Neues aus dem Regelwerk

Die Regeländerungen der Saison 2019/2020
Sowohl Niklas Moisander, als auch Schiedsrichter müssen sich auf neue Regeln einstellen (Foto: hansepixx).
Profis
Samstag, 10.08.2019 / 10:37 Uhr

Notiert von Marcel Kuhnt

Neue Saison, neue Regeln. Wenn am Samstagabend der SV Werder Bremen in die Pflichtspielsaison einsteigt, werden sich Niklas Moisander, Davy Klaassen und Co. auf ein neues Regelwerk einstellen müssen. Ob neue Richtlinien bei der Auswechslung, eine abgeänderte Abstoßregel oder eine überarbeitete Definition des Handspiels – in der Sommerpause wurde das Regelwerk des Fußballs vom International Football Association Board (Ifab) überprüft und an die sportlichen Entwicklungen angepasst. WERDER.DE hat mit Bundesliga-Schiedsrichter Sven Jablonski über die neuen Richtlinien gesprochen:

Münzwurf, Elfmeter und Schiedsrichterball

  • Der Kapitän, der den Münzwurf vor Spielbeginn gewinnt, darf entscheiden, ob sein Team anstößt oder sich eine Seite auswählen.
  • Ein gefoulter Spieler darf ab sofort behandelt werden, wenn es nötig ist, und im Anschluss den Elfmeter selbst ausführen. Zudem müssen Torhüter bei der Ausführung mindestens mit einem Teil des Fußes auf oder über die Torlinie sein, bevor der Schütze schießt.
  • Beim Schiedsrichterball darf nur noch ein Spieler der Mannschaft stehen, die zuletzt den Ball hatte. Zudem wird der Schiedsrichterball dort ausgeführt, wo das Team bei der Unterbrechung war und die Gegenspieler müssen vier Meter Abstand halten. Bei einer Spielunterbrechung im Strafraum führt der jeweilige Torwart den Schiedsrichterball aus.

Sven Jablonski: „Durch die Änderung soll der Vorteil der angreifenden Mannschaft gesichert werden. Das vorherige Verfahren führte bei Schiedsrichterbällen oft zu 'künstlichen' Spielfortsetzungen, die unlauter ausgenutzt wurden (z.B. indem ein Einwurf tief in der gegnerischen Hälfte verursacht wird), oder zu Konfrontationen. Der Schiedsrichterball erfolgt mit einem Spieler des Teams, das den Ball zuletzt berührt hat bzw. in Ballbesitz war. Damit soll der Vorteil, der vor der Unterbrechung bestand, wiederhergestellt werden.“

Auswechslungen

Ein Auswechselspieler muss nicht mehr an der Mittellinie den Platz verlassen (Foto: nordphoto).

Mit Beginn der Saison 2019/2020 müssen Spieler nicht mehr an der Mittellinie bei einer Auswechslung den Platz verlassen. Im Gegenteil: Ab sofort muss ein Spieler, der ausgewechselt wird, das Spielfeld über die nächstliegende Außenlinie der Platz verlassen. Der Einwechselspieler betritt weiterhin an der Mittellinie das Feld.

Sven Jablonski: „Die Regel wurde abgeändert, um das Spiel zu beschleunigen. Früher wurden Auswechslungen teilweise als taktisches Mittel eingesetzt. Es wurde versucht Zeit zu schinden, in dem man langsam das Spielfeld verlassen hat. Das ist so nicht mehr möglich. Wenn der ausgewechselte Spieler nicht an der nächsten Außenlinie den Platz verlässt, erhält der Spieler laut dem Regelwerk eine gelbe Karte. Einzige Ausnahme ist, wenn der Schiedsrichter entscheidet, dass der Spieler an der Mittellinie raus soll. Zum Beispiel aus Sicherheitsgründen oder wegen einer Verletzung.“

Verwarnungen gegen Trainer und Offizielle

Nicht nur Spieler können in der neuen Saison die Gelbe oder Rote Karte sehen. Auch die Trainer und Betreuer können vom Schiedsrichter des Platzes verwiesen werden. So wie beim 3.Liga-Spiel zwischen Magdeburg und Braunschweig, als Magdeburgs Co-Trainer Silvio Bankert kurz vor Schluss die Rote Karte sah, nachdem er einen gegnerischen Spieler mit dem Ball angeschossen haben soll. Kann nicht genau zugeordnet werden, wer ein unsportliches Vergehen ausgeübt hat, wird der Cheftrainer bestraft.

