Selke: "Ich setze mich nicht unter Druck!"

Davie Selke hat seine Torjägerqualitäten in den vergangenen Monaten schon oft unter Beweis gestellt.
U23
Freitag, 01.11.2013 / 15:29 Uhr

Gegen Hannover 96 II musstet ihr eine deutliche 2:9-Niederlage hinnehmen. So hoch hat Werders U23 noch nie in der Regionalliga verloren. Was war da los?
Das kann man gar nicht in Worte fassen. Wir als Mannschaft können uns nur beim Trainerteam und beim Verein für diese Leistung entschuldigen. Wir werden jetzt in der Trainingswoche alles dafür geben, um dafür Wiedergutmachung zu betreiben.

Mit der deutschen U19-Nationalmannschaft möchte sich Davie Selke für die Europameisterschaft qualifizieren und an der Weser über Werders U 23 den Sprung in die Bundesliga schaffen.

Erst vor wenigen Wochen unterlag die U 23 mit 1:6 beim VfL Wolfsburg. Du konntest nicht dabei sein. Wie hast du diese Niederlage aus der Ferne verarbeitet?
Es war wirklich schade, dass ich nicht dabei sein konnte. Ich hätte der Mannschaft gerne geholfen. Aber wir hatten mit der deutschen U 19-Nationalmnnschaft wichtige Spiele in Russland. Als ich von dem Ergebnis erfahren habe, war ich schon enttäuscht. Nach dem Spiel gegen Wilhelmshaven dachte ich auch, dass wir das Spiel verdaut haben. Nun gab es in Hannover noch einmal einen Rückschlag.

Bei der EM-Qualifikation hast du gegen Lettland vier Tore erzielt. Ist dir so etwas schon einmal gelungen?
Höchstens mal in einem Testspiel. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mal drei Tore gegen Nürnberg gemacht habe. Aber vier sind schon etwas Besonderes, und dann ja auch noch auf internationaler Ebene. Das hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt und war eine tolle Sache für mich.

Was ist das Geheimnis für deine Treffsicherheit?
Ich kann es nicht genau sagen, warum es oft so gut klappt. Ich verlasse mich einfach auf meinen Instinkt. Meistens stehe ich dann richtig und kann die Tore erzielen. Ich mache mir keine großen Gedanken. Wenn ich eine Chance habe, ist der Ball oft auch drin.

Als was für einen Stürmertyp würdest du dich bezeichnen?
Ich bin ein Spieler, der auch immer versucht gegen den Ball zu arbeiten und dadurch auch zu Torchancen zu gelangen. Mario Mandzukic setzt das sehr gut um. Mein Vorbild war aber eigentlich immer Mario Gomez. Vor allem in seiner Zeit bei Bayern hat er mich beeindruckt, wie er mit seiner Rolle umgegangen ist. Ein toller Spieler.

Jetzt geht es in die Eliterunde, anschließend viel- leicht zur EM nach Ungarn. Wie schätzt du eure Chancen ein?
Unsere Chancen stehen nicht schlecht. Mit etwas Glück können wir die Eliterunde sogar in Deutschland spielen. Aber auch so traue ich uns zu, bei der EM dabei zu sein und dort eine gute Rolle zu spielen. Die Qualität im Team ist groß. Viele der Jungs spielen schon in der Bundesliga, Serge Gnarby sogar mit Arsenal in der Champions League. Umso mehr freut es mich, dass ich in der Nationalmannschaft zu meinen Einsätzen komme, obwohl ich noch nicht in der Bundesliga spiele.

Du bist aber auf einem guten Weg, deine ersten Trainingseinheiten beim Team von Robin Dutt hast du bereits absolviert.
Es hat mich natürlich riesig gefreut, dass ich dabei sein durfte. Das ist schon etwas Besonderes. Aber ich setze mich jetzt nicht unter Druck und sage mir, bis dann und dann will ich in der Bundesliga spielen. Ich hatte viele gute Gespräche mit den Verantwortlichen von Werder, habe absolutes Vertrauen in den Verein und bleibe geduldig. Ich möchte mich in Ruhe auf das Fußballspielen konzentrieren. Alles andere folgt dann schon von alleine.

