Die Entwicklung der Spieler ist das Wichtigste!

Eingespieltes Team: Thomas Wolter und Frank Bender sitzen seit über fünf Jahren gemeinsam auf der Trainerbank bei Werder.
U23
Samstag, 17.11.2007 / 19:31 Uhr

Die erste Halbserie in der Regionalliga Nord neigt sich dem Ende entgegen. Eine gute Gelegenheit, um mit Werders Nachwuchs-Cheftrainer Thomas Wolter auf die vergangenen Monate zurückzublicken und einen Ausblick auf das Jahr 2008 zu wagen...

 

Herr Wolter, Ihre Mannschaft hat das letzte Heimspiel der Hinserie absolviert. Welches Fazit ziehen Sie nach der ersten Saison-Halbzeit?

THOMAS WOLTER: Mit der Partie in Verl steht zwar noch eine Begegnung aus, aber wir können sicherlich mit dem bisherigen Verlauf zufrieden sein. Letztes Jahr hatten wir nach der Hinrunde 28 Punkte und waren Tabellen-Achter. Jetzt stehen wir ähnlich da. Das macht Hoffnung darauf, dass wir auch am Saisonende zumindest den zehnten Platz erreichen. Außerdem sind wir noch im DFB-Pokal dabei und konnten einige Spieler an die Profis heranführen. Also haben wir recht erfolgreich gearbeitet.

 

Was hat Sie am meisten gefreut, was geärgert?

Ich freue mich am meisten über die Entwicklung einiger Spieler und ärgere mich über die fehlende Entwicklung einiger anderer. Darauf liegt unser Hauptaugenmerk. Die Siege in der Regionalliga und die Erfolge im Pokal sind richtig klasse. Im Vordergrund steht aber die Entwicklung der Jungs – das ist bei einer Nachwuchsmannschaft von allergrößter Bedeutung. Und bei Erfolgen entwickeln sie sich natürlich positiver.

 

Das Ergebnis dieser Arbeit kann sich sehen lassen. Im Jahr 2007 haben vier Spieler den Sprung in den Profi-Kader geschafft.

Es ist ein schönes Gefühl, wenn einer der Jungs in der Bundesliga oder der Champions League aufläuft, auch wenn er uns in der Regionalliga dann natürlich fehlt. Aber schließlich ist das unser Ziel und zugleich Ausdruck unserer erfolgreichen Arbeit.

 

Wenn sie dann in das Regionalliga-Team zurückkehren, fällt jedoch auf, dass einige Spieler, die bei den Profis mit dabei sind oder waren, nicht sofort an ihre zuvor gezeigten Leistungen anknüpfen können. Wie erklären Sie sich das?

Das ist ganz normal und menschlich. Nehmen wir Kevin Schindler: Ich habe vor einem Jahr überlegt, ob ich ihn mit ins Trainingslager der U 23 nehme. Dann ist er aber sogar schon mit den Profis ins Trainingslager geflogen, fest dabei geblieben und hat gegen Celta Vigo seinen ersten Pflichtspieleinsatz gehabt. Anschließend wurde er von allen gefeiert und hat seinen ersten Profivertrag unterschrieben. Es ging steil bergauf. Und auf einmal kommt dann eine Phase, in der man auf einem Level bleibt oder in ein kleines Loch fällt. Das gilt auch für Martin Harnik: Erst das Länderspiel mit Österreich, dabei sogar ein Treffer. Drei Tage später das Bundesliga-Spiel in Nürnberg, wieder ein Tor. Es ging nur nach oben. Unsere Aufgabe ist es dann, die Spieler wieder aufzufangen, wenn es mal nicht so gut läuft und so mit ihnen zu arbeiten, dass sie sich aus dieser Situation wieder befreien. Beide sind mittlerweile wieder auf einem sehr guten Weg und werden es bis nach ganz oben schaffen.

 

Formschwankungen ziehen sich durch das gesamte Team.

Wenn man den Vergleich zieht zwischen dem 4:1-Sieg in Dortmund und der Niederlage ein Woche später in Wolfsburg, ist es einfach unglaublich, wie schwankend unsere Leistungen waren. Zu erklären ist das sicher mit der häufigen Umstellung der Mannschaft, besonders auf Schlüsselpositionen. Deshalb sind wir auch nicht nervös geworden, als wir zu Hause gegen Essen 0:4 verloren haben. Die Serie, die wir danach gestartet haben, kann sich sehen lassen. Als ich als Trainer begann, hat mich das noch nervös gemacht. Das tut es zwar auch heute noch, aber ich kann mittlerweile gut damit umgehen, weiß, wie man darauf reagieren muss und wie wir arbeiten müssen.

