Lennart Thy: Morgens Schüler, abends Profi

Als U 19-Spieler bereits bei der U 23 in der 3. Liga dabei: Lennart Thy.
U23
Freitag, 13.08.2010 / 23:15 Uhr

Im Frühsommer des vorigen Jahres lernte Fußball-Deutschland Lennart Thy kennen. Gut, die Experten hatten schon vorher von dem Mittelstürmer von Werder Bremen gehört, aber es waren wohl doch eher wenige gewesen. Bei der U 17-EM im eigenen Land holte sich die DFB-Auswahl den Titel, und Thy wurde mit drei Treffern Torschützenkönig des Turniers. Beim 2:1 im Finale gegen die Niederlande erzielte er den zwischenzeitlichen Ausgleich.

 

"Eine schöne Erinnerung", sagt der 18-Jährige, der in seinen 21 Spielen für die deutsche U 17 zwölf Tore geschossen hat, "manchmal schaue ich mir noch das Video an, das in der Zeit gedreht wurde. Aber das ist vorbei, Vergangenheit." Wie die WM in Nigeria, bei der er ebenfalls dreimal traf. Die Gegenwart heißt Werder Bremen und die Devise: Fuß fassen.

 

Vorbereitung beim Bundesliga-Team

 

Seit dem Sommer gehört der Stürmer fest zur Profi-Abteilung des Klubs von der Weser. Thy ist Teil des erweiterten Bundesliga-Kaders, hat die Vorbereitung "oben" mitgemacht, ehe er dann als Stammspieler bei der zweiten Mannschaft gebraucht wurde. "Es ist ein großer Vorteil, dass Bremen II in der 3. Liga spielt", sagt er. "Das Niveau ist hoch, das ist ein gutes Sprungbrett."

 

Die Zeit mit Pizarro, Frings und Kollegen im Trainingslager hat Eindruck auf ihn gemacht - und ihm gezeigt, dass er noch etwas Geduld braucht: "Man muss sich erst mal an die neue Gangart gewöhnen. Gerade körperlich ist ein Unterschied, die erfahrenen Spieler sind einfach abgebrühter und souveräner." Der Sprung zu den Senioren sei eben nicht gerade klein.

 

Darum tat es gut, dass Philipp Bargfrede nach einem Testspiel zu ihm kam, ihm auf die Schulter klopfte und ihn für seine Leistung lobte. "Insgesamt lief es ganz gut für mich", sagt er. Gut möglich, dass er bald wiederkommt. Seine ersten Sporen will er sich in Liga drei verdienen, seine Spielweise soll ihm dabei helfen: Thy sucht immer den direkten Weg zum Tor, ist auf dieses eine Ziel programmiert. Am Kopfballspiel und an der Antrittsschnelligkeit müsse er noch feilen, "und generell kann man sich ja immer irgendwo verbessern". Das klingt schon nicht mehr nach einem Junior. Gleich in seinem ersten Spiel in der 3. Liga, kurz nach seinem 18. Geburtstag, traf er, in dieser Saison bislang einmal. Zwei Punkte aus vier Spielen - klar, das habe man sich anders vorgestellt, doch Thy ist sich sicher: "Wir haben viel Potenzial."

 

Klares Ziel: Profi werden

 

Als 15-Jähriger kam der Blondschopf aus Norden in Ostfriesland zu Werder. Vorher hatte er schon in der Niedersachsen-Auswahl gespielt. "Am Anfang war es nicht einfach für mich in Bremen", sagt er. Heimweh? "Nein, damit hatte ich noch nie Probleme. Aber sportlich war es schon eine Umstellung." Als er sich an die neue Spielweise gewöhnt hatte, traf er wieder regelmäßig, so wie früher.

 

Und heute immer noch. Bei seinen vier Einsätzen in der U 18 des DFB hat er dreimal getroffen. Seit dem Erfolg bei der U 17-EM seien die Ansprüche gestiegen, die an ihn sowie die eigenen. Das Ziel, Profi zu werden, ist klar formuliert. "Eine Alternative dazu habe ich mir nie überlegt", sagt er. "Ich hätte wahrscheinlich erst mal die Schule beendet und dann weitergesehen. Keine Ahnung, was dann dabei herausgekommen wäre."

 

Sein Abi macht er trotzdem. Morgens geht er in die Penne, Jahrgangsstufe 13, nachmittags ist er Fußball-Profi. "Es ist mir wichtig, mein Abitur zu machen", sagt der 18-Jährige. "Und auch Werder legt Wert darauf." Was man hat, hat man halt, und schließlich weiß man bei einem Teenager nicht sicher, ob er eines Tages ein gefeierter Held wird und vom Fußball leben kann.

 

Fußball statt Party, meistens jedenfalls

 

Daran arbeiten kann man schon. "Seit ich mit 15 Jahren nach Bremen kam, war dieser Weg für mich vorgezeichnet", sagt Thy, seither gibt er alles dafür und lebt danach: Alkohol trinkt er nicht, Zigaretten sind ohnehin tabu. Fußball statt Party, meistens jedenfalls. "Nachmittags bleibt man länger auf dem Fußballplatz, deshalb bleibt auch weniger Zeit für Freunde", sagt er. "Ich gehe ja noch zur Schule, deshalb sehe ich sie da, aber ansonsten muss ich ja auch noch lernen."

 

Beides bekommt Thy (Vorbild: Fernando Torres) unter einen Hut. Im Mai hat er sich eine eigene Wohnung genommen, vorher hatte er im Werder-Internat gewohnt. Probleme in der Schule hat er noch nie gehabt, sein Lieblingsfach ist Spanisch. Könnte man später mal gebrauchen, oder? "Wer träumt nicht davon, mal bei einem großen Klub im Ausland, gerade in Spanien, zu spielen? Aber das ist heute doch noch so weit weg. Für mich zählt nur Werder und dass ich mich dort durchsetze." Damit Fußball-Deutschland ihn noch ein bisschen besser kennenlernt.

 

Quelle: DFB

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