Als A-Jugendlicher läufst du bereits für Werders U23 auf. Wie schaust du auf deine ersten Einsätze im Herrenfußball zurück?
Ich denke, dass es für meine sportliche Entwicklung der richtige Schritt war. Ich bin froh, dass Werder mir jetzt schon - also ein Jahr eher - die Möglichkeit gibt, mich auf den Herrenbereich vorzubereiten. Das ist eine Herausforderung, dabei versuche ich mein Bestes zu geben.

Welches sind die größten Unterschiede im Vergleich zum Jugendfußball?
Der Fußball im Juniorenbereich ist viel einfacher. Da hat man sich einfacher durchgesetzt und ist zu viel mehr Torchancen gekommen. Bei den Herren ist alles viel schneller und körperbetonter, die Gegner sind teilweise viel älter und erfahrener. Da trifft man schon auf größere Widerstände. Das ist gut für die Entwicklung.

Du bist Anfang des Jahres von der TSG Hoffenheim zu Werder gewechselt. Für dich auch nach elf Monaten noch die richtige Entscheidung? 
Absolut. Am Anfang war es schon schwer, mein gewohntes Umfeld zu verlassen. Ich bin jemand, der eine gewisse ‚Nestwärme‘ braucht, um sich wohlzufühlen. Aber dadurch, dass mich Werder sehr gut aufgenommen hat, war der Schmerz vom Anfang schnell verflogen. Gerade Werders Schul- und Sozialbegleiter Ingo Goetze hat mich in dieser Zeit sehr unterstützt. Dafür möchte ihm an dieser Stelle auch noch einmal Dankeschön sagen. Sportlich hat dazu die Perspektive gestimmt. Hier habe ich die Möglichkeit, mich über die U 19 und U 23 zu beweisen und zu entwickeln. Und seit Jahren ist Werder dafür bekannt, dass die Durchlässigkeit nach oben in die Bundesliga gegeben ist.

Du hast die ‚Nestwärme‘ angesprochen. Dein Vater hat dich nach Bremen begleitet. Wie kam das und wie wichtig ist es für dich, dass er hier bei dir ist?
Das war ein willkommener Zufall. Zu dem Zeit- punkt, als sich mein Wechsel nach Bremen an- gedeutet hat, wurde in seinem Unternehmen eine Stelle für den Bereich Bremen und Flensburg frei. Da hat er mir angeboten, mich zu begleiten. Das hat mich natürlich gefreut und ist mir sehr wichtig. Es ist einfach schön zu wissen, dass, wenn man nach Hause kommt, dort eine vertraute Person ist, mit der man über alles sprechen kann. Er ist zwar mein größter Kritiker, zugleich aber auch mein größter Förderer.

Dein Vater stammt aus Äthiopien. Gibt es dorthin noch Kontakt?
Als kleines Kind ist mein Vater mit meinen Großeltern aus Äthiopien nach Deutschland gekommen und hier aufgewachsen. Der Kontakt besteht zwar in die Heimat, doch ich war noch nie dort. Mein Opa und meine Oma haben dort aber nun ein Haus gebaut und wir werden im nächsten Sommer wohl hinfliegen. Ich bin ja zur Hälfte Äthiopier, daher möchte ich dieses Land natürlich auch kennenlernen.

Erst einmal steht aber noch eine intensive Saison mit Werders U 23 an. Was ist für euch in dieser Spielzeit noch drin?
Trotz der Niederlage gegen Wolfsburg, haben wir bislang eine recht ordentliche Saison gespielt. Unser Anspruch muss es sein, oben an den Spitzenplätzen dran zu bleiben. Es stehen noch zahlreiche Spiele aus, um einige Plätze gut zu machen.

Und wie steht es mit deinen persönlichen Zielen?
Ich konzentriere mich momentan nur auf die U 23. Über die Regionalliga möchte ich weitere Erfahrungen im Herrenbereich sammeln und dazu beitragen, dass die Mannschaft erfolgreich ist. Und natürlich wäre es schön, wenn ich durch meine Leistungen dann vielleicht das eine oder andere Mal beim Training der Bundesligamannschaft dabei sein könnte.

Interview: Norman Ibenthal

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