Interview mit Nico Pellatz: "Ich spürte das Adrenalin!"

Konzentriert I Nico Pellatz will sich über die 3. Liga für höhere Aufgaben empfehlen.
U23
Mittwoch, 08.04.2009 / 00:19 Uhr

Für Nico Pellatz ist vor wenigen Wochen ein lang ersehnter Traum in Erfüllung gegangen. Beim 5:2-Erfolg im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg stand der 22-Jährige zum ersten Mal zwischen den Pfosten der Profi-Mannschaft von Werder Bremen. Ein unvergesslicher Moment, der ihm nun auch im restlichen Saisonverlauf Kraft und Selbstvertrauen geben soll.

 

Hallo Nico, wie hast du den Triumph in der Volkswagen-Arena erlebt?

NICO PELLATZ: Das war ein super Gefühl, ein wahnsinniges Spiel und ein unglaublicher Sieg. Ich habe schließlich fast zwanzig Jahre bei Berlin und bei Werder auf mein erstes Spiel für die Profis hingearbeitet. Es hat einfach nur Riesenspaß gemacht. Ich brauchte danach aber auch erst einmal ein paar Tage, um die Erlebnisse zu verarbeiten.

 

Warst du vor dem Spiel aufgeregt?

Natürlich war ein wenig Aufregung dabei, schließlich war es mein erstes Profi-Spiel. Als wir das Spielfeld betraten hatte ich eine Art Tunnelblick, ich spürte das Adrenalin und den Krach der Fans. Es waren so viele Reize da, die ich aufgenommen habe. Als dann aber der Anstoß erfolgte und ich den ersten Ball in den Händen gehalten habe, war alles ganz normal.

 

Du hast ja auch schon einige Erfahrungen im DFB-Pokal gesammelt. Mit Werders U 23 hast du letzte Saison Köln und St. Pauli rausgekegelt und gegen Stuttgart nur ganz knapp die Überraschung verpasst.

Diese Spiele kann man aber mit der Partie in Wolfsburg überhaupt nicht vergleichen. Es war eine völlig andere Situation. Mit der U 23 waren wir immer der klare Außenseiter, man hat von uns nicht verlangt, die nächste Runde zu erreichen. Wir konnten für Überraschungen sorgen. Aber in Wolfsburg waren wir der Favorit, es stand für uns eine Menge auf dem Spiel. Das Weiterkommen im Pokal war für Werders Zukunft enorm wichtig. Daher ist es umso schöner, dass wir es gepackt haben. Die sensationellen Pokalerfolge mit der U 23 werde ich aber auch nie vergessen.

 

Torsten Frings hat dir vor dem Spiel Mut zugesprochen und gesagt, dass du dir vorstellen solltest, mit der U 23 in Aue zu spielen. Vor Kurzem hast du in Aue gespielt. War es dasselbe?

Das Tor und der 16er waren schon mal gleich groß (lacht). Aber jetzt mal im Ernst: Im übertragenen Sinne war es wirklich eine ähnliche Situation. Die Fans im Stadion in Aue haben ebenfalls für richtig viel Radau gesorgt und auch für die U 23 war es ein sehr, sehr wichtiges Spiel. Vielleicht das wichtigste der Saison, da wir durch den Sieg endlich den ersten Auswärtserfolg geschafft haben.

 

Der Kampf um den Klassenerhalt wird sicherlich bis zum Saisonende spannend bleiben. Wie siehst du die Chancen für Werder?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Klasse halten werden. In der Mannschaft steckt so viel Qualität, damit darf man einfach nicht absteigen. Am Anfang der Saison haben wir uns schwer getan, die jungen Spieler mussten erst in ihre Positionen hineinwachsen. Aber seit Beginn der Rückrunde haben wir eigentlich gezeigt, dass wir in dieser Liga bestehen können. Wir überzeugen nicht nur spielerisch, sondern zeigen auch, dass wir, wenn es nötig ist, die Gegner niederkämpfen können.

 

Du wechselst dich in der 3. Liga regelmäßig mit Sebastian Mielitz im Tor ab. Wie ist euer Verhältnis zueinander?

Ich denke, wir beide verstehen uns ganz gut. „Miele“ ist ein guter Keeper. Natürlich wäre es mir lieber, wenn ich jedes Spiel machen könnte, da man besser im Rhythmus bleibt, doch ich habe die Situation akzeptiert.

 

Beim Torwart ist die Konkurrenz oftmals größer als auf anderen Positionen. Kann es dennoch Freundschaften zwischen Torhütern geben?

Na klar, wieso nicht? Ich bin vielleicht nicht von allen Kollegen der beste Freund geworden, aber ich habe bisher nur faire Konkurrenzkämpfe erlebt. Mit meinem ehemaligen Berliner Rivalen Nourreddine Semghoun, der jetzt beim VfB Lübeck spielt, bin ich sogar richtig gut befreundet. Wir haben damals in Berlin in derselben Straße gewohnt, sind oft gemeinsam zum Training gefahren und haben viele Extra-Schichten eingelegt.

 

Wolltest du eigentlich schon immer Torwart werden?

Ja, schon von klein auf. Wir haben fast jeden Tag unsere Freizeit auf dem Fußball-Platz verbracht und Stefan Klos nachgemacht, der damals bei Dortmund im Tor stand. Wir haben dann versucht, die Paraden nachzuspielen, wie er durch die Gegend zu fliegen und uns so abzurollen.

 

Wenn der Ball dann aber rein geht, ist meistens der Torwart schuld.

Damit muss man umgehen können. Entweder ist man der Held oder der Idiot. Vom Kopf her ist das oft nicht einfach. Aber ich habe schon immer gerne Verantwortung übernommen und bin vorangegangen. Wichtig ist, dass man trotz des Drucks den Spaß nie verliert. Das habe ich im letzten Jahr nach meiner langen Verletzung erst wieder gemerkt. Die Situation war schwierig für mich. Nach einer so langen Pause war es nicht einfach, sich wieder heranzukämpfen. Aber gerade nach dem Spiel in Wolfsburg denke ich, dass ich auf einem guten Weg bin. Dieses Erlebnis hat mir noch einmal zusätzliches Selbstvertrauen gegeben, das uns bei der U 23 hoffentlich auch etwas im Kampf um den Klassenerhalt hilft.

 

Interview: Norman Ibenthal

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