Auch innerhalb der Mannschaft wächst deine Rolle. Teilweise gehörst du mit 21 Jahren zu den ältesten Spielern im Team und trägst derzeit auch die Kapitänsbinde?
Dass ich schon mit zu den Ältesten gehöre, ist wirklich neu, sonst war ich immer einer der jüngsten Spieler. Aber auch das ist okay für mich. Ich möchte Verantwortung übernehmen und soll dazu beitragen die Mannschaft zu führen. Das ist eine wichtige Aufgabe, die ich so gut wie möglich erfüllen möchte. Die Trainer geben mir dafür ihr Vertrauen, das möchte ich ihnen gerne zurückzahlen. Aber das hängt nicht von der Kapitänsbinde ab. Diese Verantwortung möchte ich auch übernehmen, wenn „Stalli" wieder da ist.
Vor rund einem halben Jahr musstest du einen schweren Rückschlag in deiner Karriere hinnehmen. Bei dir wurde ein Riss der Arterie, die zur Milz führt, diagnostiziert. Wie ist es dazu gekommen!
Das kann ich gar nicht so richtig sagen, da es sehr überraschend kam. Ich bin im Mannschaftshotel damals ohnmächtig geworden und bin anschließend in das Krankenhaus gekommen. Dort wurde ich dann stundenlang untersucht. Ich bin auch davon ausgegangen, dass es nicht so schlimm ist, es kann ja immer mal passieren, dass der Kreislauf verrücktspielt. Nachdem aber Blut im Bauch gefunden wurde, musste ich sofort operiert werden. Es ging alles so schnell, das konnte man gar nicht realisieren. Erst als ich aufgewacht bin und mir der Arzt gesagt hat, dass ich noch einmal Glück gehabt habe, wusste ich, was los war. Das war für mich und mein Umfeld natürlich ein Schock.
Sieht man nach so einem Vorfall das Leben anders?
Ja, auf jeden Fall. Das Brutale ist, dass man im Fußball schnell vergisst. Wenn ich auf dem Platz stehe, denke ich auch nicht mehr daran. Das ist auch gut so, da ich mir sonst bei jedem Zweikampf Gedanken machen würde. Im Alltag denkt man aber schon häufiger mal zurück und weiß jetzt, wie gut es einem geht, wenn man gesund ist. Vier, fünf Tage lang konnte ich mich nicht bewegen und war auf fremde Hilfe angewiesen. Da merkt man erst, was es bedeutet, normal durch das Leben laufen zu können.
Hast du nach der Operation mal an das Karriereende gedacht?
Nein, nicht wirklich, da man ja auch eigentlich gar nicht genau weiß, was so ein Eingriff im ersten Moment bedeutet. Aber eine meiner ersten Fragen an den Arzt war auch, ob ich weiter Fußball spielen kann. Da hat er gleich gesagt, dass bis auf eine kleine Narbe davon nichts zurückbleiben wird. Das war für mich das Wichtigste und von da an war es mein Ziel, noch stärker und noch fitter auf den Platz zurückzukehren.
Dafür hast du hart gearbeitet. Während deine Teamkollegen Urlaub gemacht haben, bist du in Bremen geblieben.
So verrückt es klingt, kann man aus der ganzen Geschichte sportlich auch etwas Positives ziehen. In der gesamten Sommerpause war ich, bis auf ein paar Tage, die ganze Zeit hier in Bremen und habe zwei Mal am Tag trainiert. Natürlich wäre es auch schön gewesen, ein wenig abzuschalten und die ganze Fußballwelt zu vergessen. Doch das tat mir gut, davon will ich nun profitieren.
Du gehst in deine dritte Saison bei Werder. Wie schaust du auf die vergangene Zeit an der Weser zurück?
Insgesamt hätte es besser laufen können. In der ersten Saison, in der ich auch einige Spiele bei den Profis gemacht habe, von zufrieden zu sprechen, wäre nicht richtig. Das war vielleicht mein Fehler, dass ich in der ersten Saison für mich zufrieden war. Das war eher okay. Trotzdem gab es Dinge, die ich hätte besser machen können. Die zweite Saison war dann natürlich überhaupt nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Und dann auch noch mit dem bitteren Ende. Aber ich habe daraus gelernt. Im dritten Jahr möchte ich es so gut wie möglich machen.
Was erwartest und erhoffst du dir in dieser Saison und speziell von der Nominierung für das Freiburg-Spiel?
Erst einmal möchte ich fit und gesund bleiben. Dazu darf es nicht mein Anspruch sein, bei Werder in der Regionalliga zu spielen, auch wenn ich alles geben werde, wenn ich für die U 23 auflaufen darf. Aber ich möchte bei Werder ganz nach oben, also in die Bundesliga. Und das heißt für mich nicht, nur mal im Kader zu stehen wie jetzt gegen Freiburg, sondern auch zu spielen. Dabei hoffe ich aber nicht darauf, dass sich jemand verletzt oder ausfällt wie jetzt 'Luki' und ich dann reinrutsche. Das wünsche ich keinem. Ich möchte mir durch meine eigene Leistung meinen Platz erkämpfen. Das ist mein Ziel.
Das Interview führte Norman Ibenthal