Dem Auftritt der Schwaben eilt ein beeindruckendes Arbeitszeugnis voraus. Denn nach holprigem Saisonstart hat der VfB zuletzt die Punkteproduktion auf Touren gebracht: Sieben Zähler und 10:0 Tore sind die Bilanz der vergangenen drei Spiele. Die Torfabrik des Tabellenneunten, das wurde deutlich, hat den Betrieb aufgenommen. "Es ist die Mannschaft der Stunde", sagt Werder-Coach Thomas Wolter, "sie hat sich sehr schnell gefunden." Wolter spielt damit auf die Umstrukturierungen in den Sommermonaten an. Ähnlich wie bei Werder hat es auch im Kader des VfB viel Bewegung gegeben – alleine acht Spieler rückten aus der vereinseigenen Jugend nach. Und ähnlich wie bei Werder benötigt der Nachwuchs vom Neckar die ersten Wochen der neuen Saison, um sich zu finden. Die Leistungsschwankungen der ersten Spieltage belegen das, hüben wie drüben.
Einer, der sich bei den Schwaben hingegen schnell in den Spielbetrieb der 3. Liga integriert hat, ist Patrick Funk. Der U 19-Nationalspieler ist einer von nur zwei Akteuren, die bislang alle Saisonpartien über 90 Minuten bestritten haben. Seine Dienste im Zentrum sind derzeit unverzichtbar. Der andere ist Marijan Kovacevic. Der 35-jährige Kroate, der 118 Einsätze für den HSV, Wolfsburg und Duisburg in der Bundesliga vorzuweisen hat, hält die Abwehr des VfB-Nachwuchses zusammen. Mit seiner Erfahrung war er in den vergangenen beiden Spielzeiten ein Garant für den dritten Platz, den Stuttgart jeweils in der Abschlusstabelle der Regionalliga Süd belegt hat.
Der Architekt des Erfolgs ist Rainer Adrion. Der 54-Jährige trat im Juli 2004 das Traineramt an und kehrte damit an eine alte Wirkungsstätte zurück. Als Co-Trainer unter Joachim Löw hatte er die Bundesliga-Mannschaft des VfB bereits 1997 zum Gewinn des DFB-Pokals geführt. Parallel leitete er die Geschicke des U 23-Nachwuchsteams. Als Löw-Nachfolger Winnie Schäfer nach kurzem Gastspiel in der Saison 1998/1999 als Bundesliga-Trainer entlassen wurde, übernahm Adrion übergangsweise dessen Posten. Mit zwei Siegen, sechs Unentschieden und drei Niederlagen übergab er die Mannschaft an Ralf Rangnick und kümmerte sich wieder hauptverantwortlich um die Zweite. Es folgte ein dreijähriges Intermezzo in Unterhaching und bei den Stuttgarter Kickers, ehe er 2004 wieder zurück zum VfB kam. Seine Handschrift dort ist unverkennbar: Die Mannschaft lebt neben ihrer individuellen Klasse von einer hohen taktischen Disziplin.