Nur noch vier Tage bis zur Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Die Aufregung bei allen Werder-Teilnehmern steigt. Für einen Bremer ein ganz besonderes Turnier, denn Martin Harnik darf das...
Nur noch vier Tage bis zur Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Die Aufregung bei allen Werder-Teilnehmern steigt. Für einen Bremer ein ganz besonderes Turnier, denn Martin Harnik darf das...
Nur noch vier Tage bis zur Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Die Aufregung bei allen Werder-Teilnehmern steigt. Für einen Bremer ein ganz besonderes Turnier, denn Martin Harnik darf das Fußball-Event im eigenen Land erleben. Vor dem Auftaktspiel gegen Kroatien sprach WERDER.de mit dem österreichischen Nationalspieler.
Hallo nach Stegersbach, ist rund um Euer Mannschaftsquartier schon das EM-Fieber ausgebrochen?
Ja, so langsam merkt man im ganzen Land, dass es bald losgeht. Aber so eine Euphorie wie bei der WM in Deutschland ist noch nicht da. Das liegt aber auch am Stellenwert des Fußballs in Österreich. Deutschland geht meistens mit dem Ziel den Titel zu gewinnen ins Turnier, in Österreich hat man im Vorfeld ja sogar davon geredet, das EM-Ticket zu verschenken, weil wir zu schlecht wären. Aber ich bin mir sicher, dass, wenn der erste Anpfiff ertönt, auch der letzte Österreicher vom EM-Hype gepackt wird und hinter uns steht.
Und wie sieht es bei den Spielern aus?
Für die meisten von uns ist es wahrscheinlich das absolute Highlight der Karriere, ein unglaubliches Erlebnis. Die Europameisterschaft im eigenen Land zu spielen, ist schon etwas ganz Besonderes.
Du hattest es schon angesprochen. Im letzten Jahr wurdet Ihr von einigen "Fans" aufgefordert, euer EM-Ticket zurückzugeben. Macht man sich über so etwas noch Gedanken?
Das ist bei uns schon lange kein Thema mehr. Klar hat uns das damals richtig gewurmt, auch weil wir vielleicht nicht die besten Ergebnisse erzielt haben. Aber vor allem die letzten Spiele gegen Deutschland und die Niederlande haben gezeigt, zu welchen Leistungen wir im Stande sind. Zudem erinnere ich mich daran, dass auch Deutschland vor der WM 1:4 gegen Italien verloren hat, die Aufregung in den Medien groß war und dann haben sie aber ein super Turnier gespielt.
In der Vorbereitung habt Ihr gegen Kuba, Nigeria und Malta gespielt. Was kann man aus den Spielen mit in die EM nehmen?
Mit den Testspielen sollten alle Spieler noch einmal Spielpraxis sammeln. Kuba war ein guter Test und auch Nigeria war eine wichtige Partie. Das 1:1 ging in Ordnung, Sie haben ja schließlich einige Spieler in ihren Reihen, die in den Topliegen Europas spielen. Gegen Malta hatten wir uns vorgenommen, einen hohen Sieg einzufahren um auch die letzten Fans auf unsere Seite zu ziehen. Das ist uns mit dem 5:1 gelungen.
Einige Spieler musste Trainer Joseph Hickersberger am vergangenen Mittwoch noch aus dem EM-Kader streichen. Wie sicher warst Du dir, dass Du mit zur EM darfst?
Natürlich war ich vor der Bekanntgabe ein wenig angespannt, da man sich ja nie zu 100 Prozent sicher sein kann. Aber es hätte mich schon überrascht, wenn ich nicht dabei gewesen wäre, da ich vor allem gegen Deutschland und die Niederlande aber auch gegen Kuba gute Spiele abgeliefert habe.
Welche Nominierung hat Dich bei der Zusammenstellung des Kaders am meisten überrascht?
Das war wohl Ivica Vastic. Dass er noch einmal dabei sein wird, hat wohl viele überrascht, auch wenn er eine überragende Saison bei Linz gespielt hat. Er ist in Österreich mit 38 Jahren schon fast eine Legende. Als Jugendlicher habe ich früher schon ein Trikot von ihm getragen. Daher ist es für mich ein Ehre, mit ihm zusammen trainieren und spielen zu dürfen.
Und welche Nichtnominierung hat Dich überrascht?
Ich hatte nicht gedacht, dass Sanel Kuljic nicht dabei ist, da er ein erfahrener Stürmer ist und die sich bietenden Chancen meistens ausnutzt. Zugleich hat mich auch meine Nominierung im Angriff überrascht. Ich hätte gedacht, dass ich für das Mittelfeld aufgeboten werde.
Zuletzt gegen den Hamburger SV II, am Sonntag nun schon EM-Auftaktspiel gegen Kroatien. Fällt die Umstellung schwer?
Ich denke, es wäre schwerer, sich in die andere Richtung umzustellen. Also von der EM mit ausverkauften Stadien zum Regionalliga-Alltag. So hat man doch noch eher einen besonderen Ansporn, so dass die Umstellung nicht schwer fällt.
In der Vorrunde trefft Ihr auf Kroatien, Polen und Deutschland. Auf welches Spiel freust Du dich am meisten.
Das Spiel gegen Deutschland ist sicherlich etwas Besonderes für mich. Es ist mein Geburtsland, die meisten meiner Freunde kommen aus Deutschland, ich lebe dort und spiele bei Werder. Da freut man sich natürlich richtig auf so ein Spiel. Aber ich gehe das ganz entspannt an. Schließlich ist es das letzte Gruppenspiel und da Deutschland und wir schon in den beiden Spielen zuvor alles klar gemacht haben, sind zu dem Zeitpunkt beide schon weiter (lacht).
Hast Du mit Deinen Bremer Teamkollegen, die ebenfalls bei den EM dabei sind, im Vorfeld über das Turnier gesprochen?
Sicher ist da schon der eine oder andere Spruch gefallen wie „Österreich hat eh keine Chance“ oder „Ihr seid doch nur Kanonenfutter“. Da muss man einfach gut kontern. Ivan hab ich beispielsweise gesagt, dass ich mir über das Spiel gegen Kroatien keine Gedanken mache, wenn er so knipst wie bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren. Aber das ist natürlich nicht ernst gemeint. Ich denke, dass wir alle einfach nur so viel Spaß wie möglich bei der Europameisterschaft erleben möchten.
Wie viele Kartenwünsche musstest Du erfüllen?
Das sind schon einige. Ich habe eine sehr große Familie und hätte für jedes Spiel locker zwanzig Karten verteilen können. Leider schreibt die UEFA vor, dass jeder Spieler nur zehn Karten erhält, so dass ich einige Verwandte leider vertrösten musste.
Interview: Norman Ibenthal
Der zweite Teil des großen Interviews mit Martin Harnik erscheint am Mittwoch auf Werder.de