Sven Jablonski: „Alle Teamoffiziellen, die auf dem Spielberichtsbogen stehen, können die Gelbe oder Rote Karte sehen. Auch eine Gelb-Rote Karte ist möglich. Es ist nach wie vor aber auch möglich, den Trainer persönlich anzusprechen, ohne gleich eine Karte zu zeigen. Wir alle, ob Trainer, Spieler, Zuschauer, Schiedsrichter, lieben den Fußball und die dazugehörigen Emotionen. Gelbe oder rote Karten werden ja nur gezeigt, wenn man sich nicht an Regeln hält, indem man zum Beispiel beleidigende Äußerungen macht oder Gegenstände aufs Spielfeld wirft. In diesem Zusammenhang  haben wir alle eine Vorbildfunktion und Verantwortung für den Amateurfussball und vor allem für die Kinder und Jugendlichen an der Basis.“

Schiedsrichter ist keine Luft mehr & Abstoß

  • Berührt der Ball den Schiedsrichter und daraus resultiert ein Tor, der Ballbesitz wechselt oder ein gegnerischer Angriff entsteht, gibt es Schiedsrichterball.
  • Bei Abstößen ist der Ball in dem Moment im Spiel, sobald er berührt wird und eindeutig rollt. Außerdem können Mitspieler des Torwarts im Strafraum angespielt werden. Gegnerische Angreifer müssen bis zur Ausführung des Abstoßes außerhalb des Strafraums sein.

Sven Jablonski: „Ich glaube, dass diese Regeländerung den Fußball ein wenig verändern wird. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich die Teams darauf einstellen und welche Ideen die Trainer entwickeln.“

Handspiel & Freistoß

Beim Freistoß dürfen Stürmer nicht mehr in der Mauer stehen (Foto: nordphoto).

Das Handspiel. Kaum eine Regel wird so oft unter Fußball-Fans diskutiert. In der neuen Spielzeit ist es so, dass Tore, die mit der Hand erzielt werden, grundsätzlich nicht gelten. Egal, ob absichtlich oder nicht. Gleiches gilt, wenn der Ballbesitz wechselt, nachdem der Ball die Hand bzw. den Arm berührt. Ein Handspiel liegt auch dann vor, wenn die Körperfläche unnatürlich vergrößert wird oder die Hand über Schulterhöhe ist. Dies gilt auch, wenn der Spieler von einem anderen Spieler aus nächster Nähe angeschossen wird.

Sven Jablonski: „Für das Handspiel ist mehr Klarheit erforderlich, besonders in den Fällen, in denen „nicht absichtliches“ Handspiel ein Vergehen ist. Wenn ein Spieler den Arm beim Fallen zwischen Körper und Boden hält, um sich abzustützen, dann ist der Abstützarm als nicht strafbar zu bewerten. Eine weitere Ergänzung im Regeltext ist zum Beispiel, dass kein Tor zählt, sobald der Ball bei der angreifenden Mannschaft unmittelbar vor der Torerzielung an der Hand war. Dabei spielt es keine Rolle, ob es absichtlich war oder nicht.“

  • Bei einer Mauer, die aus mindestens drei Spielern besteht, müssen sich angreifende Spieler einen Meter von der Mauer entfernen. Wird das nicht gemacht, gibt es indirekten Freistoß für die verteidigende Mannschaft.  
  • Zudem können nun „Quick Free Kicks“ ausgeführt werden. Das heißt, dass zum Beispiel bei einem Foul der Freistoß schnell gespielt werden kann. Die fällige Verwarnung wird erst im Nachgang gezeigt.

Sven Jablonski: „Unter den alten Regeln war es nicht möglich den schnellen Freistoß ausführen zu lassen und danach erst die gelbe oder rote Karte zu zeigen. Nun ist es so, dass das Team den Freistoß schnell fortsetzen kann um den vereitelten Angriff sofort fortzusetzen.  Es wäre unfair, diesen Angriff zu unterbinden, nur weil der Schiedsrichter eine Gelbe oder Rote Karte zeigen muss. Hat der Schiedsrichter jedoch bereits mit dem Verfahren für die Disziplinarmaßnahme gegen das fehlbare Team begonnen, darf der Freistoß nicht schnell ausgeführt werden.“

 

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