Als A-Jugendlicher läufst du bereits für Werders U23 auf. Wie schaust du auf deine ersten Einsätze im Herrenfußball zurück?
Ich denke, dass es für meine sportliche Entwicklung der richtige Schritt war. Ich bin froh, dass Werder mir jetzt schon - also ein Jahr eher - die Möglichkeit gibt, mich auf den Herrenbereich vorzubereiten. Das ist eine Herausforderung, dabei versuche ich mein Bestes zu geben.
Welches sind die größten Unterschiede im Vergleich zum Jugendfußball?
Der Fußball im Juniorenbereich ist viel einfacher. Da hat man sich einfacher durchgesetzt und ist zu viel mehr Torchancen gekommen. Bei den Herren ist alles viel schneller und körperbetonter, die Gegner sind teilweise viel älter und erfahrener. Da trifft man schon auf größere Widerstände. Das ist gut für die Entwicklung.
Du bist Anfang des Jahres von der TSG Hoffenheim zu Werder gewechselt. Für dich auch nach elf Monaten noch die richtige Entscheidung?
Absolut. Am Anfang war es schon schwer, mein gewohntes Umfeld zu verlassen. Ich bin jemand, der eine gewisse ‚Nestwärme‘ braucht, um sich wohlzufühlen. Aber dadurch, dass mich Werder sehr gut aufgenommen hat, war der Schmerz vom Anfang schnell verflogen. Gerade Werders Schul- und Sozialbegleiter Ingo Goetze hat mich in dieser Zeit sehr unterstützt. Dafür möchte ihm an dieser Stelle auch noch einmal Dankeschön sagen. Sportlich hat dazu die Perspektive gestimmt. Hier habe ich die Möglichkeit, mich über die U 19 und U 23 zu beweisen und zu entwickeln. Und seit Jahren ist Werder dafür bekannt, dass die Durchlässigkeit nach oben in die Bundesliga gegeben ist.
Du hast die ‚Nestwärme‘ angesprochen. Dein Vater hat dich nach Bremen begleitet. Wie kam das und wie wichtig ist es für dich, dass er hier bei dir ist?
Das war ein willkommener Zufall. Zu dem Zeit- punkt, als sich mein Wechsel nach Bremen an- gedeutet hat, wurde in seinem Unternehmen eine Stelle für den Bereich Bremen und Flensburg frei. Da hat er mir angeboten, mich zu begleiten. Das hat mich natürlich gefreut und ist mir sehr wichtig. Es ist einfach schön zu wissen, dass, wenn man nach Hause kommt, dort eine vertraute Person ist, mit der man über alles sprechen kann. Er ist zwar mein größter Kritiker, zugleich aber auch mein größter Förderer.
Dein Vater stammt aus Äthiopien. Gibt es dorthin noch Kontakt?
Als kleines Kind ist mein Vater mit meinen Großeltern aus Äthiopien nach Deutschland gekommen und hier aufgewachsen. Der Kontakt besteht zwar in die Heimat, doch ich war noch nie dort. Mein Opa und meine Oma haben dort aber nun ein Haus gebaut und wir werden im nächsten Sommer wohl hinfliegen. Ich bin ja zur Hälfte Äthiopier, daher möchte ich dieses Land natürlich auch kennenlernen.
Erst einmal steht aber noch eine intensive Saison mit Werders U 23 an. Was ist für euch in dieser Spielzeit noch drin?
Trotz der Niederlage gegen Wolfsburg, haben wir bislang eine recht ordentliche Saison gespielt. Unser Anspruch muss es sein, oben an den Spitzenplätzen dran zu bleiben. Es stehen noch zahlreiche Spiele aus, um einige Plätze gut zu machen.
Und wie steht es mit deinen persönlichen Zielen?
Ich konzentriere mich momentan nur auf die U 23. Über die Regionalliga möchte ich weitere Erfahrungen im Herrenbereich sammeln und dazu beitragen, dass die Mannschaft erfolgreich ist. Und natürlich wäre es schön, wenn ich durch meine Leistungen dann vielleicht das eine oder andere Mal beim Training der Bundesligamannschaft dabei sein könnte.
Interview: Norman Ibenthal