 

Wie muss man denn arbeiten?

Unser Ziel ist es, diese Schwankungen abzustellen. Ich will mich nicht damit zufrieden geben, dass man die Gründe dafür daran festmacht, dass wir eine junge Mannschaft haben oder dass wir viele Umstellungen verkraften mussten. Wir wollen so arbeiten, dass es egal ist, wann wir spielen, wo wir spielen, mit wem wir spielen und trotzdem jeder seine Leistung abrufen kann. Es ist wichtig, dass man die Mannschaft immer wieder daran erinnert. Die Qualität dafür haben wir. Es gibt keine Entschuldigungen für solch schwache Leistungen.

 

Welche Rolle spielen bei Ihren Überlegungen Profis wie Ivan Klasnic, wenn sie bei der U 23 Spielpraxis sammeln sollen?

Es ist immer eine Bereicherung, wenn Spieler wie Ivan Klasnic mitspielen, weil sie eine hohe Qualität und viel Erfahrung einbringen. Da können sich die jungen Spieler viel abschauen. Der eine oder andere muss zwar auch ‚in den sauren Apfel beißen’ und auf der Bank sitzen. Aber ich spreche vor jeder Saison an, dass wir kein normales Regionalligateam sind, sondern eine zweite Mannschaft und dass jeder, der bei uns einen Vertrag unterschreibt, mit solchen Situationen leben muss.

 

Die schönsten Geschichten schrieb Ihr Team im DFB-Pokal. Es steht im Achtelfinale, ist so erfolgreich wie nie zuvor!

Wenn man als Drittligist etwas Los-Glück im Pokal hat, kann man viel erreichen. Wir haben bei der Auslosung zwei Zweitligisten erwischt. Und an den beiden Spielen hat man gesehen, worauf es bei unserer Arbeit ankommt. Eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten darf in ihrer Leistungsstärke nicht so weit weg sein von einem Zweitligisten. Es soll nicht überheblich klingen, aber von der Qualität her sollte es für uns möglich sein, einen Zweitligisten an einem guten Tag zu schlagen. Auf die gesamte Saison gesehen würde uns sicherlich die Konstanz fehlen.

 

Ist gegen den deutschen Meister VfB Stuttgart noch eine Fortsetzung möglich?

Dieses Spiel liegt noch so weit weg. Bis dahin stehen noch schwere Punktspiele auf dem Programm, auf die wir uns voll und ganz konzentrieren müssen. Diese Partien sind viel wichtiger. Wenn wir sie erfolgreich bestreiten, können wir uns die ganze Winterpause lang auf Stuttgart freuen. Für beide Teams wird es das erste Pflichtspiel im neuen Jahr sein. Da kann viel passieren.

 

Was wäre Ihnen lieber? DFB-Pokal-Sieg oder Qualifikation für die 3. Liga?

Natürlich die Qualifikation. Wir wollen unbedingt in diese Liga, weil es für unsere Arbeit enorm wichtig ist. Wir können zwar auch in der vierten Liga ausbilden, aber wir wollen mit der Mannschaft so nah wie möglich an den Profis dran bleiben.

 

In vielen Stadien hängen trotz umfangreicher Auflagen für zweite Mannschaften immer noch Plakate, auf denen eine eigene Liga für Nachwuchsteams oder der Ausschluss aus der 3. Liga gefordert wird. Wie stehen Sie dazu?

Ich kann es nicht mehr sehen und hören. Das Problem ist, dass diese Leute kein Hintergrundwissen haben. Viele vergessen oder wissen einfach nicht, dass ein großer Teil der Spieler, die in der Regionalliga oder sogar in der zweiten Liga spielen, in einem Nachwuchsteam eines Bundesligisten ausgebildet wurden. Auch die Zuschauerzahlen werden nicht steigen, wenn wir nicht in der 3. Liga spielen. Wie viele Unterhachinger würden denn nächstes Jahr mit nach Emden fahren? Sicher nicht mehr als bei uns. Außerdem werden sich einige Vereine im nächsten Jahr wundern. Viele haben enorme finanzielle Anstrengungen unternommen, um die Qualifikation zu schaffen. Es wird nicht leicht aufgrund von erhöhten Personal- und Reisekosten, diesen Status in der 3. Liga zu halten. Und wer trotzdem die Qualifikation verpasst, wird Schwierigkeiten bekommen, jemals den Sprung nach oben zu schaffen.

 

Interview: Norman Ibenthal

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