Nur noch drei Tage bis zur Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Die Aufregung bei allen Werder-Teilnehmern steigt. Für einen Bremer ein ganz besonderes Turnier, denn Martin Harnik darf das Fußball-Event...
Nur noch drei Tage bis zur Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Die Aufregung bei allen Werder-Teilnehmern steigt. Für einen Bremer ein ganz besonderes Turnier, denn Martin Harnik darf das Fußball-Event...
Nur noch drei Tage bis zur Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Die Aufregung bei allen Werder-Teilnehmern steigt. Für einen Bremer ein ganz besonderes Turnier, denn Martin Harnik darf das Fußball-Event im eigenen Land erleben. Vor dem Auftaktspiel gegen Kroatien sprach WERDER.de mit dem österreichischen Nationalspieler. Hier folgt der zweite Teil des ausführlichen Interviews.
Bei fast jedem großem Turnier gab es bislang eine Überraschungsmannschaft. Wer wird es dieses Mal sein?
Na, ich gehe doch mal stark davon aus, dass wir es sein werden (lacht).
Mit Überraschungen kennst Du dich bestens aus. Du warst schon bei der U 20-WM im letzten Jahr dabei, wo Österreich sensationell den vierten Platz belegt hat. Nimmst Du die dort gesammelten Erfahrungen mit in das Turnier?
Sicher war die Weltmeisterschaft in Kanada ein schönes Erlebnis, aber es ist schwer einen Vergleich zu ziehen. Allein schon die Orte sind total unterschiedlich. In Kanada haben sich circa 10 Prozent der Bevölkerung für die WM interessiert und lediglich eine Handvoll Journalisten waren vor Ort, selbst als wir ins Halbfinale eingezogen sind. Da hat man total seine Ruhe gehabt. Das wird dieses Mal ganz anders sein. Wir werden ja jetzt schon fast von den Medien überrollt.
Wo liegen sportlich die Unterschiede?
Es ist etwas völlig anderes, ob die U 20-Teams oder die Nationalmannschaften aufeinandertreffen. Bei der Jugend ist die Leistungsdichte oft noch enger beieinander. Das ist später leider nicht mehr ganz so eng, da viele wirklich gute Talente in Österreich nicht den Sprung in die ausländischen, stärkeren Ligen schaffen, in denen sie wichtige Erfahrungen sammeln können, gerade für so ein Turnier. Das ist bei vielen anderen Nationen anders.
Welche Schlagzeile würdest Du gerne während der EM lesen?
„Unser Piefke schießt uns ins Viertelfinale!“
Piefke?
So werde ich manchmal genannt, weil ich meinen deutschen Dialekt natürlich nicht verbergen kann. Zwar kann ich immer wieder ein paar österreichische Worte einfließen lassen, aber das Norddeutsche überwiegt dabei doch. Eigentlich ist es eine abwertende Bezeichnung der Österreicher für einen Deutschen, aber hier ist es wohl eher ein liebevoll gemeinter Spitzname.
Hast Du für Dich schon einen Lieblingsspielort ausgemacht?
Natürlich Wien. Nicht nur, weil wir alle drei Gruppenspiele dort austragen werden, sondern auch, weil es das größte Stadion in Österreich ist und wir dort auch die letzten Testspiele bestritten haben. Zudem ist es eine wunderschöne Stadt. Vielleicht könnte man sagen, Wien ist das Berlin von Österreich.
Wo werdet Ihr während der EM wohnen?
Erst einmal haben wir jetzt in Stegersbach in einem sehr schönen Wellness-Hotel Quartier bezogen und werden einen Tag vor dem Spiel gegen Kroatien ins Hilton nach Wien aufbrechen. Da waren wir schon während der Vorbereitungsspiele. Ein sehr gut gelegenes Hotel, nicht weit vom Stadion und auch von den Trainingsplätzen entfernt.
Mit wem teilst Du dir das Zimmer?
Wir haben jeder unser eigenes Zimmer. Das ist schon besser, da man so wirklich abschalten und sich zurückziehen kann.
Wer ist Dein bester Kumpel im Team?
Das ist mein zukünftiger Bremer Teamkollege Sebastian Prödl. Ihn kenne ich schon seit der U 19. Seitdem haben wir fast immer die Zimmer geteilt und uns vom ersten Moment an super verstanden.
Habt Ihr euch vor seinem Wechsel zu Werder über Bremen unterhalten?
Ja, gerade während der U 20-WM haben wir viel über Bremen gesprochen. Er hatte einige sehr interessante Angebote, aber ich freue mich, dass er sich für Werder entschieden hat. Er weiß um die harte Konkurrenz bei Werder. Ich habe ihn schon öfter mit Per Mertesacker verglichen. Trotz seines jungen Alters strahlt er eine enorme Gelassenheit aus, die sehr beeindruckend ist.
Als was für einen Trainertypen würdest Du deinen Coach Josef Hickersberger beschreiben?
Er ist ein sehr souveräner Mensch, der sich nie aus der Ruhe bringen lässt und sehr aufgeschlossen ist. Er hat es im Gefühl, immer die richtigen Worte zu finden, daher arbeite ich sehr gerne mit ihm zusammen und bin von ihm als Trainer absolut überzeugt.
Du bist erst später zum Team dazugestoßen. Kann das zu einem Nachteil werden?
Sicher wäre ich gerne von Beginn der Vorbereitung an dabei gewesen. Aber das ließ sich nun mal nicht ändern. Werder stand vor entscheidenden Spielen und da muss man sich voll und ganz auf seine Arbeit im Verein konzentrieren. Umso schöner ist es dann gewesen, mit einem befreienden Gefühl zur Nationalmannschaft zu fahren ohne noch mit den Werder-Teams mitfiebern zu müssen.
Häufig profitieren Turniermannschaften von sogenannten „Vereinsblöcken“, wie beispielsweise bei Deutschland der Bayern- oder Werder-Block. Gibt es so etwas bei Euch auch?
Nein, unsere Mannschaft ist kreuz und quer durcheinander gewürfelt. Gegen die Niederlande waren die gesamte Abwehr und das Mittelfeld aus verschiedenen Vereinen. Aber gerade diese vielen verschiedenen Spielertypen machen unsere Stärke aus.
Wird die EM auch nachhaltige Auswirkungen auf den österreichischen Fußball haben?
Das hoffe ich doch. Wir haben nicht nur die Chance uns mit guten Leistungen auf europäischer Bühne zu präsentieren, sondern auch die Fans in Österreich restlos von uns zu überzeugen.
Interview: Norman Ibenthal
