potsdam kam mit zwei Toren innerhalb von neun Minuten zurück ins Spiel, der Siegtreffer wollte beiden Teams danach nicht mehr gelingen.
Der Anpfiff erfolgte pünktlich um 11 Uhr. Rund 70 Zuschauer sahen - passend zu den Wetterbedingungen - einen stürmischen Auftakt beider Mannschaften. Die grün-weißen Gastgeberinnen hatten gleich in den ersten Minuten zwei gute Möglichkeiten durch Goddard (1.) und Eckermann (2.). Nicht viel später hieß es bereits 1:0 für Werder Bremen. Maren Wallenhorst war stark über die rechte Seite marschiert und hatte an der Eckfahne zwei Gegenspielerinnen düpiert. Ihre Hereingabe landete bei Lea Notthoff, die aus gut 25 Metern stramm aufs Tor schoss. Der Ball wurde von der Hintermannschaft der Gäste abgefälscht und landete bei Stephanie Goddard, die den Ball humorlos im Tor unterbrachte (11.). Im direkten Gegenzug wollte Potsdam antworten, doch Eva-Marlen Votava klärte stark vor der einschussbereiten Josephine Schlanke (12.). Nur eine Minute später stand erstmals Werders Schlussfrau Maria Doll im Mittelpunkt, die mit einer sehenswerten Parade den aufs Tor gebrachten Ball um den Pfosten lenkte (13.).
In den Folgeminuten waren die in rot gekleideten Gäste aus Potsdam stets bemüht, sich in der Offensive zu profilieren, doch gegen die bärenstark auftretende Hintermannschaft biss sich der Tabellenführer die Zähne aus. Ganz anders Werder Bremen: In der 28. Minute passte Lisa-Marie Scholz den Ball sehenswert in die Spitze auf Goddard, die sich technisch auf höchstem Niveau präsentierte und die Spielkugel über die heraus geeilte Gästekeeperin Friederike Mehring ins Tor beförderte. Siebtes Tor im elften Spiel für Stephanie Goddard. Das 2:0 für Werder sorgte hier und da schon ein wenig für verwunderte Gesichter, schließlich war Potsdam der hoch gehandelte Favorit. Dennoch: Die Führung ging absolut in Ordnung, Werder zeigte eine der besten ersten Halbzeiten der bisherigen Spielzeit: Vorne eiskalt, hinten souverän und routiniert.
Nach dem Halbzeitpfiff hätte es beinahe 3:0 stehen können, doch Maren Wallenhorsts Hereingabe fand keinen Abnehmer (46.). Turbine Potsdam mit neuem Mut und Selbstvertrauen, stürmte mehr und mehr auf das von Maria Doll einwandfrei gehütete Gehäuse. Die weiße Weste sollte jedoch nicht bis zur 90. Minute halten: Aus dem Nichts heraus landete der Ball bei Natasa Andonova. Doll lief aus ihrem Tor, um Andonovas Einschussmöglichkeiten so gering wie möglich zu halten, doch die Stürmerin der „Torbienen" aus Potsdam verwandelte den Ball abgebrüht ins lange Eck: Anschlusstreffer (51.). Spätestens jetzt wurde aus dem guten ein sehr gutes Spiel. Intensive Zweikämpfe und tolle Offensivszenen wechselten sich im Gleichschritt ab. Dabei war es in erster Linie das Gästeteam, das mit vermehrtem Ballbesitz und folgerichtig mit vielen Torchancen den Ton angab. Keine zehn Minuten nach dem 1:2 Treffer für Potsdam fiel das 2:2: Nach einer Ecke stieg Josephine Schlanke am höchsten und brachte den Ball gegen eine chancenlose Doll im Tor unter (60.). Kurz danach wäre Werder-Coach Dirk Hofmann fast vom Glauben abgefallen, als Potsdam in der 62. Minute das 3:2 erzielte - doch die Linienrichterin pfiff korrekterweise auf Abseits.
Turbine Potsdam drückte und wollte den Dreier aus Bremen. Doch in der 72. Minute endlich wieder einmal etwas von Werder: Goddard spielte den Ball toll in den Lauf von Maren Wallenhorst, die ihn jedoch nicht verarbeiten konnte und er somit in den Armen der Potsdamer Schlussfrau landete. Bei vielen kleineren Tormöglichkeiten des Tabellenführers hatte auch Werder die eine oder andere Gelegenheit, das Spiel zu entscheiden. Aber es blieb beim 2:2 Unentschieden. Werder rang dem Spitzenreiter einen Punkt ab und zeigte sich kurz vor der Winterpause in Bestform.
„Das war heute eine klasse erste Halbzeit. Wir waren der Überraschgung nahe", wusste auch Werder-Trainer Dirk Hofmann und fuhr fort: „Mit dem 2:2 können wir aber gut leben, Potsdam war heute schon überlegen." Der Punkt gegen den Tabellenersten kann sich durchaus sehen lassen, wenn man bedenkt, dass Potsdam in den zuvor bestrittenen zehn Partien acht Dreier eingefahren hat. Werders Fußballfrauen haben sich den Lohn wahrlich verdient, was für Hofmann in erster Linie an der gut funktionierenden Defensive lag: „Die Gegentore sind heute zwar zu leicht gefallen, aber insgesamt haben wir sehr gut gestanden." In der nächsten Woche wartet erneut ein Heimspiel. Bereits zum Rückrundenauftakt kommt FCR 2001 Duisburg II.
Von Cord Sauer
Werder Bremen: Doll - Moelter, William, Votava, Eckermann - Scholz, Notthoff, Goddard, Schröder (64. Golebiewski) - Uyar (90.+3 Freyhat), Wallenhorst (78. S. Schneider)
1.FFC Turbine Potsdam II: Mehring - Löwenberg, Wiegand, Schlanke, Braun (62. Hübner) - Bast, V. Müller, Kulis - Starke (82. Lindner), N. Andonova, Dillmann (75. S. Andonova)
Tore: 1:0 Goddard (11.), 2:0 Goddard (28.), 2:1 N. Andonova (51.), 2:2 Schlanke (60.)
Gelbe Karten: Eckermann, Notthoff (beide Werder)
Schiedsrichter: Trenkner (Winsen)
Stadion „Platz 12": 70 Zuschauer