In der Regel sind Fußballer nicht zufrieden, wenn sie erst von der Bank kommen und nur 20 Minuten spielen dürfen. Bei Kevin Artmann vom Drittligisten SV Werder Bremen U 23 war das zuletzt ganz anders.
In der Regel sind Fußballer nicht zufrieden, wenn sie erst von der Bank kommen und nur 20 Minuten spielen dürfen. Bei Kevin Artmann vom Drittligisten SV Werder Bremen U 23 war das zuletzt ganz anders.
Denn für den 24-jährigen Mittelfeldspieler endete mit der Einwechslung beim 1:3 im Gastspiel bei Spitzenreiter Kickers Offenbach eine lange Leidenszeit. Mehr als fünf Monate hatte Artmann komplett "auf Eis" gelegen, musste gleich mehrere Comeback-Versuche abbrechen und war sogar schon kurz davor, seine Karriere ganz zu beenden. "Jetzt greife ich wieder voll an", gibt sich Artmann gegenüber DFB.de kämpferisch.
Viele Gründe für die Misere
Ein Kevin Artmann in Topform käme Werder-Trainer Thomas Wolter momentan gerade recht. Denn der Saisonstart der Grün-Weißen war alles andere als optimal: sieben Zähler aus elf Spielen, Tabellenplatz 19, punktgleich mit dem Tabellenletzten FC Bayern München II. "Wir sind mit unserem Abschneiden selbstverständlich überhaupt nicht zufrieden", so Wolter.
"Es gibt allerdings Gründe dafür", sagt der langjährige U 23-Trainer und Ex-Profi. "Wir hatten eine schwierige Vorbereitung, in der mir nur selten alle Spieler zur Verfügung standen. In Nicolas Feldhahn, Addy-Waku Menga und Tobias Kempe haben uns wichtige Leute verlassen. Hinzu kommt noch die aktuelle Verletzungsproblematik."
"Wir wissen, was wir an Kevin haben"
Mit Kevin Artmann könnte ein wichtiger Akteur bald wieder eine tragende Rolle spielen. dazu Wolter: "Wir wissen, was wir an Kevin haben. Wir brauchen ihn. Aber erst einmal soll er wieder richtig fit werden und vor allem gesund bleiben. Er hat schließlich gerade erst 20 Minuten in den Beinen."
Welches Potenzial in ihm steckt, hat Kevin Artmann in den vergangenen Jahren schon unter Beweis gestellt. Zwischen 2005 und 2008 absolvierte der gebürtige Duderstädter aus dem Landkreis Göttingen 90 Einsätze in der Regionalliga Nord für die Werder-Reserve und erzielte dabei beachtliche 24 Tore. Er hatte großen Anteil daran, dass sich Werder für die 3. Liga qualifizieren konnte.
Alles schien für Artmann nach Plan zu laufen. Bereits 2007 hatte er seinen ersten Profivertrag unterschrieben und saß ab und zu auch schon in der Bundesliga auf der Bank. Nach der ersten Halbserie der Drittligasaison 2008/2009, in der Artmann noch 17-mal zum Einsatz kam, passierte es. Nur 48 Stunden nach seinem Mannschaftskollegen Julian Grundt zog sich Artmann im März 2009 einen Kreuzbandriss zu.
Langer Leidensweg nach dem Kreuzbandriss
Was folgte, war eine monatelange Reha. Gleich zweimal musste das lädierte Knie operiert werden. Ein Comeback-Versuch Anfang 2009 scheiterte. "Ein Nerv in der Leiste bereitete Probleme. Eine genaue Diagnose konnte aber zunächst kein Arzt stellen", erinnert sich Artmann.
Das sei die schwierigere Verletzung gewesen: "Wenn du einen Kreuzbandriss hast, weißt du genau, woran du bist. Die Leistenprobleme konnte aber zunächst niemand richtig behandeln. Die Ungewissheit macht es so schwierig. Einmal war ich schon so verzweifelt, dass ich die Fußballschuhe beinahe an den Nagel gehängt hätte."
In dieser harten Zeit konnte sich Kevin Artmann aber auf seine Familie, Freunde und Freundin Sarah (22) verlassen. "Sie haben mir extrem geholfen", sagt der Fußballer im Rückblick.
Hilfe aus der Schweiz
Geholfen hat ihm letztlich auch ein Spezialist aus der Schweiz. "Er erkannte die Ursache, sagt Artmann. "Es hatte sich Narbengewebe gebildet, das operativ entfernt werden musste. Der Arzt meinte, dass er so eine Vernarbung noch nie zuvor gesehen hätte."
Den Blick zurück gibt es für Artmann jetzt aber nicht mehr. "Ich will gesund bleiben und der Mannschaft helfen, dass es wieder bergauf geht", sagt der Mittelfeldspieler. "Wir haben eine extrem junge Mannschaft. Für die Jungs ist es nicht so einfach, sich schnell an die 3. Liga zu gewöhnen. Ich habe den Anspruch, eine Führungsfigur zu sein, und bin fest überzeugt, dass wir die Kurve kriegen."
Auch den Traum vom Bundesligafußball hat das "Stehaufmännchen" noch nicht aufgegeben. Kevin Artmann: "Wenn mir geschenkt wird, dass ich jetzt verletzungsfrei bleibe, heißt das Ziel ganz klar Bundesliga."
Intermezzo beim FC Bayern
Begonnen hatte die Karriere von Kevin Artmann in früher Jugend bei Schwarz-Weiss Oldenburg. Bereits im Alter von acht Jahren ging es dann zu Werder Bremen. Nach einem einjährigen Intermezzo beim FC Bayern München - "meine Familie war umgezogen, ich habe mich dort aber nicht richtig wohl gefühlt - kehrte Artmann allein in den Norden zurück und zählt bei den Grün-Weißen damit aktuell sogar zu den dienstältesten Spielern.
In seiner Freizeit achtet Kevin Artmann sehr darauf, dass es nicht nur um Fußball geht. "Ich finde es wichtig, dass man immer mal wieder Abstand gewinnt", sagt der 24-Jährige, der gerne Tennis spielt oder mit Freundin Sarah, einer Automobilkauffrau, ins Kino geht.
"Spiele gegen Braunschweig sind immer Höhepunkte"
Bis zum nächsten Pflichtspiel in der 3. Liga haben die Bremer noch einige Tage Zeit - wegen der Punktspielpause geht es erst am Freitag, 15. Oktober (ab 19 Uhr), mit dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig weiter.
Bis dahin will Artmann weiter an seiner Fitness arbeiten. "Spiele gegen Braunschweig - und dann auch noch unter Flutlicht - sind immer Höhepunkte", freut sich der Mittelfeldmann - und schiebt schnell hinterher: "Vielleicht stehe ich dann schon wieder in der Startelf."
Quelle: DFB
