„Wir bilden nicht nur für unser eigenes Bundesliga-Team aus“, weiß Thomas Wolter. Ex-Werder-Nachwuchsspieler sind in ganz Deutschland aktiv. Aaron Hunt, Tim Borowski, Philipp Bargfrede bei Werder, Simon Rolfes in Leverkusen, Nelson Valdez in Dortmund, Dennis Diekmeier in Nürnberg – sie alle spielten bereits für Werders U 23. In der zweiten Liga sind die ehemaligen Werderaner Florian Mohr, Frank Löning, Daniel Brückner und Markus Krösche für den SC Paderborn am Ball, Alexander Walke in Rostock und Max Kruse beim FC St. Pauli. Thiago Rockenbach da Silva wurde bei Rot-Weiß Erfurt in der 3. Liga zum Publikumsliebling. „Und das sind nur die Jungs von uns. Auch Mario Gomez, Sami Khedira, Serdar Tasci, Aleksandr Hleb und Kevin Kuranyi spielten zum Beispiel einst für eine zweite Mannschaft“, erinnert Wolter.
Der hohe Stellenwert der U-23-Mannschaften, die mit Abstand die jüngsten Kader in den Ligen stellen und den jungen Spielern die meiste Spielpraxis ermöglichen, ist somit unbestritten. Gerade aus diesem Grund fordert Werder-Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer eine klare Positionierung der DFL und des DFB im Bezug auf die zweiten Mannschaften: „Es ist das Anliegen des DFB und der Vereine, den Talenten die bestmögliche Förderung zu ermöglichen. Doch diese darf nicht nach der U 19 enden. Die zweiten Mannschaften sind ein sehr wichtiger Baustein, sie gestalten den Übergang vom Jugend- in den Herrenbereich. Diskussionen über eine eigene Nachwuchsliga, die Reduzierung der zweiten Mannschaften in der 3. Liga oder eine weitere Verjüngung der Teams dürfen daher gar nicht aufkommen.“
Uwe Harttgen: "Spiele mit einer zweiten Mannschaft sind sportlich attraktiv."
Dieser Standpunkt wird nicht nur bei Werder Bremen vertreten: „Wir haben in den vergangenen Jahren viel investiert, um mit der zweiten Mannschaft in die höchstmögliche Liga zu kommen. Derzeit ernten wir mit Spielern wie Holger Badstuber oder Thomas Müller die Früchte dieser Arbeit. Jetzt sollen wir wieder einen Schritt zurückgehen? Da machen wir nicht mit“, fand auch Werner Kern, Nachwuchskoordinator beim FC Bayern München, zuletzt im Internet bei spox.com deutliche Worte. Selbst Ruud Kaiser, ehemaliger Coach von Dynamo Dresden, der schon die U 19 des FC Chelsea als Trainer betreute, spricht beim Thema Nachwuchsliga von einem „schlechten Witz“. Kaiser kennt die Nachwuchsrunde aus England: „Das ist nichts, was die jungen Talente weiterbringt.“
„Wenn man die zweiten Mannschaften in der 3. Liga weiter einschränkt oder sogar ganz verbannt, wäre das ein sehr großer Rückschritt in der Nachwuchsförderung“, stellt Werders Nachwuchsmanager Uwe Harttgen klar. „Die Leistungszentren sind nicht ohne Grund ein fester Bestandteil des Lizenzierungsverfahrens der Bundesligavereine durch DFL und DFB. Diese Anforderungen sollten ursprünglich auch für die Vereine der 3. Liga verbindlich gelten. Zuletzt kamen aber erste Überlegungen auf, die Regelungen aufgrund des hohen Kostenfaktors zu lockern. Ich bezweifle stark, dass die Vereine die dadurch gesparten Kosten dann in die Nachwuchsförderung stecken.“