Seit rund anderthalb Jahren steht Kasper Jensen im Tor von Werders Regionalligateam, zum ersten Mal kämpft er mit seinen Kollegen in dieser Saison nicht um den Klassenerhalt.
Seit rund anderthalb Jahren steht Kasper Jensen im Tor von Werders Regionalligateam, zum ersten Mal kämpft er mit seinen Kollegen in dieser Saison nicht um den Klassenerhalt.
WERDER.de: In den letzten beiden Jahren hast Du mit der U 23 gegen den Abstieg gespielt. Wie ist es, jetzt mal oben mitzumischen?
KASPER JENSEN: Das ist natürlich ein ganz anderes Gefühl. So etwas kannten wir ja vorher noch nicht. Ich denke, dass wir zu recht da oben stehen, da wir in den bisherigen Spielen gezeigt haben, dass wir besser Fußball spielen als in der letzten Saison. Aber wir müssen noch abwarten. Wir stehen erst am Anfang der Saison. Nach rund 15 Spielen kann man vielleicht ein erstes Mal abschätzen, wie stark wir wirklich sind.
Worin liegen genau die Unterschiede zur vergangenen Saison?
Die Mannschaft hat sich enorm weiterentwickelt. Der Kader ist fast zusammen geblieben und auch die jungen Spieler haben schon Erfahrungen in der Regionalliga gesammelt. Und das vor allem im Abstiegskampf, wo es um alles geht. Da haben wir viel gelernt. Jetzt gehen wir noch konzentrierter in die Spiele, so dass wir die Partien, die letztes Jahr noch knapp mit 0:1 oder 1:2 verloren gingen, diese Saison gewinnen. Das ist uns jedenfalls bis auf die Begegnung in Ahlen ganz gut gelungen.
Zu Hause habt ihr seit rund zehn Monaten nicht mehr verloren. Wie wichtig ist solch eine Serie für das Team?
Sehr wichtig. Das gibt uns noch mehr Selbstbewusstsein. Aber vor allem spiegelt das auch die Entwicklung bei uns wider. Diese Heimstärke war auch ein Grund für den Klassenerhalt. Wir müssen aber versuchen, noch weniger Gegentreffer einzufangen. Mein Ziel ist es, in den 36 Spielen nicht mehr als 36 Tore zu kassieren.
In der U 23 bist Du die klare Nr. 1, bei den Profis jedoch nur die Nr. 4. Wie siehst Du Deine Perspektive in Bremen?
Als nach der Verletzung von Tim Wiese mit Christian Vander ein weiterer Torwart verpflichtet wurde, war das am Anfang eine schwere Situation für mich, da ich dachte, dass ich aufgrund von guten Leistungen im Training und Spiel nun die Chance als zweiter Torwart erhalten werde. Aber es ist bei Werder auf allen Positionen schwer, sich durchzusetzen, da fast jede Position mit einem Nationalspieler besetzt ist. Das darf aber bei einem so großen Verein wie Werder auch nicht anders sein. Man muss immer um seinen Platz kämpfen. Ich bin mit meiner derzeitigen Situation zufrieden. Bei den Profis bin ich im Training dabei und kann dort viel lernen und in der Regionalliga hole ich mir die Spielpraxis. Für meine Entwicklung ist das optimal. Natürlich ist es nicht mein Ziel, ewig in der Regionalliga zu spielen.
Welchen Stellenwert hat der deutsche Fußball und speziell Werder in Dänemark?
Einen sehr hohen. Jeder dänische Fußballer würde gerne in der Bundesliga spielen. Vor allem bei Werder. Bremen ist ein Spitzenclub und hat durch die Teilnahme an der Champions League ein großes öffentliches Interesse auch in Dänemark erhalten. Das Umfeld in Bremen ist überragend organisiert. Das Internat ist im Stadion, jedes Team hat einen sehr guten Trainer, einen Torwarttrainer, einen Physiotherapeuten und einen Arzt. Das ist nicht selbstverständlich. Ich denke auch, dass die Mentalität der Dänen gut zum deutschen Fußball passt.
Die englische Liga ist in Dänemark ebenfalls sehr beliebt. Woran liegt das?
Der englische Fußball nimmt in Dänemark einen besonderen Stellenwert ein. Ich glaube, das liegt daran, dass sehr viel englischer Fußball im dänischen Fernsehen gezeigt wird.
Dann muss Werders Spiel gegen Chelsea ein Highlight für Dich gewesen sein?
Auf jeden Fall. Es war ein großes Erlebnis, dabei zu sein. Die Champions League ist mit das Größte, was ein Spieler erreichen kann. Schade, dass ich nicht spielen durfte.
Warst Du eigentlich schon immer Torwart?
Nein, in der Jugend habe ich in der Abwehr angefangen. Dass ich im Tor stehe, ist eigentlich, wie bei vielen Torleuten, reiner Zufall. Bei uns im Team war irgendwann einmal der eine Torwart krank und der andere verletzt. Dann bin ich rein gegangen und es hat ganz gut geklappt. Anschließend habe ich immer häufiger im Tor gestanden und seit es ab der C-Jugend ernster mit dem Fußball geworden ist, habe ich es dann auch nicht mehr verlassen.
Bei Werders U 15-Turnier hast Du dem Team Deines Ex-Vereins Aalborg BK einen Besuch abgestattet. Wie intensiv ist der Kontakt noch nach Dänemark?
Bei Aalborg habe ich noch guten Kontakt zum Trainer, Betreuer und zu einigen Spielern. Das ist sehr wichtig für mich. Dort habe ich mich entwickelt und hatte eine sehr schöne Zeit. Ähnlich ist es, wenn wir mit der U 23 nach Haderslev zum Testspiel fahren oder sie hierher kommen. Ich freue mich, die Jungs wiederzusehen. Natürlich umso mehr, wenn wir dann auch noch gewinnen.
Interview: Norman Ibenthal
