Nimmst du es eigentlich dem chilenischen Torwart übel, dass er deine beiden Chancen im Spiel um Platz 3 noch sensationell vereitelt hat?
Das war doch Wahnsinn! Hätte ich nicht zur Doping-Kontrolle gemusst, hätte ich das Trikot mit ihm getauscht. Ich habe im Abschluss eigentlich alles richtig gemacht und dann hält er die Bälle doch noch. Bereits im Gruppenspiel gegen uns war er bärenstark, für mich der beste Torwart des Turniers.
Was war für dich das größte Erlebnis während der WM?
Das Viertelfinalspiel gegen die USA. Nicht nur, weil wir gewonnen haben, sondern vor allem wegen der Stimmung im Stadion. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir der Underdog, der von rund 100 Fans angefeuert wurde. Aber gegen die USA haben uns aufgrund der sportlichen Rivalität zwischen Kanada und den USA 17.000 Kanadier angefeuert. Die haben uns richtig gepuscht, das war unbeschreiblich.
Habt ihr währenddessen von der Riesen-Begeisterung in Österreich etwas mitbekommen?
Dadurch, dass wir oft nach Hause telefoniert haben, wussten wir, dass in den Medien viel über uns berichtet wurde. Aber man konnte sich das nicht so richtig vorstellen. Uns war nicht klar, dass wir solche Begeisterungsstürme entfachen. Erst als uns der ÖFB-Präsident Friedrich Stickler berichtet hat, was los war, bekamen wir langsam eine Ahnung davon. Unsere Spiele haben bis zu 700.000 Zuschauer im Fernsehen verfolgt. Das klingt erst einmal nicht viel. Aber für Österreich ist das sehr viel und man darf nicht die späten Anstoßzeiten vergessen. Daher wäre ich auch gerne bei der Ankunft in Wien dabei gewesen. Im Internet habe ich gesehen, dass uns einige hundert Fans gefeiert haben.
Wer war euer schwerster Gegner während der WM?
(lacht). Der Rasen im Stadion in Edmonton. Das war eigentlich ein Football-Platz. Von weitem sah er richtig gut aus, doch näher betrachtet war er sehr wellig und knüppelhart. Der wurde vorher nicht gewässert. Unsere schwerste Aufgabe war es beim Laufen darauf zu achten, dass uns der Ball nicht verspringt.
Die Spiele in Toronto fanden dagegen auf Kunstrasen statt. Ein ungewohntes Gefühl?
Das war ein sehr guter Kunstrasen, zumal es bei zwei von drei Spielen vorher geregnet hatte und der Platz dadurch nicht so stumpf war. Er ist mit den Kunstrasenplätzen bei Werder zu vergleichen, die wir im Training nutzen. Daher kam ich damit ganz gut klar.
Welche Erfahrungen nimmst du von der Weltmeisterschaft mit?
Sportlich war das eine sehr schöne Erfahrung. Aber auch persönlich war das sehr interessant. Nach der Unterschrift unter meinen Profi-Vertrag bei Werder war das öffentliche Interesse größer geworden und auch der Druck stieg an, auch seitens des Trainers. Damit musste ich erst einmal umgehen, das war ungewohnt.